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Gemeinsam besser werden

Große Resonanz an den ersten Freudenstädter Notfalltagen / Festvortrag von Hanne Schnabel

Die schnelle Versorgung der Notfallpatienten im Landkreis Freudenstadt weiter zu optimieren und so die Überlebenschancen Verunglückter stetig zu verbessern, das ist das Ziel der ersten Freudenstädter Notfalltage – ein Projekt der Gebrüder Gründler Stiftung. Das Interesse am ersten Fachkongress dieser Art war erfreulich groß.

27.07.2015
  • Monika Schwarz

Freudenstadt. 170 Teilnehmer am Freitag, 200 dann am Samstag und nochmal gut 150 am Sonntag zeigten deutlich, dass der Bedarf an einer solchen Veranstaltung gegeben war. Angesprochen war dabei nicht nur das medizinische Fachpersonal wie Ärzte oder Mitarbeiter aus dem Rettungsdienst sondern auch die Einsatzkräfte der verschiedenen Hilfsorganisationen sowie solche Personen die beispielsweise in ihrer Funktion als Lehrer, Erzieher oder Bademeister, die bei ihrer Tätigkeit mit Notfällen konfrontiert sein könnten. „Sie haben ein Thema gefunden, das interessiert und das diejenigen, die im medizinischen Bereich arbeiten auch bewegt“, sagte daher Landrat Dr. Klaus Michael Rückert, als er die Teilnehmer am Samstag im Kienbergsaal begrüßte.

Bei der Gesundheitskonferenz vor wenigen Wochen war die Resonanz deutlich geringer gewesen. „Freudenstädter Notfalltage, das bedeutet gemeinsam daran zu arbeiten, noch besser zu werden.“ Dabei stellte Rückert klar, dass der Grund für die Veranstaltung nicht etwa die Überzeugung ist, dass irgendetwas nicht funktioniert. Es sei vielmehr die Überzeugung, dass nichts so gut ist, dass es nicht noch besser werden könnte.

„Du hättest leben können“

Als Landrat sei er jedenfalls stolz und glücklich, die Gebrüder Gründler Stiftung im Landkreis zu haben. Weil sie Impulse setze für das Thema Notfallrettung. „Ein Notfall hat es nämlich an sich, dass er plötzlich kommt, dass man nicht lange überlegen kann und dass dann ein Zahnrad in das andere greifen muss, damit es am Ende optimal funktioniert.“ Was dies konkret bedeutet, hat Rückert bereits am eigenen Leib erlebt, erzählt er. Bei einem Unfall 1982 hat sich das Auto, in dem er als Beifahrer saß, zweimal überschlagen. Seine Schwester wurde damals schwerverletzt mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen.

Weniger positive Erfahrungen mit der Notfallrettung hat allerdings die Festrednerin Hanne Schnabel gemacht, die den „Inbegriff der emotionalen Katastrophe“, so Dr. Christoph Gründler, nämlich den Tod ihres Kindes nach einer Falschbehandlung im Notarztwagen erlebt hat. Um diese Erlebnis und die Art und Weise, wie Gutachter, Versicherungen, die Verursacherin und das Krankenhaus damit umgegangen sind zu verarbeiten, hat Schnabel unter dem Pseudonym Stefanie Bachstein das Buch „Du hättest leben können“ geschrieben. Die damals siebenjährige Tochter war auf dem Schulweg mit einem Auto zusammengestoßen, am Ende aber nicht aufgrund der Verletzungen, sondern aufgrund einer Fehltubation im Rettungswagen gestorben. Der Fehler wurde seinerzeit sogar nach der strafrechtlichen Verurteilung der diensthabenden Notärztin von entscheidenden Stellen geleugnet.

Wie es ihr damit ergangen ist, wie sie zur Verarbeitung des Ganzen auch den Kontakt zu der Notärztin gesucht hat, welche Phasen der Verarbeitung auch diese durchmachen musste. „Ein Arztfehler bedeutet Traumatisierung für beide Seiten“, all das berichtete Schnabel so interessant, ansprechend aber auch sehr berührend, dass man bisweilen im vollbesetzen Kienbergsaal hätte eine Stecknadel fallen hören.

„Ich will, dass aus dem Tod meiner Tochter Gutes wächst“, begründet sie ihre Motivation, über diese Erlebnisse auch öffentlich zu reden und das Buch geschrieben zu haben. Nach diesem Festvortrag folgten für die Teilnehmer des Fachkongresses verschiedene kleine Workshops, bei denen man sich der Thematik der Atemnot, des Brustschmerzes oder auch der praktischen Versorgung der Unfallopfer widmete. So hatten die Organisatoren beispielsweise extra den Stuttgarter Pädiatrie-und Patienten-Simulator (STUPS) nach Freudenstadt geholt. Ganze Teams können an diesem Simulationsgerät den Umgang mit kritischen Situationen üben. Eine Gesellschaft aus dem Odenwald hatte im Nebenzimmer einen Babysimulator dabei – auch um diesen bildeten sich Übungsgruppen.

Vor dem Eingang zum Kongresszentrum stießen ein Überschlagssimulator und ein Fahrsimulator auf großes Interesse. Darüber hinaus gab es einen Rauschbrillenparcours, den man ausprobieren durfte. Eine „Get together Party“ am Samstagabend mit Überraschungen und DJ bot schließlich Gelegenheit zum Austausch und zum lockeren Gespräch.

Über die gestrige große Schauübung der Hilfsorganisationen auf dem oberen Marktplatz berichten wir noch.

Große Resonanz an den ersten Freudenstädter Notfalltagen / Festvortrag von Hanne Schnabel
Viele Teilnehmer nutzen die Kaffeepause zum Austausch.

Große Resonanz an den ersten Freudenstädter Notfalltagen / Festvortrag von Hanne Schnabel
Großes Interesse zeigten die Besucher an den Pädiatrie-und Patienten-Simulatoren. Bilder: mos

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27.07.2015, 12:00 Uhr

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