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Welthandel

Globalisierung für alle

Die Internationale Finanzelite bekennt sich zu Welthandel und Wachstum. Deutschland lehnt Konjunkturspritzen weiter ab.

10.10.2016
  • DPA

Washington. Schleppender Welthandel, Abschottungstendenzen, Kriege und Flüchtlingskrisen: Die weltweite Finanzelite hat bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington die Risiken für weltweites Wachstum und Wohlstand ins Zentrum seiner Beratungen gestellt. Der weltweite Handel soll gestützt und Wachstum gefördert werden: „Das anhaltend schwache Wachstum hat tieferlegende Probleme offenbart.“

Politische Risiken seien die Hauptgefahr für die Weltwirtschaft, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Samstag in Washington zum Abschluss der Jahrestagung sowie nach einem Treffen der Finanzminister der G20-Staaten. Dazu zählen der geplante Brexit in Großbritannien genauso wie der Wahlkampf in den USA und der Bürgerkrieg in Syrien. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sieht es ähnlich: „Die größten Risiken sind geopolitischer Natur.“

Risiken geopolitischer Natur

Sollte es gelingen, ihnen zu begegnen, könne Wachstum und Inflation schon bald zu den Zielmarken zurückkehren, sagte Draghi. In der Eurozone werde die Inflation spätestens Anfang 2019 zur Zielmarke von knapp zwei Prozent zurückkehren, wenn die lockere Geldpolitik fortgesetzt werde.

Es sei erstmals im Kreis der Finanzminister und Notenbanker intensiv darüber diskutiert worden, wie man diesen Risiken entgegentrete, betonte Schäuble: „Das ist ein Stück weit ein neuer Ansatz.“ Eine nachhaltige Entwicklung werde wichtiger. Darauf setzt auch Deutschland, wenn es im Dezember den Vorsitz der G20-Gruppe führender Industrie- und Schwellenländer übernimmt.

Eines der großen politischen Risiken bleibt der Brexit. Freude über eine sanfte Landung der britischen und europäischen Wirtschaft nach dem Austrittsvotum sei verfrüht, sagte Draghi. „Dies ist ein signifikantes Ereignis. Zu glauben, dass dies völlig ohne Auswirkungen bleibt, ist wahrscheinlich zu viel der Hoffnung“, betonte Europas Top-Notenbanker.

Warnsignal für viele Ökonomen

Zuvor hatte vor allem IWF-Chefin Christine Lagarde vor einer Politik des Abschottens gewarnt. Der weltweite Handel wächst derzeit weniger schnell als die Weltwirtschaft insgesamt, deren Wachstum der Internationale Währungsfonds mit 3,1 Prozent für das laufende Jahr prognostiziert. Dies ist für viele Ökonomen ein Warnsignal.

Die Globalisierung und der internationale Handel würden gebraucht, um Wachstum zu schaffen und letztlich auch um Armut wirksam bekämpfen zu können. Die Französin sprach sich dafür aus, Instrumente zu entwickeln, die die Früchte der Globalisierung mehr Menschen zukommen lassen.

Schäuble und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erteilten zusätzlichen Konjunkturspritzen erneut eine Absage, wie sie unter anderem Lagarde vom wirtschaftlich starken und vergleichsweise nur gering verschuldeten Deutschland fordert. „Die Lage der Weltwirtschaft ist gar nicht so schlecht“, sagte Schäuble.

Keine Einigung gab es zur Frage, ob sich der IWF am dritten Hilfspaket bei der Griechenland-Rettung beteiligt. Ohne die Beteiligung kann etwa der Deutsche Bundestag nicht zustimmen. Die Euroländer haben ihre Berechnungen darauf ausgerichtet, dass Griechenland einen Primärüberschuss von 3,5 Prozent erwirtschaft. dpa

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10.10.2016, 06:00 Uhr

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