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Hüst, hott, brrrr

Großer Andrang beim 29. Pliezhäuser Fuhrmannstag

Mit den Disziplinen Holzrücken, Wettpflügen und Ackerwagenfahren leiste der Fuhrmannstag des Reitvereins Pliezhausen einen unverzichtbaren Beitrag zum Pferdesport, sagte Thomas Reumann. Reutlingens Landrat nahm auch selbst die Zügel in die Hand.

14.10.2014
  • Fred Keicher

Pliezhausen. „Es sind die Hormone“, lacht Heike Donner aus Göppingen. Gerade hat ihr Mann Roland mit dem sechsjährigen Hengst Remo den recht anstrengenden Holzrück-Parcours beendet. Da stellt sich das Schwarzwälder Kaltblut wieder auf die Hinterbeine und wiehert markerschütternd, als er einer Stute begegnet.

Anstrengend sei der Parcours nicht, sagt Heike Donner. Der Baumstamm wiege gerade mal 300 Kilogramm, das ziehe Remo mit seinen 650 Kilo ohne Mühe. Holzrücken ist ein Millimetergeschäft. Gelenkt werden die Tiere hauptsächlich mit Rufen: „Hüst“ heißt nach links, „Hott“ nach rechts und „Brrr“ heißt „Halten“. „Das ist eine Sprache, die hat viele Dialekte.“

Zur Sicherheit hält der Fuhrmann noch die Zügel in den Händen. Damit das Pferd zu schlagen, führt zur sofortigen Disqualifikation. Eine Peitsche sieht man übrigens nirgends. Aber Zuckerstückchen hat Donner in der Jackentasche.

Ignaz und Susi heißen die beiden Ardenner Kaltblüter, mit denen Anton Laux aus Gutenzell gekommen ist. Die riesigen, gemütlichen aber kraftvollen Tiere tragen ihr Festtagsgeschirr: „Das stammt noch vom Urgroßvater“, erzählt Anton Laux. Er tritt an diesem Tag beim Holzrücken und beim Ackerwagenfahren an. Gefährlich sei das Holzrücken eigentlich nicht. Wichtig sei das Vertrauen des Pferdes in den Fuhrmann, dass der nichts Gefährliches von ihm wolle. Ist das Vertrauen dahin, dauere es Jahre bis es wieder hergestellt sei.

Das Ackerwagenfahren wartet mit heiteren Einlagen auf. Ein Helfer muss nicht nur Strohballen aufladen, sondern im Sackhüpfen ein Hindernis bewältigen und dem Fuhrmann seinen Hut bringen. Der kriegt dann bei einer kniffligen Engstelle einen Krug Bier in die Hand gedrückt – und muss ihn danach wieder hergeben. Aber am Ende darf er den Krug leeren. Was ein rechter Fuhrmann ist, leert ihn in einem Zug.

Beim Wettpflügen gehen die Richter mit dem Meterstab die Furchen entlang. „15 Zentimeter plus/minus zwei“ soll die Furche tief sein, möglichst gerade, weiß Frieder Breining aus Renningen. Wie vielseitig Pferde einsetzbar sind, zeigt das Beispiel von Gerhard Kircher aus Hirschau. Seine Heika, 17, und Carlos, 9, beide polnisches Warmblut ziehen mal eine Kutsche, dann die Kanonen der Rottenburger Bürgerwache und nun gehen sie vor dem Pflug.

Am Rande des Turniergeländes hat die Interessengemeinschaft Zugpferde einen Informationsstand aufgebaut. Zu sehen sind gezogene Maschinen für die Landwirtschaft. Da ist ein neuer Balkenmäher aus der Schweiz mit einer enormen Balkenlänge von 2,40 Meter. Jochen Wagner aus Pliezhausen stellt seinen Miststreuer aus, produziert von McCormick in den fünfziger Jahren. Werner Goller betreibt in Gniebel eine kleine Landwirtschaft mit pferdegezogenen Maschinen. Aus Gaildorf hat Manuel Betrup ein Mulchgerät mitgebracht. Den Mulcher hat die US-Firma Jacobsen in den fünfziger Jahren noch gebaut.

In Dalton Ohio in Pennsylvania bei dem Amisch People wird immer noch der Pioneer Homesteader gebaut, eine Art einspänniger Geräteträger mit Pflug, Grubber und Scheibenegge. Goller hat lange bei den Amischen verbracht und ist voller Respekt für deren Lebensweise. „Bei denen gilt die Familie alles. Sie arbeiten hart, aber alle zusammen. Abends um sieben ist Feierabend. Wenn die einen Traktor hätten, würde der Vater auch danach noch aufs Feld fahren und die Kinder würden ihn nie zu Gesicht bekommen.“

Pferdegezogene Maschinen seien keine Unversallösung für die Landwirtschaft, sagt Tom Richter von der IGZ aus Ausburg. Aber sie empfehlen sich für sensible Fläche und etwa für Gewächshäuser. Der Interessenverband der Zeitarbeitsunternehmen hat 1600 Mitglieder in Deutschland und will den Einsatz von Zugpferden auch wissenschaftlich erforschen.

Ein besonders kleines Pferd bekommt Landrat Thomas Reumann für seine Holzrückaktion. Das Shetland-Pony Mr. Mokick, genannt Mo, muss nur einen kleinen Stamm ziehen. Begleitet von Bürgermeister Christof Dold und von Annabell Gick und Anton Komenda vom Reitverein schreitet Reumann hinter Mo her – ziemlich gravitätisch die Zügel haltend.

Großer Andrang beim 29. Pliezhäuser Fuhrmannstag
Der oberste Verwaltungsmann im Kreis Reutlingen als Fuhrmann: Landrat Thomas Reumann beim Holzrücken.Bild: Haas

Gerhard Kircher aus Hirschau wurde in Pliezhausen am Sonntag erneut baden-württembergischer Meister im Gespannpflügen. Zusammen mit seinem Fuhrmann Lothar Gaiser aus Rübgarten zog er bei schönem Wetter die besten Furchen mit den beiden polnischen Warmblütern Heika und Carlos.

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14.10.2014, 12:00 Uhr

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