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Gitarrenwelt in Aufruhr
Die meisten Hölzer, die für Gitarren mit Rosewood-Hälsen verwendet werden, stehen künftig unter verstärktem Schutz. Foto: Fotolia
Musik

Gitarrenwelt in Aufruhr

Die Edelhölzer Palisander, Kosso und Bubinga stehen künftig unter schärferem Schutz. Machen sich die Besitzer der Instrumente strafbar? Das zuständige Bundesamt gibt Entwarnung.

19.01.2017
  • HELMUT PUSCH

Ulm. Das Universum der Gitarrenbesitzer ist in Turbulenzen geraten. Aber nicht etwa, weil eine bis dato unbekannte Aufnahme von Jimi Hendrix aufgetaucht wäre oder ein neues Talent eine neue, atemberaubende Spieltechnik entwickelt hätte. Es geht um die Gitarren selbst. Und zwar vor allem um jene Instrumente, die schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. „Vintage“ nennt man diese Preziosen, die je nach Hersteller und Produktionsjahr schon mal gerne sechsstellige Preise erzielen.

Cites heißt das Abkommen, das grenzübergreifend seltene Pflanzen und Tierarten schützen soll. Zu den besonders schützenswerten Holzarten gehört Rio Palisander. Eine Holzart, die gerne in Gitarren verbaut wurde. Deren Handel ist weltweit bereits seit 1992 verboten. Der Besitz von Instrumenten mit Rio Palisander ist also illegal. Es sei denn, die Instrumente wurden vor 1992 gekauft.

Was die Sache jetzt hochkochen lässt: Auf der jüngsten Cites-Artenschutzkonferenz wurden auch alle afrikanischen Palisander-Arten unter Schutz gestellt, dazu das afrikanische Kosso-Holz und Bubinga. All jene Hölzer also, aus denen die so genannten Rosewood-Hälse für Gitarren gefertigt werden.

Das Cites-Abkommen ist zum Jahreswechsel in Kraft getreten. Deshalb hat das Bundesamt für Naturschutz die Händler und Hersteller von Instrumenten davon in Kenntnis gesetzt und ein Angebot gemacht, das Verwirrung hervorruft: „Wir haben angeboten, dass man die Instrumente, die man vor Inkrafttreten der internationalen Verordnung schon besessen hat, ohne großen Aufwand bei den Behörden anmeldet“, sagt Franz Böhmer, der beim Bundesamt für den Fachbereich zuständig ist. „Das ist kein Muss, keine Verpflichtung gewesen, sondern ein Serviceangebot.“ Und das wandte sich vor allem an die Profis: die Hersteller und die Händler.

Das Angebot schreckte aber auch die Besitzer auf. Dazu kamen Meldungen, dass in den vergangenen Jahren durchaus Instrumente beschlagnahmt wurden, in denen nach 1992 noch Rio Palisander verbaut worden war. Drei dieser Gitarren hat das Bundesamt kürzlich medienwirksam der Musikhochschule Köln zur Nutzung überlassen. Da sah so mancher Gitarrenbesitzer sein Schätzchen schon dem Zugriff der Behörden ausgeliefert. Und die sind bislang nicht in der Lage, Entwarnung zu geben. Denn ihnen liegen keine Umsetzungsbestimmungen vor, die en detail die Rechtslage regeln würden.

Kein Wunder: Die Ergebnisse der jüngsten Cites-Konferenz müssen erst noch in EU-Recht gegossen werden, sind also bislang noch gar nicht rechtsgültig, sagt Franz Böhmer. Allerdings werde das in den nächsten Wochen der Fall sein.

Die Folgen für den Privatmann? Erst mal keine. Er darf seine Gitarren behalten, auch wenn darauf geschützte Holzarten verbaut wurden. Allerdings darf er sie nur noch verkaufen, wenn deren Besitz vorher bei den Behörden gemeldet worden ist. Probleme winken auch bei Reisen außerhalb der EU und internationalen Tourneen. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, ist es ratsam, seine Instrumente anzumelden. In Baden-Württemberg sind die Regierungspräsidien dafür zuständig, in Bayern die Landratsämter oder die kreisfreien Städte.

Und für alle, die keine Rechnung mehr für ihre Fender Baujahr 1964 vorweisen können: „Wir akzeptieren auch andere Belege: Inventarlisten oder alte Fotos“, sagt Ulrike Salja vom Landratsamt Neu-Ulm. Und noch ein Tipp für die Besitzer von Vintage-Schätzchen mit Rio-Palisander: Die Instrumente der großen Hersteller haben Seriennummern, aus denen sich ableiten lässt, wann sie wo gebaut wurden.

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19.01.2017, 06:00 Uhr

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