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Lindern und heilen - dieses Mal in Horb

Gesundheitstag „Mit Strahlen gegen Krebs“ von Uni-Klinikum und TAGBLATT

Strahlentherapie war das Thema des Gesundheitstages von Universitätsklinikum und SCHWÄBISCHEM TAGBLATT am Donnerstagabend. Der Veranstaltungsort war dieses Mal Horb: Dort eröffnet das Uni-Klinikum 2016 eine strahlentherapeutische Praxis. Wir dokumentieren die wichtigsten Fragen und Antworten der Experten auf dem Podium.

21.11.2015
  • Redaktion: Angelika Bachmann

Was wird bei einer Strahlentherapie gemacht?

Bei einer Strahlentherapie werden der Tumor und das unmittelbar angrenzende Gewebe, in dem er eingebettet ist, mit hochenergetischer Röntgenstrahlung behandelt. Der Patient liegt dabei auf einer Behandlungsliege. Die Röntgenstrahlung wird in einem Linearbeschleuniger erzeugt. Ein Teil dieses Geräts dreht sich um den Patienten herum, um den Tumor von allen Seiten möglichst gezielt zu bestrahlen.

Wie wirkt Strahlentherapie?

Ab einer gewissen Dosis zerstören Röntgenstrahlen den Zellkern von Krebszellen. Diese können sich dann nicht mehr teilen, der Tumor kann nicht mehr wachsen. Bestehende Tumorzellen gehen ebenfalls zugrunde. So kann Strahlentherapie bei vielen Tumoren zu einer Heilung beitragen.

Wenn Tumorzellen durch Strahlen zerstört werden – werden dann nicht auch gesunde Zellen und Organe geschädigt?

Moderne Strahlentherapie kann, auch dank technischer Fortschritte, sehr zielgenau arbeiten. In einem Bestrahlungsplan wird auf der Grundlage von computertomografischen Aufnahmen genau herausgearbeitet, welche Körperregion mit welcher Dosis bestrahlt werden soll: Auf den Tumor zielt eine hohe Strahlendosis. Das umliegende Gewebe und Organe werden geschützt. Bei Brustkrebspatientinnen zum Beispiel wird die Bestrahlung so durchgeführt, dass Lunge oder Herz nicht im Bestrahlungsfeld liegen. Das Bestrahlungsfeld kann mit Hilfe von millimetergenau steuerbaren Bleilamellen exakt modelliert werden. Während sich das Bestrahlungsgerät um den Patienten dreht, steuert ein Computerprogramm, welche Dosis in welchem Winkel abgegeben wird. Um den Tumor herum werden dabei dennoch gesunde Körperzellen – mit niedrigerer Dosis – bestrahlt. Diese können sich aber, wie man weiß, viel besser regenerieren als Tumorzellen, die aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften empfindlicher reagieren.

Kann man alle Krebsarten mit Strahlentherapie behandeln?

Grundsätzlich kann man bei allen Tumoren eine Behandlung mit Strahlentherapie in Erwägung ziehen. Es gibt Krebsarten, die sehr empfindlich gegen Röntgenstrahlung sind, zum Beispiel Lymphdrüsenkrebs. Andere sind eher unempfindlich, zum Beispiel Hirntumore. Man weiß bislang nicht, warum das so ist. Auch bei Brustkrebs, der zu den mittelgradig strahlenempfindlichen Tumoren gehört, gibt es große Unterschiede in der Strahlenempfindlichkeit. Wie ein Tumor reagiert, zeigt sich oft erst während oder nach der Behandlung.

Wer entscheidet, ob ein Krebspatient eine Strahlentherapie erhalten soll?

An den Kliniken gibt es so genannte Tumorkonferenzen. In diesen Zusammenkünften beraten sich alle behandelnden Ärzte eines Krebspatienten aus den unterschiedlichen Disziplinen. Dort besprechen zum Beispiel Gynäkologen und Radioonkologen den Fall einer Brustkrebspatientin. Dazu gehört auch die Frage, ob der Patientin eine Bestrahlung empfohlen werden soll. Grundlage für diese Entscheidung sind neben individuellen Befunden der Patientin auch Leitlinien, die medizinische Fachgesellschaften aufgrund von Erfahrungen in der Therapie von Krebserkrankungen erstellt haben.

Welche Erfolgs- und Heilungsaussichten hat eine Strahlentherapie?

Etwa die Hälfte aller Krebspatienten kann heute geheilt werden. Die Strahlentherapie hat daran einen sehr großen Anteil. Sie wird häufig in Kombination mit den anderen Säulen der Krebstherapie verwendet: mit Chemotherapie und der chirurgischen Entfernung eines Tumors. Nach einer Tumoroperation wird häufig eine Strahlentherapie angeschlossen, um zu verhindern, dass einzelne Krebszellen, die möglicherweise im Operationsfeld verblieben sind, überleben und später erneut zu einem Tumor anwachsen (Rezidiv). Bei etwa 30 bis 40 Prozent der Heilungen von Krebserkrankungen ist die Strahlentherapie beteiligt. Bei Tumoren, bei denen es keine Heilungsmöglichkeiten gibt, wird die Strahlentherapie ebenfalls häufig eingesetzt, etwa zur Linderung von Schmerzen bei Knochenmetastasen.

Wer macht die Bestrahlung?

Verantwortliche für die Bestrahlung ist ein Team. Zu diesem gehören neben dem Strahlentherapeuten ein speziell ausgebildeter Medizinphysiker und Röntgenassistenten. Um den Bestrahlungsplan zu erstellen, wird eine Computertomografie gemacht, auf deren Grundlage der Medizinphysiker genau berechnet, mit welcher Dosis bestrahlt wird. Vor der Bestrahlung gibt es ein erstes Beratungsgespräch mit dem Arzt. Die Bestrahlung selbst wird dann von Röntgenassistentinnen ausgeführt.

Wie oft muss man als Patient zur Bestrahlung kommen?

Das hängt von der Tumorart ab. Bei Brustkrebs werden 25 bis 36 Bestrahlungen gemacht, bei Prostatakrebs 30 bis 39, bei Darmkrebs zwischen 5 und 28 Bestrahlungen. Bestrahlt wird in der Regel an fünf Tagen in der Woche, das Wochenende hält man normalerweise frei. Die Bestrahlung selbst dauert heutzutage nur noch etwa fünf Minuten. Mit der Vorbereitung und der Lagerung muss man als Patient maximal 30 Minuten Zeit einrechnen.

Im Zusammenhang mit der Bestrahlung wird oft der Begriff „Gray“ verwendet. Was bedeutet das?

„Gray“ ist die Einheit, in der die Strahlendosis gemessen wird. Brusttumore zum Beispiel werden täglich mit einer Dosis von etwa 1,8 bis 2,0 Gray bestrahlt. Die Einzeldosen summieren sich im Laufe der Behandlungen zu der von Ärzten und Physikern vorab festgelegten Gesamt-Behandlungsdosis, die zum Beispiel bei Brustkrebs in der Regel zwischen 50 und 66 Gray liegt.

Stimmt es, dass Strahlentherapie zu starken Verbrennungen führt?

Die meisten dieser Berichte stammen aus einer Zeit, als die Strahlentherapie technisch noch nicht so ausgereift war. Durch die genauen Berechnungen ist Strahlentherapie heute viel schonender. Verbrennungen, wie sie noch vor 30 Jahren geschehen konnten, gibt es heute kaum noch. Dennoch stellt jede Bestrahlung eine Belastung für die Haut, Gewebe und Schleimhäute dar. Es kann zu Empfindlichkeiten und Entzündungen kommen. Jeder Patient sollte deshalb die Pflegeinformationen genau befolgen und sich bei Problemen an den Arzt oder die Pflegeambulanz wenden.

Wie kann ich meine Haut schützen?

Man sollte alles vermeiden, was die Haut zusätzlich reizt. Dazu gehören etwa scheuernde Kragen, Halsketten, Bügel-BHs. Die Haut ist während einer Bestrahlung besonders temperaturempfindlich. Im Winter sollte man sich vor Kälte schützen, im Sommer ist man empfindlich gegen UV-Strahlung. Zur Körperpflege: Man sollte in der Zeit die bestrahlte Körperregion nur lauwarm abduschen, danach vorsichtig trockentupfen und und keine eigenen Körperpflegemittel wie parfümierte Cremes oder Deos verwenden.

Kann eine Strahlentherapie zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden, wenn ein Rückfall auftritt?

Das ist, mit Einschränkungen, möglich. Man weiß, dass die Reserve des gesunden Gewebes, sich von der Bestrahlung zu erholen, in gewisser Weise aufgebraucht ist. Man muss deshalb sehr sorgsam die Strahlendosis eingrenzen, oft anders in mehreren Sitzungen aufteilen. Als Faustregel gilt, dass etwa ein Jahr zwischen der ersten und der zweiten Bestrahlungsserie liegen muss. In Tübingen führen wir immer mehr dieser Zweitbestrahlungen durch und haben deshalb viel Erfahrung damit.

Was bringen Bestrahlungen mit Schwerionen und Protonen?

Studien haben nur bei wenigen, sehr seltenen Krebsarten, etwa bei manchen Hirntumoren, einen therapeutischen Vorteil belegt. Die Zahl der Patienten ist also sehr klein. In Tübingen steht diese Methode nicht zur Verfügung. Jährlich haben wir etwa zehn bis 15 Patienten, bei denen wir in einer solchen Therapie Vorteile sehen würden. Dann stellen wir eine Anfrage an unseren Partner, das Uni-Klinikum Heidelberg. Wir beraten jeden Patienten, welche Bestrahlungsart für ihn optimal ist.

Gesundheitstag „Mit Strahlen gegen Krebs“ von Uni-Klinikum und TAGBLATT
Bei der Strahlentherapie werden Krebszellen mit hochenergetischen Röntgenstrahlen traktiert: Der Zellkern der Krebszellen wird dabei zerstört. Das Bestrahlungsgerät dreht sich während der Behandlung um den Patienten auf der Behandlungsliege.

Gesundheitstag „Mit Strahlen gegen Krebs“ von Uni-Klinikum und TAGBLATT
Diese Experten des Tübinger Uni-Klinikums informierten im Horber Steinhaus: Prof. Daniel Zips, Ärztlicher Direktor der Tübinger Uniklinik für Radioonkologie, Privatdozent Dr. Arndt-Christian Müller, Ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Radioonkologie Tübingen, Aika Heinzelmann, Leiterin der Pflegeambulanz und der Tagesklinik an der Radioonkologischen Uni-Klinik. Bilder: Kuball

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21.11.2015, 12:00 Uhr

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