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Hundeschau

Gott sein Dank kein Modehündchen

Pinscher und Schnauzer buhlen bei der Klubsiegersausstellung in Horb um eine Auszeichnung. Oder sind es nicht eher die Halter? Ein Ortsbesuch.

03.05.2018

Von Dagmar Stepper

de Vero-Thyson vom Appeltal ist gerade zum BIS gewählt worden, dem „Best In Show“. Alles stimmt bei dem Deutschen Pinscher. Die Haare sind perfekt getrimmt, der Bau ist quadratisch. Sein Herrchen Benjamin Teufel ist selig. Er hat mit seinem Pinscher zum ersten Mal an einer Zuchtschau teilgenommen und auf Anhieb gewonnen. Ein Senkrechtstarter. Der Hund nimmt das Ganze dagegen recht gelassen hin. Für ihn ist es einfach eine andere Art von Ausflug mit Herrchen.

Es ist Klubsiegerausstellung des Pinscher-Schnauzer-Klubs Owingen-Neckar-Alb. Über 40 verschiedene Schnauzer und Pinscher tummeln sich mit ihren Besitzern in und rund um die Anlage des Reitvereins Horb. Es findet sich alles: vom niedlichen Zwergpinscher bis zum beeindruckenden Riesenschnauzer. Sie konkurrierten um den begehrten Titel. Oder besser gesagt, ihre Besitzer. Denn wer ihn erringt, hat gute Voraussetzungen für den Zuchterfolg. Doch geht es unter den Hundebesitzern, die vom Bodensee, aus dem Allgäu, Bayern, Heilbronn und natürlich aus der Umgebung kommen, recht gelassen zu. „Wir sind schon eine gewisse Familie“, sagt Jürgen Maurer, Zuchtschauleiter aus Haigerloch.

Noch ein echtes Hundeleben

Wer Pinscher oder Schnauzer hält, gehört zu einer Minderheit. „Das sind Gott sei Dank noch keine Modehunde“, meint Maurer. Die Welpenzahlen sind überschaubar, bei den Pfeffer-Salz-Riesenschnauzern gibt es deutschlandweit nur zirka 100 Welpen. Mit Modehund meint Mauer Hündchen, die in Handtaschen herumgetragen, schön frisiert und neckisch gekleidet werden. Der Zwergschnauzer hätte zwar die passende Größe, aber „auf dem Arm wird er nicht getragen, sondern darf noch ein echtes Hundeleben führen“, betont Mauer. Mit Riesenschnauzern wird Hundesport getrieben, sie sind bei der Polizei, beim Zoll sowie als Rettungs- und Suchhunde im Einsatz. „Ihr Wesen ist entspannt und gutmütig, aber wenn es darauf ankommt, machen sie schon ihre Arbeit.“ Er selbst hat zwei Pfeffer-Salz-Schnauzer. Ihr Fell ist in dem typischen Schwarz-Weiß-Grau gesprenkelt. „Das sind Hunde, die man beschäftigen muss, keine Sofahunde“, sagt Maurer, „aber es sind auch perfekte Familienhunde.“

Einst den Mops verdrängt

Während Mauer erzählt, laufen die Wettbewerbe. Es gibt bei jeder Rasse Jugendklassen, Zwischenklassen und Veteranen-Klassen. Zwergpinscher, Zwergschnauzer, Deutsche Pinscher, Schnauzer, Riesenschnauzer müssen im Kreis laufen, den Besitzern aufs Wort gehorchen und anschließend den Argusaugen von Richterin Christine Rossier standhalten. Sie untersucht Fell und Körperbau, blickt den Hunden ins Maul, ist dabei sehr souverän und sehr, sehr freundlich.

Auch wenn sie alle ganz unterschiedlich aussehen, sind Schnauzer und Pinscher im Grunde der gleiche Rassentyp. Nur die Fellstruktur ist unterschiedlich. Pinscher haben ein glattes, Schnauzer ein rauhaariges Fell. Der glatte Pinscher soll als nette Hunderasse um 1830 in Deutschland den Mops verdrängt haben. Seit Beginn der Hundezucht in Deutschland vor rund 100 Jahren haben sich die Pinscher wenig verändert. Sprich, sie sind kaum überzüchtet.

„Beim Fell kommt noch richtig der Wolf raus“, sagt Helga Wolfangel aus Rottenburg, die mit ihrem Mann Peter an der Ausstellung in Horb teilnimmt. Hunde hat das Ehepaar schon immer gehalten, jetzt haben sie zwei Mittelschnauzer in Pfeffer-Salz, die Hündin heißt Yala, der Rüde Xeno. Das freundliche Wesen der Hunde gefällt den beiden. Sie erzählt, dass der Schnauzer früher der Haushund schlechthin auf Bauernhöfen war. Sie wurden als Rattler gehalten, die die Ställe von Ratten und Mäusen befreiten.

„Doch es ist auch der teuerste Hund, den ich je gehalten habe“, sagte Helga Wolfangel und lacht. Das Trimmen des Felles hat seinen Preis: Zweieinhalb Stunden dauert das beim Hundefrisör. So wird das Fell hart und drahtig, wie es sich für einen Schnauzer gehört. Dafür mussten sie sich morgens nicht extra auf die Schau vorbereiten. Einmal mit der Bürste durchs Fell und das war es. „Mit Shampoo und Pudern ist eine andere Fraktion, das machen wir nicht“, ergänzt Zuchtschauleiter Maurer. Bei den Pinschern ist das ähnlich: einmal mit dem feuchten Lappen durchs Fell.

In der Halle ist es erstaunlich ruhig. Wenig Gebell, wenig Gerangel. Die Hundebesitzer haben es sich in und vor der Halle gemütlich gemacht. Unisono loben sie die herrliche Atmosphäre und die Bewirtung durch den Reitverein. Im Grünen können sie noch eine Runde drehen, alle zehn Meter hängt eine Bello-Station für die Hundekotbeutel. „Wir müssen das schon vorleben“, sagt Mauer.

Es ist der Charakter

Während des Wettkampfs plaudert er immer wieder mit den Leuten. Man kennt sich. Auch wenn das Einzugsgebiet des Pinscher-Schnauzer-Klubs Owingen-Neckar-Alb riesig ist. Aber der Glaube, den richtigen Hund zu halten, schweißt zusammen. „Es ist der Charakter“, meint Rolf Reuter, der mit seiner Frau Jasmin aus Offenburg angereist ist. Sie hält Zwergschnauzer, seit sie denken kann. Die Rasse sei ein guter Familienhund – und nicht zu unterschätzen: „Schnauzer sind problemlose Wohnungshunde. Sie haaren nämlich nicht“, ergänzt Thomas Kovacs, ein Zuchtkollege.

Die drei machen sich Hoffnungen auf den Best-in-Show-Titel. Bei den vorherigen Auszeichnungen haben sie die Benotung „vorzüglich“ errungen. „Aber das ist auch von der Tagesform abhängig“, weiß Kovacs. Während des Gesprächs mit der SÜDWEST PRESSE schlafen ihre Hunde friedlich in der Box. Kovacs wirft einen Blick auf sie und meint: „Die Menschen machen sich wohl mehr Gedanken als der Hund.“ Der BIS-Sieger Benjamin Teufel kann das nur bestätigen.

Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist der schönste Hund bei der Pinscher-Schnauzer-Klubausstellung in Horb? Bilder: Kuball

Der Riesenschnauzer nimmt den Wettbewerb gelassen.

Herrchen mit Zwergpinscher kurz vor Beginn des Laufs.

Frauchen mit Zwergschnauzer harren auf die Ergebnisse.

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Erstellt:
3. Mai 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Mai 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Mai 2018, 01:00 Uhr

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