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Wiesenstetten

Tagung zu Wölfen: Große Ängste, wenige Lösungen

100 Interessierte sind zur Tagung nach Wiesenstetten gekommen. Klar ist am Ende: Die Zahl der Wölfe in Deutschland steigt. Der Schutz durch Zäune ist für Rinder- und Pferdehalter kaum umsetzbar, für Schafhalter im Land dagegen verpflichtend. Die Landwirte müssen mit Ängsten leben.

21.02.2019

Von Frank Wewoda

Wildbiologe Michael Herdtfelder von der Forstlichen Versuchsanstalt, der „Wolfsmeldestelle“, berichtete von seiner Arbeit.

Bei der vom Landesbauernverband am Mittwoch im Dorfgemeinschaftshaus Wiesenstetten organisierten Tagung haben sich Teilnehmer wie Manfred Sauter aus Baiersbronn vor allem Antworten erhofft, wie sie mit dem Thema Wolf konkret umgehen können. Am Ende der Veranstaltung bleibt für den Landwirt im Nebenerwerb, der unter anderem 60 Mutterziegen hält, aber Verunsicherung: „Die Angst geht mir nicht mehr aus dem Kopf“, bekennt Sauter, in dessen Nachbarschaft in Baiersbronn-Huzenbach im Juli vergangenes Jahr zwei Schafe gerissen wurden. Sauter kennt den Halter.

Die genetische Untersuchung der Forstlichen Versuchs-und Forschungsanstalt in Freiburg überführte in Baiersbronn einen Wolf als Übeltäter, der unter dem offiziellen Kürzel „GW 852m“ geführt wird. Er wird auch für die Attacke auf Schafe verantwortlich gemacht, die in Bad Wildbad 44 Tieren das Leben kostete. Michael Herdtfelder ging für die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) unter anderem näher auf diese Attacke ein. Vor dem Hintergrund genetischer Untersuchungen nach Übergriffen auf Nutztiere ist die FVA auch als „Wolfsmeldestelle“ bekannt.

Eine wesentliche Information, die besorgte Landwirte am Mittwoch positiv aufnahmen, ist die Existenz des Entschädigungsfonds des Landes für durch Wölfe angerichtete Schäden. Deshalb unter anderem ist die genetische Untersuchung der FVA nach einer Attacke so wichtig. Jäger und Wolfsstatistiker Friedrich Noltenius appellierte etwa, bei unerklärlichen Verletzungen der eigenen Nutztiere auf keinen Fall sofort Spuren zu verwischen oder wenigstens die dabei benutzten Tücher nicht wegzuwerfen und die FVA zu verständigen.

Noltenius, der jahrelang ein eigenes Revier in Sachsen pflegte und dort in den 2000er-Jahren erste Wolfsspuren entdeckte, warnte die Zuhörer: „Es kommt etwas auf Sie zu im Südwesten!“ Der von Noltenius als „Enztalwolf“ bezeichnete „GW 852m“ werde nicht alleine bleiben im Nordschwarzwald. An die Politik gewandt meinte Noltenius: „Wir müssen bald dazu kommen, diese Art zu regulieren!“

Der Wolf sei in Mitteleuropa seiner Meinung nach keine gefährdete oder bedrohte Art. Noltenius wörtlich: „Kein Land ist verpflichtet zu dulden, dass sich eine Art unkontrolliert vermehrt, die ganze Natur- und Landschaftsschutzschutzprojekte zunichte macht.“ Damit bezog er sich auf Bodenbrüter und Amphibien, die sich in zum Boden abschließenden wolfssicheren elektrischen Zäunen verfangen

Jäger Friedrich Noltenius (links) gab einen Überblick zur Zahl der in Deutschland lebenden Wölfe und ihren Attacken auf Nutztiere seit 2017, Landwirt Felician Schäfer aus dem Zollernalbkreis berichtete über die Mutterkuhhaltung und seine Ängste. Bilder: Frank Wewoda

Zahl der Wolfsrisse

Die von Friedrich Noltenius, dem Jäger und Betreiber des Blogs
www.wolfszone.de , am Mittwoch in Wiesenstetten präsentierten Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit er im Oktober 2017 begonnen hat, seine Datenbank samt „Wolfskarte“ auf Google Maps zu pflegen, hat sich die Zahl der Risse durch Wölfe in Deutschland bei gleichzeitig stark wachsender Population – zuletzt 36% jährlich – gesteigert:

2016: 1079 Risse

2017: 1667 Risse

2018: 2515 Risse

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Erstellt:
21. Februar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Februar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 01:00 Uhr

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