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Glücksfall mit G’schmäckle
Reinhold Geilsdörfer
Staatsanwaltschaft überprüft den Heilbronner Hochschul-Boom

Glücksfall mit G’schmäckle

Der Aufstieg Heilbronns zu einem bedeutenden Bildungsstandort gilt als Glücksfall für die Stadt. Doch eine Strafanzeige trübt die Freude.

29.04.2016
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. In den höchsten Tönen hat Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) Heilbronn in Berlin bei einem geselligen "Landsleutetreffen" in der Landesvertretung gepriesen. "Kaum eine andere Stadt investiert gerade so intensiv in ihre Zukunft", erfuhren die 1400 Gäste. Heilbronn werde sich mit bald 10 000 Studenten zum "wichtigen Hochschulstandort" entwickeln.

Der Aufschwung ist einem spendablen Ehrenbürger zu verdanken. Der Kaufmann Dieter Schwarz lässt Gewinne seines Handelsimperiums (Lidl/Kaufland) in eine Stiftung fließen, die wiederum viele Millionen in Heilbronn investiert. Dank des Schwarz-Geldes entstand eine beispiellose Kooperation mit dem Land. In sieben Häusern eines "Bildungscampus" kam auch die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) unter, die sich dank dieser Unterstützung neu in Heilbronn niederließ. Zuerst sollte nur eine Außenstelle des Standorts Mosbach entstehen, doch sehr zügig entfaltete der Neuling am Neckar die Dynamik für die Eigenständigkeit.

Das Konzept stammte von Reinhold Geilsdörfer, damals Mosbacher Direktor und 2010 aufgestiegen zum DHBW-Präsidenten. Den Aufbau in Heilbronn werde er "ganz massiv unterstützen und entsprechend entwickeln", versprach Geilsdörfer im September 2008. Er sei "in der wichtigen Zeit nach Abschluss der Gründungsphase der DHBW der richtige Mann am richtigen Platz" gewesen, lobte Ministerin Theresa Bauer (Grüne) bei der Verabschiedung am 2. Februar 2016.

Zum Zeitpunkt der Zeremonie stand Geilsdörfer bereits unter einem schweren Verdacht. Er war im September 2015 wegen Vorteilsnahme angezeigt worden, weil vermutet worden war, dass er für die "Kaderschmiede der Lebensmittelbranche" in Heilbronn die Weichen im Sinne der Schwarz-Stiftung gestellt haben könnte. Jener Stiftung also, deren Geschäftsführer der Präsident i.R. seit seinem Ausscheiden aus der DHBW ist. Geilsdörfers Berufung hatte die Stiftung im März 2015 bekanntgegeben. DHBW-Mitarbeiter haben sein Verhalten laut Medienberichten als "in höchstem Maß skandalös, unanständig und schamlos" kritisiert. Eine E-Mail zeigte sein Porträt neben dem Logo des Discounters: "Lidl lohnt sich."

Mit der Anzeige hatte sich zuerst die Staatsanwaltschaft in Stuttgart beschäftigt, dann aber die Kollegen in Mosbach für zuständig befunden. Doch plötzlich wurde wieder die eigene Kompetenz entdeckt, jedoch auf Ermittlungen verzichtet.

Hinweise auf eine strafbare Handlung konnten offenbar nicht entdeckt werden. Nach einer Dienstaufsichtsbeschwerde hatte sich die Generalstaatsanwaltschaft um den Fall gekümmert. Inzwischen ist die heikle Angelegenheit in Heilbronn gelandet. Eine Sprecherin der Anklagebehörde teilte nur mit, "dass die Akte bei der Staatsanwaltschaft Heilbronn eingegangen ist und der Vorgang geprüft wird".

Wortkarg gibt sich auch das DHBW-Präsidium. Dort wurde auf frühere Ehrenerklärungen verwiesen. Das Wissenschaftsministerium enthält sich einer aktuellen Bewertung, um nicht der "unzulässige Einflussnahme" verdächtigt zu werden. Aber es gilt noch immer, was im September 2015 verkündet wurde: Alle Heilbronn betreffenden Beschlüsse gingen auf Entscheidungen der DHBW-Gremien und der Landesregierung zurück. Geilsdörfer ließ von einem Sprecher "jegliches strafbare Verhalten" zurückweisen. Er habe "immer im Interesse der DHBW" gehandelt.

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29.04.2016, 06:00 Uhr

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