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Das Atmen geht leichter

Gomaringer Sportgruppe tut den Lungen gut

Die Gomaringer Lungensportgruppe ist die einzige im ganzen Landkreis: Manche Besucher nehmen deswegen lange Anfahrtswege in Kauf. Der Verein für Präventions- und Reha-Sport hat die Gruppe dieses Jahr gegründet.

13.10.2010
  • Jürgen Jonas

Gomaringen. Regelmäßiger Lungensport kann helfen, die Alltagssituation der Erkrankten zu verbessern. Die Gomaringer unterhalten die einzige Lungensportgruppe im Kreis. Die Asthma-Liga ist auf den Verein zugekommen, „nun gibt es einen Ort, wo die Ärzte die Leute hinschicken können. Wir haben unser Angebot ergänzt,“ sagt Werner Neugum, der Vorsitzende des überaus aktiven Vereins. Für Astmatiker und Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen ist die neue Gruppe bestimmt, die es seit Januar gibt.

Der Verein für Präventions- und Rehasport, der Wege zu verbesserter Lebensqualität bahnen will, bietet schon seit Längerem jeden Mittwochabend in der Sport- und Kulturhalle speziellen Sport nach dem Herzinfarkt oder dem Schlaganfall an, ebenso Übungen für an Diabetes Erkrankte und Menschen, deren Stütz- und Bewegungsapparat beeinträchtigt ist, sei es durch Wirbelsäulenschäden, Osteoporose oder Amputationen.

Die Hallenkapazitäten erlauben die Teilnahme vieler Menschen, die Halle wird mit Schiebewänden in drei Abteilungen untertrennt. An einem Abend sind so mehrere Gruppen nebeneinander beschäftigt. Sechs Gruppen mit über 120 Teilnehmern, die zumeist Leistungen ihrer Versicherungen in Anspruch nehmen. „Da findet jeder seine Gruppe, wo er sich wohlfühlt,“ sagt Neugum. Die Teilnehmer brauchen eine Verordnung von ihrem Arzt, die sie bei Neugum abgeben können. Vorstandsmitglied Alfred Wandel, vielerfahren in Finanzfragen, hilft ihm bei den Abrechnungen, die recht großen Aufwand machen. „Es gibt auch Leute, die zuzahlen oder die so kommen und alles selber zahlen, weil es einfach Spaß macht.“ Viel Verwaltungsarbeit, aber „wir sind Nebenpersonen,“ meint Neugum, wichtig sei, dass die die kranken Menschen sich sportlich betätigen.

Mehr Atemvolumen, mehr Ausdauer

Goethe sah das Atemholen als einen Gnadenakt an. Einatmen und Ausatmen. „Jenes bedrängt, dieses erfrischt; so wunderbar ist das Leben gemischt.“ Allerdings bringt das Atmen eben für viele Menschen Schwierigkeiten mit sich, Kurzatmigkeit und heftiges Schnaufen treten auf, wenn die Lunge nicht genug Sauerstoff in die Blutbahnen übergibt. Die „chronisch obstruktive Lungenkrankheit“ (COPD, so die englische Abkürzung) greift oft ins Leben ein. Immer mehr Menschen, bis zu sechs Millionen Deutsche beiderlei Geschlechts leiden daran. Rauchen ist vielfach die Ursache, wenn die Lunge ihren Dienst nicht wie gewohnt versieht.

Rolf Henning Treff ist einer der betreuenden Ärzte, einer von dreien. Am Mittwoch sind sie, „zur Sicherheit“ anwesend, „eigentlich nur für die Herzkranken, noch nie mussten wir eingreifen“. Die Teilnehmer sollen belastbarer werden, was nach einiger Zeit eintritt. „Der Ausdauerteil wird länger, das Atemvolumen wieder größer.“ Der Muskelaufbau wird gefördert, die Bewegungsabläufe können wieder besser koordiniert werden.

Neun Leute sind derzeit in der Lungensportgruppe aktiv. Die Übungsleiter sind natürlich speziell ausgebildet, den Lungensport betreuen Sybille Guth und die Sportlehrerin Haline Fontes-Baumbach. Gezieltes Training ist für den Körper so effektiv wie die medikamentöse Behandlung. Sie arbeiten zum Beispiel mit bunten Schwingtüchern und Pezzi-Bällen, Übungen zum Dehnen des Rumpfes und der Brust.

Eine Gomaringerin, mit Sauerstoffgerät unterwegs, ist an Schlafapnoe und Lungenemphysem erkrankt, da werde es einem schon zu schwer, den Staubsauger wie früher gewohnt zu handhaben. Es tut ihr gut, hierher zu kommen. Die Teilnehmer sind auch aus Gönningen, Bodelshausen, Wurmlingen und Reutlingen. Dort, erzählt Marlene Homberger, die aufgrund einer nicht ausgeheilten Grippe erkrankte, gibt es zwar eine Gruppe, aber nur am Tag, während ihrer Arbeitszeit. Sie fühlt sich viel wohler, seit sie mitmacht: „Der Sport wirkt der Verschleimung entgegen.“ Lungen und Bronchien sind eben empfindliche Organe, davon könnten manche ein Lied singen.

Auch Passivrauchen birgt schwere Risiken

So wie Heidi Stickel, die passiv mitgeraucht hat, weil sie 35 Jahre in der Gastronomie gearbeitet hat. Sie ist mit Freude dabei, wenn Fontes-Baumbach mit viel Emotion die Übungen betreibt, „ohne Haline geht garnichts!“ Hemmschwellen gibt es hier nicht, niemand braucht Angst haben, dass er sich lächerlich macht. Die Bodelshäuserin Erika Franz drückt es auf ihre Art aus: „Wenn es uns keinen Spaß machen würde, wären wir nicht mehr dabei.“ Also, ehe ein Treppenlift ins Haus kommt, sollten Kurzatmige erst mal zur Lungensportgruppe nach Gomaringen. Neugum: „Vorbeikommen und reinschnuppern!“

Info: Werner Neugum gibt Auskunft. wneugum@aol.com

Gomaringer Sportgruppe tut den Lungen gut
Lungensport in Gomaringen: Wer Probleme beim Atmen hat, kann dieses Leiden durch gezielte Übungen lindern. Bild: Franke

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13.10.2010, 12:00 Uhr

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