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Es herrscht dicke Luft

Gomaringer verärgert über Plaketten-Politik

Er finde das eine „Unverschämtheit“, schimpfte FW-Gemeinderat Dieter Redemann. Wie alle seine Ratskollegen sieht er nicht ein, weshalb die „Stinker“ ohne grüne Plakette künftig um Tübingen herum – und somit auch durch Gomaringen – geleitet werden sollen.

26.06.2014
  • gs

Gomaringen. Weil in Tübingen die Grenzwerte nicht eingehalten werden, will das Regierungspräsidium die Umweltzone auf das gesamte Stadtgebiet ausweiten. Somit dürften auch auf den Bundesstraßen und in den Teilorten keine alten „Stinker“ ohne grüne Plakette mehr fahren. Laut Statistik haben 13 Prozent der Pkw und knapp die Hälfte der Lastwagen, die auf den Bundesstraßen im Stadtgebiet unterwegs sind, eine rote, eine gelbe oder gar keine Plakette. Das Regierungspräsidium und das Verkehrsministerium gehen davon aus, dass deren Halter dann andere Fahrzeuge benutzen oder Ersatz beschaffen, und begründen dies mit Erfahrungen in anderen Städten. Doch schon das Landratsamt meldet daran Zweifel an. Schließlich soll der Verkehr an den Knotenpunkten außerhalb des Stadtgebiets – beispielsweise an der Pulvermühle – um Tübingen herum gelenkt werden. Am stärksten würde die Strecke zwischen Gomaringen, Immenhausen, Wankheim, Kusterdingen und Kirchentellinsfurt belastet. Die Kusterdinger haben sich in einer Stellungnahme bereits gegen den Luftreinhalteplan ausgesprochen, und die Gomaringer taten es ihnen nun gleich. Schon jetzt, so argumentiert die Verwaltung, werde die Kreisstraße 6903, die nach Immenhausen führt, als Schleichweg benutzt, insbesondere von Autofahrern aus dem Zollernalbkreis, die nach Stuttgart unterwegs sind. Und auf der Landesstraße 384, die von Mössingen über Gomaringen Richtung Reutlingen führt, seien täglich 14 600 Fahrzeuge unterwegs. Nun fürchten die Gomaringer sich vor noch mehr Lärm und Schadstoffen. In Stockach und Hinterweiler gebe es außerdem nur jeweils eine Ampel. „Die Nachteile werden in Kauf genommen, ohne sie überhaupt näher zu untersuchen“, bemängelt die Gomaringer Verwaltung in dem Brief. Sie fordert ein Verkehrsgutachten, das auch die Umweltbelastungen ermittelt. In Tübingen sänke die Schadstoffbelastung schließlich nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich: „Es ist nicht einzusehen, dass eine minimale Verbesserung der Lebensqualität an einer Stelle durch eine deutliche Verschlechterung in gleich mehreren Orten in Kauf genommen wird.“ Und sowieso würden die Schadstoffe nicht insgesamt reduziert. Viel mehr Nutzen habe beispielsweise eine Geschwindigkeitsreduzierung auf den Bundesstraßen.

„Ich erkenne keine Problemlösung, sondern nur eine Verlagerung“, sagte Bürgermeister Steffen Heß am Dienstag im Gemeinderat. Für seine Stellungnahme erhielt er Lob von allen Seiten. Sie lege „den Finger in die Wunde vom Luftreinhalteplan“, lobte Susanne Horn. Die Geschwindigkeit dürfe man nicht ausklammern. Ganz allgemein sei das Problem „die Menge des individualisierten Personennahverkehrs. Warum schreiben wir nicht gleich, wir wollen die Regionalstadtbahn?“ Für Tübingens Lage äußerte sie andererseits Verständnis – die Stadt müsse ja die Grenzwerte einhalten.

Elvira Fischer hingegen kritisierte, in Tübingen werde alles zugebaut, womit auch der Verkehr zunehme: Die Luftverschmutzung sei also zum Teil hausgemacht. Geo Pflumm und Willi Kern hätten im rascheren Bundesstraßenaus- und Tunnelbau eine Lösung gesehen. Aber dadurch würden die Abgase ja nicht weniger, hielt Susanne Horn dagegen. Im Gegenteil: Wenn die Bundesstraße besser ausgebaut sei, werde es viel attraktiver, beispielsweise in Balingen zu wohnen und in Stuttgart zu arbeiten.

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26.06.2014, 12:00 Uhr

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