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Religion im Gehirn

Graf wich aus

Wenn Neuronen selig sind: Wolf Singer und Wilhelm Graf debattierten in Tübingen über Religion im Gehirn (24. November).

26.11.2012

Im hochkarätig besetzten Streitgespräch wurde leider der Gegensatz zwischen der neurobiologischen und der theologischen Sichtweise religiöser Erfahrung nicht scharf genug herausgearbeitet. Der Neurobiologe Singer begründete zunächst, dass Religionen, evolutionsbiologisch betrachtet, deshalb existieren, weil sie – im Sinne Darwins – nützlich sind.

Akzeptiert man diese Sichtweise, so bedeutet dies, dass es keine Gottheiten gibt, dass Gottheiten vielmehr Konstrukte des Gehirns sind. Problemlos wird damit verständlich, dass es verschiedene Religionen geben kann, da sich ja alle trotz ihrer Verschiedenheit günstig auswirken können. Gäbe es e i n e n Gott, so wäre nur schwer verständlich, warum er sich verschiedenen Menschen so verschieden offenbart: mal im Sinne des Katholizismus, mal dem des Protestantismus, des Hinduismus, des Islam usw. Dieser Gott hätte dann auch die Religionskriege vorbestimmt.

Der Theologe Graf wich der Frage aus, ob er Singers Sichtweise teilt, indem er kommentierte, Singers Ansicht wäre ja kein Ergebnis der Hirnforschung, sondern sie sei von Soziologen schon seit langem entsprechend postuliert worden. Man konnte dies als Zustimmung interpretieren. So sah sich eine Hörerin veranlasst, ihn zu fragen, was er denn selbst glaube. Wäre der Gegenpart ein Theologe gewesen, der sich zum Glauben an Gott bekennt, so hätte er Singer widersprechen müssen.

Die Versuche des Moderators Schnabel, die Diskutanten zu gegensätzlichen Aussagen zu stimulieren, wären dann nicht vergeblich geblieben. Der Leserbrief soll diesen Gesichtspunkt, der im Bericht des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS nur angedeutet ist, verdeutlichen.

Prof. Kuno Kirschfeld, Tübingen

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Erstellt:
26. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. November 2012, 12:00 Uhr

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