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51-Jähriger fiel über seine Frau her

Gewürgt, geprügelt und vergewaltigt: Zweijährige Bewährungsstrafe

Weil er seine Frau vergewaltigt und verprügelt hat, ist ein 51-Jähriger aus dem Steinlachtal jetzt vor dem Amtsgericht Tübingen zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

24.09.2010
  • Kathrin Schoch

Tübingen. Zwei Jahre Haft auf Bewährung, eine vier Jahre dauernde Bewährungszeit, 300 Arbeitsstunden und ein Anti-Gewalttraining – so lautete das Urteil für den Mann, der sich wegen Vergewaltigung und Körperverletzung gestern vor dem Amtsgericht Tübingen verantworten musste.

Die Verhandlung ging knapp für den Angeklagten aus dem Steinlachtal aus, das machte Richter Eberhard Hirn bei der Urteilsverkündung klar: „Wenn Sie jetzt wieder straffällig werden, war’s das.“

Es war ziemlich genau vor einem Jahr, in der Nacht vom 27. September 2009, als der Mann nach einem Besuch bei Freunden über seine Frau herfiel. Er schlug sie mindestens 20 Mal, so die Staatsanwaltschaft, mit der Faust ins Gesicht und auf den Oberkörper, würgte sie, zerrte sie an den Haaren durch die Wohnung und drang mit mehreren Fingern in sie ein. Das wird, wie jede Penetration, nach dem Strafgesetzbuch als Vergewaltigung behandelt.

Erst als die Polizei eintraf, ließ der ungelernte Arbeiter von der 46-Jährigen ab. Sie war übersät mit blauen Flecken, Blutergüssen und hatte Schürfwunden. „Sie haben ihre Frau nach allen Regeln der Kunst verprügelt“, stellte Richter Eberhard Hirn beim Betrachten der Beweisfotos fest und sprach von „schlimmen Bildern“. Das gestand auch der Angeklagte, der bereits 29 Vorstrafen von der Körperverletzung bis zum Betrug hat, kleinlaut ein.

Vorausgegangen waren Beziehungsprobleme des seit 25 Jahren verheirateten Paares. Seit einem halben Jahr war das Ehepaar eigentlich getrennt. Bett und Tisch teilten die beiden aber noch. Man habe gemeinsam vereinbart, keine neue Beziehung zu beginnen, so lange man noch zusammen wohne, erklärte der Mann. Dem widersprach seine Frau: „Er hat gesagt, ich soll die Beine still halten. Da hab ich mich gefügt, weil ich wusste, was sonst passiert.“

Als der 51-Jährige am Nachmittag vor der Tatnacht von einem Freund erfuhr, dass seine Frau auf einer Internetseite sexuelle Kontakte suchte, habe er sich „wahnsinnig aufgeregt“. Auf seine Nachfrage habe seine Frau nur erklärt, abends ausgehen und Spaß mit Männern haben zu wollen. Davon habe sie ihm auch berichtet, als er nachts mit 1,7 Promille Alkohol im Blut wieder nach Hause kam.

„Als ich das gehört habe, bin ich ausgerastet. Da hat es Klick gemacht“, gab der Mann zu Protokoll. Mit dem Ausspruch „Und jetzt fick ich dich“ stürzte er sich auf seine Frau. Allerdings will er nur ein paar Mal zugeschlagen haben. Auch könne er nicht sagen, ob er die 51-Jährige wirklich penetriert habe: „Ich hab’ da einfach hingelangt. Es war keine Vergewaltigungsabsicht.“ Es sei aber „deftig“ zugegangen, gestand er im weiteren Verlauf der Verhandlung ein. Mitinitiator sei sicher der Alkohol gewesen. Auch habe seine Frau zurückgetreten.

Diese konnte nur wenige Details zu den Geschehnissen in der Nacht liefern. „Ich habe das ganz tief unten in mir versteckt“, sagte sie. Genau wisse sie jedoch noch, dass sie ihren Mann nicht mit Erzählungen über den Abend provoziert habe. Auch, dass er sie mit der Faust geschlagen habe und nicht mit der offenen Hand, wie ihr Mann angegeben hatte. „Ich hatte Panik. Ich hab’ Angst gehabt, dass ich gleich das Zeitliche segne“, sagte sie. Körperlich gehe es ihr wieder gut, doch sie habe immer noch psychische Probleme. Auf die Entschuldigung ihres Mannes – per Brief und nochmal im Gerichtssaal – reagierte sie nur mit einem Schnauben.

Staatsanwältin Bettina Winckler sprach vom gewalttätigen und traurigen Ende einer Ehe. Der Angeklagte habe seine Frau erniedrigen wollen, und das sei ihm auch gelungen. Für ihn sprächen jedoch sein weitgehendes Geständnis und die gezeigte Reue. Ihrer Forderung nach zwei Jahren Haft mit dreijähriger Bewährungszeit und 200 Arbeitsstunden schloss sich Verteidiger Achim Unden an, der der Ehefrau „erheblichen Belastungseifer“ vorwarf. Sein Mandant wolle sich nun bewähren.

Info Richter: Eberhard Hirn; Staatsanwältin: Bettina Winckler; Verteidiger: Achim Unden; Schöffen: Olaf Nill, Hans-Albert Schaupp.

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24.09.2010, 12:00 Uhr

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