Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kommentar

Globaler Sandkasten

03.03.2018

Von CHRISTOPH FAISST

Ulm. Es ist schon eine Weile her, dass die westliche Welt sich über einen russischen Präsidenten amüsierte, der auf sorgsam inszenierten Fotos mit nacktem Oberkörper raubeinige Männlichkeit verströmte. Im Weißen Haus saß Barack Obama, der eine Welt ohne Atomwaffen propagierte, was ihn nicht hinderte, parallel dazu das US-Arsenal modernisieren zu lassen. Davon ist nichts geblieben, es wird ernst. Die Zahl der Staatschefs, die darum wetteifern, den größten Atomknopf zu haben, steigt: Kim Jong Un, Donald Trump, Wladimir Putin.

Der Besitz der Bombe ist prestigeträchtig und wird vor allem als politische Lebensversicherung gesehen. In Zeiten, in denen Grenzen nicht mehr unverrückbar sind und militärische Interventionen salonfähig werden, sofern nur ihre Ziele hehr genug sind, ist das eine logische Sicht. Das Beispiel des gestürzten libyschen Diktators Muammar Gaddafi, der sein Atomprogramm aufgab, gilt in jenen Regionen, die der US-Hegemonie skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, als Warnung.

Es werden noch viele Jahre ins Land gehen, bis Klarheit herrscht, ob der Kalte Krieg trotz oder wegen der nuklearen Nachrüstung nicht eskalierte. Die Erfahrung zeigt jedoch: Kriege werden öfter als führ- und gewinnbar gesehen, seit die Blockkonfrontation mit ihrer Drohung der totalen Vernichtung Geschichte ist.

Die Besorgnis angesichts der starken Töne aus Moskau ist vor allem eine Pflichtübung. Denn das Problem ist größer als zwei neue Raketen: Eine aggressive Außenpolitik soll innenpolitisch die Reihen schließen. Das ist ein Trend in einer Zeit neuer Kraftmeierei – nukleare Prügel im globalen Sandkasten inklusive.

Zum Artikel

Erstellt:
3. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. März 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen