Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Grenze der Verantwortung
Wer ein nichtverschlüsseltes Modem nutzt, riskiert die Verletzung von Urheberrechten durch Andere. Foto: dpa
BGH-Urteil

Grenze der Verantwortung

Wer über ein Wlan ins Internet geht, muss sein Netzwerk vor Missbrauch schützen. Die Sicherheit der Verschlüsselung kann dem Nutzer aber egal sein.

25.11.2016
  • DPA

Karlsruhe. Es ist eine Geschichte, wie sie vielen Internetnutzern Angst macht. Eine Frau soll Hunderte Euro zahlen, obwohl sie sich nichts zu Schulden hat kommen lassen: Ihr PC wurde für illegale Uploads missbraucht. Aber ist sie dafür verantwortlich? Der Bundesgerichtshof (BGH) stellt nun klar, dass ein Internetanschluss zwar verpflichtet, die Verantwortung aber ihre Grenzen hat (Az. I ZR 220/15). Warum sollte die Frau überhaupt haften? Urheberrechte an Filmen, Musik oder Computerspielen werden im Internet oft über Tauschbörsen oder so genannte Filesharing-Netzwerke verletzt. Die Täter laden sich die Datei unerlaubterweise über eine Software herunter und stellen sie gleichzeitig Anderen zur Verfügung. Das passiert nicht ohne Spuren. Über die so genannte IP-Adresse lässt sich zurückverfolgen, von welchem Anschluss aus eine Datei angeboten wurde. Damit steht aber nicht unbedingt fest, wer der Täter ist. In WGs oder Familien sind mehrere Personen über denselben Anschluss im Netz unterwegs, und in dem Fall vor dem BGH hackte sich ein Unbekannter von außen in das Wlan der Frau.

Wie häufig sind solche Abmahnungen? Nach einer Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen sind 6 Prozent der Bundesbürger schon einmal abgemahnt worden. Abmahnkanzleien wollen für einen außergerichtlichen Vergleich im Schnitt etwas mehr als 870 EUR. Dabei geht es meist um die Anwaltskosten. Zum Schutz vor überzogenen Forderungen hat der Gesetzgeber die zulässigen Abmahnkosten im Jahr 2013 in vielen Fällen gedeckelt. Die Verbraucherzentralen kritisieren aber, dass es Lücken gibt.

In welchen Fällen muss der Anschlussinhaber zahlen? A und O ist seit einem BGH-Urteil aus dem Jahr 2010, das das private Wlan angemessen gesichert sein muss. Demnach kann erwartet werden, dass jemand die Standardeinstellungen seines Routers ändert und ein eigenes Passwort einrichtet. Es ist aber zum Beispiel nicht notwendig, auch danach immer auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. Die Haftung für die eigenen Kinder, Angehörige oder Besucher hat ihre Grenzen: Kinder sind nachweisbar darüber aufzuklären, was verboten ist – ohne Verdacht müssen sie am Rechner aber nicht ständig kontrolliert werden. Volljährige sind für sich selbst verantwortlich und müssen auch nicht belehrt werden. Der Anschlussinhaber ist aber nur dann vor Forderungen sicher, wenn er glaubwürdig erklären kann, warum nicht er selbst, sondern ein anderer als Täter infrage kommt.

Was haben die Karlsruher Richter jetzt entschieden? Diesmal geht es um die Verschlüsselung des Routers. Die Frau nutzte ein Gerät, bei dem ein individualisierter Schlüssel aus 16 Ziffern nach gängigem Standard (WPA2) voreingestellt war. Sie beließ es dabei und gab nur dem Wlan einen neuen Namen. Erst gut ein Jahr nach dem Hacker-Angriff warnte der Anbieter, es hatte sich herausgestellt, dass die Codes mit einem unsicheren Verfahren generiert wurden und deshalb leicht zu knacken waren. Nach Auffassung der Richter durfte sie der Verschlüsselung aber bis dahin trauen. Solange jede Zahlenkombination nur genau einmal vergeben sei, gebe es keinen Anlass, daran zu zweifeln: Die Frau muss also nicht zahlen. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.11.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball