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Grass ist ein Jahr nach seinem Tod präsent wie eh und je
Starb heute vor einem Jahr: Nobelpreisträger Günter Grass. Foto: dpa
Eine neue Reihe soll in Lübeck verschiedene Facetten des Nobelpreisträgers beleuchten

Grass ist ein Jahr nach seinem Tod präsent wie eh und je

Mahner, Kritiker, Nestbeschmutzer: Der Schriftsteller Günter Grass hat polarisiert. Ein Jahr nach seinem Tod sind seine Bücher gefragt wie nie.

13.04.2016
  • EVA-MARIA MESTER, DPA

Lübeck. Die mahnende Stimme von Günter Grass ist verstummt. Doch ein Jahr nach seinem Tod sind die Arbeiten des Literaturnobelpreisträgers begehrter denn je. Die Nachfrage nach seinen Büchern ist sprunghaft angestiegen, auch das Günter-Grass-Haus in Lübeck bekommt viele Anfragen. Zum heutigen ersten Todestag des Schriftstellers und bildenden Künstlers ruft das Grass-Haus eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben. "In der langen Nacht für Günter Grass werden jedes Jahr an seinem Todestag Freunde und Weggefährten über die unterschiedlichen Facetten seines Werkes und seiner Person sprechen", sagt der Leiter des Hauses, Jörg-Philipp Thomsa.

Zum Auftakt der Reihe werden heute unter anderem der Kritiker Hanjo Kesting, der Autor Christof Siemes ("Das Wunder von Bern"), die Theaterverlegerin Maria Sommer und Benjamin Lebert, Stammgast des von Grass gegründeten Lübecker Autorentreffens, erwartet.

Grass war am 13. April 2015 im Alter von 87 Jahren in Lübeck gestorben. Im Günter-Grass-Haus sind die Werke des Literaturnobelpreisträgers weiterhin präsent. Seit Ende März ist dort eine Ausstellung mit Arbeiten aus seinen Lehrjahren an der Düsseldorfer Kunstakademie zu sehen. "Seit seinem Tod ist das Grass-Haus verstärkt zum Erinnerungsort geworden, gerade für Besucher aus dem Ausland", sagt Thomsa.

Das verstärkte Interesse an den Werken von Günter Grass spürt auch sein Hausverlag Steidl in Göttingen. "So zynisch es ist, aber immer, wenn ein großer Autor stirbt, steigt die Nachfrage nach seinen Büchern, auch im Ausland", sagt Verleger Gerhard Steidl. Das sei auch bei Grass nicht anders. Die weltweite Auflage von Grass Büchern liegt nach Angaben des Verlages aktuell bei etwa 40 Millionen Exemplaren. Die Zahl dürfte noch steigen, denn Grass habe seinen Lesern noch einiges hinterlassen, sagt Steidl. Ob seine Tagebücher ebenfalls veröffentlicht werden, sei jedoch noch unklar.

Kurz vor dem ersten Todestag des Schriftstellers ist die "Trilogie der Erinnerung" erschienen, die seine drei autobiografischen Romane "Beim Häuten der Zwiebel", "Die Box" und "Grimms Wörter" in einem Band zusammenfasst. "Diese Trilogie hat Grass noch selbst konzipiert", sagt Steidl. Ebenfalls noch unter dessen Mitwirkung vertonte der Jazz-Musiker Günter "Baby" Sommer den Roman "Grimms Wörter". Am kommenden Sonntag soll das Stück in Lübeck zum ersten Mal gezeigt werden.

Auch in Behlendorf, dem langjährigen Wohnort von Grass, ist das Interesse spürbar. "Immer wieder kommen Menschen, die sehen wollen, wie sich die Landschaft rund um Behlendorf in seinen Werken widerspiegelt", sagt Andreas Henschel, der Bürgermeister von Behlendorf. Grass und seine Frau Ute lebten von 1995 an in dem Dorf rund 20 Kilometer südlich von Lübeck. Auf dem dortigen Friedhof ist der Schriftsteller begraben.

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13.04.2016, 06:00 Uhr

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