Brand

Großeinsatz bei Biopell

Beim Empfinger Pellets-Hersteller stand am Dienstag eine Trocknungsanlage in Flammen. Die Feuerwehr war über sechs Stunden im Einsatz. Ursache und Schadenssumme waren bei Einsatzende noch nicht geklärt.

06.07.2021

Von Volker Schmid

Die Feuerwehr war heute Morgen im Großeinsatz bei Biopell in Empfingen. Bilder: Gerhard Rebmann

Die Feuerwehr war heute Morgen im Großeinsatz bei Biopell in Empfingen. Bilder: Gerhard Rebmann

Beißender Rauch, der in Richtung Wiesenstetten abzog, und ein permanenter Heulton empfing die Feuerwehr am gestrigen Dienstag bei der Firma Biopell im Industriegebiet an der Max-Eyth-Straße. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte schlugen zehn Meter hohe Flammen aus einer Trocknungsanlage.

Diese schwierige Einsatzlage hielt die Löschmänner für über sechs Stunden in Atem. Personen wurden bei dem Brand nicht verletzt. Auch nach Einsatzende standen weder die Brandursache – aufgrund der weiten Verzweigung der betroffenen Kanäle – noch die Schadenssumme fest. Das Polizeipräsidium Pforzheim geht jedoch von einen technischen Defekt als Ursache aus.

Brandursache nicht geklärt

Laut Pressesprecher Marc Fischer vom Kreisfeuerwehrverband des Landkreises Freudenstadt lief um 7.48 Uhr bei der Leitstelle in Freudenstadt der Alarm einer Brandmeldeanlage „Brand 4 (B 4)“, Ortsalarm Empfingen, Firma Biopell, auf. Vorbeifahrende Autofahrer und Angestellte der betroffenen Firma informierten die Leitstelle jedoch sofort über offene Flammen und große Rauchentwicklung, so dass die Leitstelle bereits zwei Minuten später die allerhöchste Alarmierungsstufe „Brand 6 (B 6)“ ausrief.

In dieser Stufe sind verschiedene Automatismen wie die Alarmierung einer zweiten Drehleiter der Feuerwehr Haigerloch, des Gerätewagens Atemschutz Freudenstadt, des Wechselladerfahrzeugs Wasser der Feuerwehr Horb und die Erhöhung der „Manpower“ durch Wehren umliegender Ortschaften wie Betra, Dettensee und Ahldorf hinterlegt.

Es bot sich folgendes Bild: Im hinteren Bereich des Gebäudetraktes befindet sich die Anlieferungshalle für Holzspäne. Von dort werden die Späne durch Kanäle, unter Zufügung von Feuchtigkeit, in eine Trocknungsanlage geblasen. In der Anlage herrschen sehr hohe Temperaturen, was ein gewisses Gefahrenpotenzial darstellt. Aus der Trocknungsanlage schlugen den ersten Einsatzkräften etwa zehn Meter hohe Flammen entgegen. Der Vollbrand machte ein Eindringen nur durch Atemschutzträger möglich.

Zehn Meter hohe Flammen

Von dieser Trocknungseinrichtung führen Zuleitungen ins Hauptgebäude, weshalb die Gefahr eines sogenannten Brandüberschlags bestand. Die Bekämpfung der offenen Flammen und die Verhinderung eines Brandüberschlags hatten Priorität. Nach etwa einer Stunde war das Feuer schließlich unter Kontrolle. Nun galt es, weitere Glutnester zu finden und abzulöschen.

Die Wasserversorgung erfolgte über eigene Versorgungsleitungen der Firma Biopell und über den 10000 Liter Wasser fassenden Container der Feuerwehr Horb. Dieser wurde beständig über eine Zuleitung aus dem unterirdischen Löschwasserbecken auf Höhe der Firma SACS versorgt, das 250 Kubikmeter misst.

Marc Fischer berichtet, dass von den Feuerwehren rund 100 Mann und eine Frau mit 17 Fahrzeugen, vom Deutschen Roten Kreuz zehn Helferinnen und Helfer samt Notarzt mit fünf Einsatzfahrzeugen und die Polizei mit drei Streifenwagenbesatzungen vor Ort waren. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Einsatzleitung oblag dem Empfinger Gesamtkommandanten Dieter Eger. Unterstützung gab es zudem von der Führungsgruppe Horb/Eutingen/Empfingen. Kreisbrandmeister Frank Jahraus und Bürgermeister Ferdinand Truffner informierten sich direkt am Einsatzort.

Die Prokuristin der Firma Biopell, Claudia Mönch, deren Büro im obersten Stock des Verwaltungstraktes liegt, erzählte von einem lauten Geräusch, das sie gehört, jedoch nicht weiter beachtet habe. Denn während der Produktion seien immer wieder verschiedenste Geräusche zu vernehmen.

Dann aber sei auch schon die automatische Brandmeldeanlage angesprungen. „Der Chef, Dr. Reinhold Gies, hat seinen Wohnsitz in München und ist auf dem Weg hierher. Der Tag ist natürlich gelaufen“, sagte sie recht besorgt. „Und jetzt kommen all die Auseinandersetzungen mit der Versicherung“, zeigte sich die Prokuristin verzweifelt.

Nach Mönchs Angaben waren am Dienstagmorgen zum Zeitpunkt des Brandausbruchs vier Arbeiter –– zwei von der Nachtschicht, einer in der Abfertigung und ein Arbeiter der Tagschicht – auf dem Gelände. Keiner befand sich in unmittelbarer Gefahr. Insgesamt bietet die Firma 20 Arbeitsplätze, deren Arbeit derzeit auch im Homeoffice erledigt wird.

Die ersten Einsatzkräfte konnten gegen 11 Uhr abrücken. Die betroffenen Kanäle aus Metall waren geöffnet, genauso das Trocknungssilo. Marc Link, Kommandant der Abteilungswehr Empfingen, erklärte gegen 13 Uhr, dass die Örtlichkeiten mit einer Wärmebildkamera abgesucht worden waren, um mögliche versteckte Glutnester zu entdecken. Da diese Suche negativ verlaufen sei, habe die Feuerwehr den Einsatz beenden können. „Bis alles wieder aufgeräumt ist, ist der Tag rum“, war sich Link sicher.

Ruhige und besonnene Wehr

Um das Ausmaß des Brandgeschehens zu verdeutlichen, betonte Marc Link, dass die Alarmierung „B 6“ erst vor einigen Jahren, nach dem Brand in der Großkonditorei in Pfalzgrafenweiler, eingerichtet worden sei. Seit diesem Großereignis ist diese Alarmierungsstufe seines Wissens nach bis Dienstag nicht mehr ausgelöst worden. Umso erstaunlicher ist deshalb laut dem Empfinger Abteilungskommandanten, mit welcher Ruhe und Besonnenheit die Einsatzkräfte bei dem Einsatz vorgegangen sind.

Ein Silo wurde durch die Flammen zerstört.

Ein Silo wurde durch die Flammen zerstört.

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Erstellt:
06.07.2021, 15:29 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 16sec
zuletzt aktualisiert: 06.07.2021, 15:29 Uhr

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