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Was macht Glockenäpfelhaut krank?

Gottlob und Werner Kurz sorgen sich wegen ihres verunzierten Obstes um die Reinheit der Luft

Ein guter Apfel hat mit seinen frischen Farben und der feinen Schale viel Anlachpotenzial. Nicht so die Schweizer Glockenäpfel, die in Gomaringen im Landesbühl geerntet wurden. Sie sehen unansehnlich und befleckt aus. Warum?

05.11.2014
  • Jürgen Jonas

Gomaringen. „Die Äpfel sehen nicht unbedingt freundlich aus.“ Gottlob Kurz holt ein Exemplar aus der Kiste und hält es ins Licht. „Was ist das für ein Kleister?“ Sieht aus wie Rückstände von irgendetwas, das dann teilweise auf der Schale verlaufen ist. Ein schwärzlicher Film.

Wie eine Hautkrankheit. „Sieht aus wie im Ruhrgebiet der fünfziger Jahre!“ Unansehnlich. Man bekommt ihn nur mit ölhaltigem Reinigungsmittel weggegputzt. Oder mit Backofenreiniger. Aber auch dann bleiben schwarze Stellen.

Hinterm Haus stehen noch einige Kisten mit Äpfeln. Übrig vom Mosten. Einige Fässer sind mit Maische gefüllt. Daraus wird Schnaps. „Schweizer Glockenäpfel“ nennt sich die befallene Sorte, die wohl, aus dem Landesbühl stammend, keine Verwendung finden wird.

Putzversuche mit Backofenreiniger und Öl

„Schorf ist normal“, meint Gottlob Kurz, aber hier handelt es sich eindeutig um etwas anderes. Auch beim Obst und Gartenbauverein (OGV) Gomaringen beobachtet man den Belag mit Sorge. Kurz hat einige Mitglieder darauf angesprochen. Ein Pilz sei es jedenfalls nicht, hätten die OGV-Vertreter ausgeschlossen.

Jürgen Hirning hat versucht, die Flecken mit Öl zu entfernen. Auch in der Mosterei von Willi Kern sind die schwarzen Stellen unangenehm aufgefallen. Mit kaltem Wasser sind sie nicht zu entfernen. „Man könnte sie schälen, aber wer mostet geschälte Äpfel?“, sagt Gottlob Kurz. Der Gomaringer Bäckermeister und sein Bruder Werner machen sich Gedanken.

Ist es ein öliger Ruß, der sich auf den Früchten ablagert und in die Haut eindringt? Das Zeug gehe ja dann auch über die anderen Pflanzen nieder, meinen die Brüder, setze sich im Gras fest. Einen Vertreter des Wirtschaftskontrolldienstes hat der Bäckermeister darauf angesprochen. Ob man aus solchen Früchten einen Apfelkuchen backen könne? Wovon dieser abriet. Aber woher es komme, sei wohl schwer nachzuweisen.

Der Landesbühl ist das Streuobstgebiet, das sich oberhalb der Schießmauerstraße bis hin zur Haydnstraße erstreckt. Der Familie Kurz gehören dort einige Stück. Werner Kurz wohnt in Nehren, in der Nachbarschaft des dortigen Asphaltmischwerks. Deshalb hat er eine Vermutung. Wenn der Westwind weht, der hauptsächliche in Nehren, geht er direkt in Richtung Landesbühl. Der Tisch, den man vor das Haus stellt, werde mit der Zeit schwarz.

Seit 2008 wird im Asphaltwerk preiswerterer Braunkohlestaub anstatt Erdgas als Feuerungsmittel verwendet. Dem Unfall, der sich kürzlich im Asphaltmischwerk ereignete, kann für die Ablagerungen natürlich nicht die Schuld in die Schuhe geschoben werden.

Bei der Anlieferung von Braunkohlestaub am 12. Oktober hatte sich ein Deckel am Silo des Lastkraftwagens geöffnet. Der Staub wurde mit Hochdruck in die Atmosphäre geblasen und lagerte sich in nordöstlicher Richtung ab. Die Äpfel weisen die Störung schon länger auf. „Angeblich kommt ja nur Wasserdampf aus dem Schornstein heraus“, sagt Werner Kurz, aber so recht mag er nicht daran glauben.

Werner Kurz fährt hoch in den Landesbühl, um noch einmal die Lage zu inspizieren. Er findet tatsächlich einen weiteren Apfelbaum, dessen Früchte befallen sind, und einen riesigen Birnbaum, noch voll behangen. Viele Birnen sind in Richtung Nehren so schwarz gefärbt wie die Glockenäpfel. Man kann sich vorstellen, das über den Hügel der Wind von Nehren flach herankommt und etwas mit sich bringt. Aber was? Eine wissenschaftliche Analyse haben die Brüder bisher nicht vornehmen lassen. Hoffen aber darauf, dass „jemand beim Amt die Sache wahrnimmt und eine Untersuchung in Gang kommt.“

Gottlob und Werner Kurz sorgen sich wegen ihres verunzierten Obstes um die Reinheit der Luft
Äpfel aus Gomaringen sehen diesen Herbst wüst aus. Deshalb macht sich Werner Kurz Sorgen, ob sich nicht Ruß aus dem Asphaltmischwerk in Nehren auf seinen Früchten ablagerte. Vom Kreisobstbauberater kommt Entwarnung: Die Flecken sind natürlichen, genauer pilzlichen Ursprungs und ungefährlich.Bild: Franke

Die Sorge der Kurz-Brüder teilen viele Hobby-Obstbauern im Kreis. Nicht nur in Gomaringen sind gerade spätreifende Äpfel von einem düsteren Überzug verunziert
Ruß ist es nicht, sondern die Ruß- oder Regenfleckenkrankheit, sagt Joachim Löckelt von der Kreisobstbauberatung. Die Pilzkrankheit erscheint erst die letzten Jahre häufiger, baut sich über den Sommer hin auf, besonders bei feucht-warmer Witterung.
Je später die Sorten reifen, desto flächiger und dichter ist der Überzug des Pilzgeflechts. „Tafelfruchtqualität ist damit nicht hinzubekommen“, sagt Löckelt.
Profis benutzen spezielle Abbürstmaschinen, um die Oberfläche einigermaßen sauber zu bekommen. Die Äpfel sind aber auch mit Überzug genießbar. Gerade bei strahlend gelben Sorten wie den Glockenäpfeln sieht die Frucht aber nicht mehr verlockend aus.
Betroffen ist vor allem der Hobby-Obstbau im Profibereich merzen die eingesetzten Pilzgifte neben Schorf auch die Rußflecken aus. bei

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05.11.2014, 12:00 Uhr

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