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Große Nachfrage nach dem „Gold des kleinen Mannes“
Der Pandabär sieht immer putzig aus, auch auf Silbermünzen. Foto: Bildquelle
Ulm

Große Nachfrage nach dem „Gold des kleinen Mannes“

Silber boomt. Der Kurs für das Edelmetall ist angesichts unsicherer Zeiten stärker gestiegen als der für Gold. Privatleute setzen auf Münzen.

18.10.2016
  • HELMUT SCHNEIDER

Ulm. Gold ist immer dann in aller Munde, wenn Finanzmärkte kriseln. Dann flüchten sich die Anleger in den buchstäblich „sicheren Hafen“ nach dem Motto: Geld ist letztlich nur Papier, Gold aber verliert nie seinen Wert. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, weil der Kurs für Gold schwanken und dem Käufer schwere Verluste bescheren kann – und umgekehrt entsprechend hohe Gewinne. Das gilt für alle an der Börse gehandelten Rohstoffe. Also auch für Silber, der kleinen Schwester des Goldes.

Sie war in diesem Jahr sogar die bessere Wahl. „Mit einem Anstieg um rund 37 Prozent seit Jahresanfang ist Silber den anderen Edelmetallen weit vorausgelaufen“, sagt Thorsten Proettel, Rohstoff-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Gold hatte sich bis Anfang Oktober nur um 24 Prozent verteuert. Proettel schließt daraus, dass der Preis für Silber in den kommenden Monaten nicht mehr stark steigen dürfte.

Silber ist wie Gold nicht nur etwas für Anleger, sondern auch für Sammler. Sie legen sich Münzen mit bestimmten Motiven zu. Derzeit ist zum Beispiel der „Silber Panda“ der Staatlichen Münze Berlin sehr gefragt. „Die limitierte Auflage des ersten Jahrganges 2016 wird schon vor Ende des Jahres nicht mehr erhältlich sein“, teilt die Geschäftsleitung auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit. Man sei immer wieder von Sammlern gebeten worden, eine „deutsche Anlagemünze“ herauszugeben, wofür eigentlich das Bundesfinanzministerium zuständig sei. Die Münze Berlin hat den Silber Panda dann in sechs Gewichtsklassen (von 1 Kg bis 1/16 Unze) genau 100 250 Mal herausgebracht. „Vom Erfolg sind wir überrascht“, sagt die Geschäftsleitung.

„Vom Erfolg sind wir überrascht“

Wer auf Silber setzt, kann auch Zertifikate und andere Wertpapiere kaufen oder Aktien von Silberminen. Wer es aber lieber handgreiflich mag, bestellt bei seiner Hausbank oder bei Edelmetallhändlern (auch im Internet) das Edelmetall als Barren oder als Münze. Lohnt sich der Einstieg bei Silber nach den Kurssteigerungen der Vergangenheit jetzt noch? „Eine pauschale Empfehlung ist nicht sinnvoll“, sagt Proettel. Das hänge vom jeweiligen Portfolio des Einzelnen, seinen Zielen und seiner persönlichen Risikoneigung ab.

So ähnlich sieht das auch die Verbraucherberatung Baden-Württemberg. Pressesprecherin Katharina Bauer verweist auf eine Studie, welche die Preisentwicklung der Terminkontrakte auf Rohstoffe seit 1970 untersucht hatte. Ergebnis: Ein Mix verschiedener Rohstoffe als Anlage ist ähnlich rentabel und riskant wie Aktien. „Silber ist im Vergleich zu Gold aber mehr ein Industrierohstoff als eine Angstwährung.“ Preisveränderungen hätten mehr mit der Nachfrage für die wirtschaftliche Anwendung zu tun. Ein langfristig orientierter Anleger sollte einen Teil seines Portfolios, etwa 10 Prozent in Silber oder Gold halten – und sich der teilweise hohen Kursschwankungen bewusst sein.

Es sind vor allem zwei Aspekte, welche die Geldanlage in Silber von anderen Anlagen oder Wertpapieren unterscheidet:

Wer Silber (und Gold) kauft, verdient nur bei Kurssteigerungen – und wenn er dann rechtzeitig verkauft.

Anders als bei Gold zahlt der Käufer von Silbermünzen oder -unzen den vollen Mehrwertsteuersatz, also 19 Prozent.

Für LBBW-Analyst Proettel macht Silber deshalb nur Sinn, „wenn eine längerfrsitige Anlage geplant ist, so dass sich diese Zusatzkosten auf viele Jahre verteilen“. Denn es ist nicht nur die Mehrwertsteuer, die als Kosten ins Gewicht fallen. Das Edelmetall wird ja für gewöhnlich nicht unterm heimischen Kopfkissen gebunkert, sondern in einem Tresor oder einem Schließfach bei der Bank.

Wer erstmal fast 20 Prozent an Kurssteigerung realisieren muss, um anlagetechnisch aus den Miesen zu kommen, muss buchstäblich handfeste Gründe haben, die ihn zum Silber Panda drängen, weiß Proettel: „Manche Kunden wollen wollen ihr Anlagekapital auch mal mit Händen greifen.“

Nicht unterm Kopfkissen

Ob das ausreicht, wenn die Kurse mal wieder in die Knie gehen? Das war bei Gold in der Vergangenheit ebenso der Fall wie bei Silber, dem „Gold des kleinen Mannes“. In diesem Jahr aber ist Silber klar auf der Siegerstraße. Nicht nur die Staatliche Münze Berlin, sondern auch Händler berichten von einer steigenden Nachfrage. Wie lange die anhält, vermag natürlich niemand zu sagen. Beim Edelmetall-Handelshaus Proaurum ist Geschäftsführer Robert Hartmann aber überzeugt, dass die Silbernotierungen noch reichlich Luft nach oben haben: Silber sei im Vergleich zu Gold und anderen Anlageformen „stark unterbewertet“.

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18.10.2016, 06:00 Uhr

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