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Glück im großen Schrecken
Bewohner vor ihrem Haus in der Nähe von Kaikoura: Es ist verschoben, verzogen, zerstört, aber zum Glück nicht eingestürzt. Foto: afp
Neuseeland

Glück im großen Schrecken

Viele Zerstörungen, aber nur zwei Menschen sind beim starken Erdbeben gestorben. Viele sorgen mit Hamsterkäufen vor, weil weitere Erdstöße zu erwarten sind.

15.11.2016
  • CHRISTIANE OELRICH, DPA

Hanmer Springs. Als der Neuseeländer John Dawber um Mitternacht, eine Stunde nach dem Erdbeben, in seinem Supermarkt in Hanmer Springs ankommt, ist das Chaos groß. Ketchup-Flaschen, Senfgläser, Öl, Nudeln und vieles mehr sind aus den Regalen geschleudert worden. Er steigt über die Scherbenhaufen und räumt auf.

Bei allem Schrecken sprechen die Menschen von Glück. Glück, dass die Tsunamiwellen kaum Schäden verursachen. Glück, dass die Erdbebenregion nördlich von Christchurch so dünn besiedelt ist. Glück, dass das Beben in der Nacht passierte.

Ziemlich genau unter Hanmer Springs hat das massive Beben in der Nacht zum Montag begonnen, 7,5 bis 7,8 war die Stärke, die Experten rechneten gestern noch.

Dawber wusste, was auf ihn zukommt: ein Ansturm der Einwohner. Binnen Stunden sind seine Regale leer: Hamsterkäufe. Dutzende teils heftiger Nachbeben erschüttern die kleine Welt um Hanmer Springs. „Der Supermarkt ist wie das Herz der Gemeinde“, sagt er der „Daily Mail“. „Wir mussten einfach öffnen.“

Hunderte Kilometer weit sind die Schäden groß, die Regierung spricht von „Milliarden“. Im Hafen von Christchurch ist ein Turm aufgestapelter Container umgestürzt. In Straßen klaffen Risse. Bürgersteige sind von Splittern zerbrochener Scheiben übersät. An einem Hang klafft eine hunderte Meter hohe Wunde – das Erdreich ist abgerutscht. In einem Laden sind Flaschen aus dem Regall gefallen, Rotwein breitet sich wie Blutlachen aus.

Auf einer Küstenstraße, über die am Sonntag noch Urlauber gefahren sind, liegt jetzt meterdicker Schlamm, und Felsbrocken groß wie ein Einfamilienhaus versperren den Weg. Dort ist vor kurzem noch der Deutsche Steffen Schmitt mit seinem Campervan lang. „Man kannte die Straße kaum wieder“, sagte er der Redaktion von Fairfax Media. „Die Erde war total angehoben.“

Schmitt ist wie rund 1000 andere Urlauber rund um das Touristenstädtchen Kaikoura gestrandet. In der malerischen Landschaft zweieinhalb Autostunden nördlich von Christchurch wird normalerweise gewandert, an der Küste getaucht und gefischt. Wale und Delfine kann man hier beobachten.

Am Montag geht es nur noch per Hubschrauber rein und raus. Die Zufahrtsstraße ist völlig unter Geröll vergraben, die Eisenbahnschienen entlang der Straße sind grotesk verbogen. Die Luftwaffe holt die Urlauber mit Kleinflugzeugen raus.

Auch Lukas Eckert aus Deutschland und ein Freund waren im Campervan in der Gegend. Er habe die Felsbrocken die Hänge herunterpoltern gehört, sagt er Fairfax. Die Wohnwagen dürften über Monate dort feststecken. Er und die anderen Touristen werden per Hubschrauber gerettet.

Margaret Edgar ist 100 Jahre alt. Sie wohnt seit mehr als 60 Jahren in ihrem großen Anwesen Elms Homestead nahe dem Flughafen von Kaikoura. Die alten Mauern brechen. Sie wird gerettet, aber ihr Sohn kommt ums Leben. Ein anderer Mensch stirbt an einem Herzanfall. Sanitäter hatten nicht zu ihm kommen können.

Christiane Oelrich, dpa

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15.11.2016, 06:00 Uhr

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