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Elbphilharmonie

Getanzte Wellen auf sechs Etagen

Sasha Waltz hat die Foyers mit 80 Interpreten bereits jetzt mit einer tollen Performance eingeweiht.

03.01.2017
  • DPA

Hamburg. Über dem Hamburger Hafen, im zehnten Stock der Elbphilharmonie, verteilen sich 600 Besucher auf Treppen und Gängen. Streng und ernst erklingen in diesen Nutz- und Nebenräumen am Sonntagabend die Verse aus Francis Poulencs Werk „Figure Humaine – Menschliches Antlitz“ aus dem Kriegsjahr 1943. Es singt, an zwei Standorten, der Chor Vocalconsort Berlin unter Leitung von Nicolas Fink. Und dann kommen sie, die Tänzer und Tänzerinnen der Compagnie „Sasha Waltz & Guests“.

Behände scheinen sie in schlichten schwarzen, grauen und marineblauen Gewändern die Zuschauermenge zu infiltrieren. Wellenförmig werfen sich fünf von ihnen mit hoch gestreckten Armen immer wieder gegen eine Brüstung, bewegen sich kreisend hin und her. Andere schlängeln sich durchs Publikum hindurch – wie Treibgut im Meer.

Im Verlauf der nächsten zweieinhalb Stunden werden die Tänzer über sechs Etagen weiter nach oben ziehen und die Besucher mit sich nehmen. Oft sakral klingende Musikwerke, unter anderem von Hildegard von Bingen, Bach, Boccherini, Lachenmann und Widmann, umspannen bei der Uraufführung die Performance, mit der Sasha Waltz die Foyers der Elbphilharmonie erkunden lässt.

Sie gerät zu einer wahren „Einweihung“ dieser Räume – so, wie die Ballettchefin es zuvor erklärt hatte. „Ich bin überwältigt. Gott, ist das schön“, sagte eine Besucherin, die 69-jährige Hamburgerin Gisela Stegle, ergriffen von dem in matter Beleuchtung schimmernden Konzertsaal. „Ich könnte losheulen.“

Schweigend ausprobiert

Offiziell eröffnet wird das Haus samt dem spektakulären, weinbergartigen Konzertsaal erst am 11. Januar mit einem Festkonzert. Die 80 Tänzer, Chorsänger, die Instrumentalsolisten und das Publikum haben den Saal jedoch bereits am Sonntag bespielt.

Allerdings erklang dabei kein Ton: Zur Aufführung kam John Cages "4'33"", ein Stück, das aus vier Minuten und 33 Sekunden Stille besteht. Beeindruckendes Schweigen – und schließlich zelebrierten 17 Tänzerinnen eine wilde Darbietung.

Waltz hatte sich in den vergangenen Jahren mit ihrer Truppe schon mehrfach in von ihr sogenannten „Dialog“-Projekten mit öffentlichen Bauten auseinander gesetzt, so dem Jüdischen Museum (1999) und dem Neuen Museum (2009) in Berlin. Bei den Foyers handelt es sich erstmals um nicht für Kunst bestimmte Räume. Die 1963 in Karlsruhe geborene Choreographin wurde unter anderem mit dem Europäischen Theaterpreis 2008 und dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. dpa

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03.01.2017, 06:00 Uhr

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