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Eigenversorgung im Trend

Großer Zulauf bei den 10. Rottenburger Energietagen

Auf dem Gelände der Hochschule für Forstwirtschaft tummelten sich am Wochenende mehrere hundert Besucher. Firmen, Institutionen und Vereine zeigten bei den 10. Rottenburger Energietagen, wie Normalverbraucher ökologisch nachhaltig heizen, Strom erzeugen und bauen können.

15.10.2012
  • Katharina Tomaszewski

Rottenburg. „In Zukunft könnte es unrentabel werden, Strom zu beziehen, weil man ihn günstiger produzieren kann“, sagte Duro Grigorian von der Horber Firma Deger-Energie. Dieser Meinung waren auch viele andere Aussteller bei den 10. Rottenburger Energietagen auf dem Gelände der Hochschule für Forstwirtschaft auf dem Schadenweilerhof. Hier stellten 25 Firmen, Institutionen und Vereine am Samstag und Sonntag ökologisch nachhaltige Konzepte vor.

Rektor Bastian Kaiser begrüßte am Samstagvormittag mehr als 50 Besucher/innen in der Aula der Hochschule und erklärte: „Erst jetzt und viel zu spät wird über erneuerbare Energien auf der volkswirtschaftlichen Ebene gesprochen und versucht, diese rasch auszubauen.“

Bei ständig steigenden Energiepreisen für Öl und Gas müssten Alternativen gesucht werden, sagte Karlheinz Neuscheler vom Dezernat für Gesundheit, Ordnung und Forst des Landratsamts Tübingen. Deutschland habe durch seine Energiewende nach Fukushima eine Vorreiterrolle übernommen. „Wir werden jetzt von der ganzen Welt beobachtet, und wenn wir in diesem Prozess erfolgreich voranschreiten, dann werden wir weltweite Nachahmung finden.“

Oberbürgermeister Stephan Neher appellierte an den gesunden Menschenverstand, wenn es darum gehe, beispielsweise Lebensmittel aus der Region importierten Lebensmitteln zu Dumpingpreisen vorzuziehen. Der kürzliche Salmonellenskandal, verursacht durch Tiefkühl-Erdbeeren aus China, zeige: „Wir müssen selbst entscheiden, was zulasten der Natur geht.“

Nachhaltigkeit ist Schöpfungsverantwortung

„Wir haben eine Schöpfungsverantwortung,“ betonte Generalvikar Clemens Stroppel von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Seit 2007 gebe es deshalb eine Klima-Initiative. Dazu gehören unter anderem der von Bischof Gebhard Fürst initiierte „Franziskus-Preis“ für Nachhaltigkeit, das Schulprojekt „Sonne für Bildung“, das „Freiwillige ökologische Jahr“ und die Aktion „Sparflamme“ zur Einsparung von Energie.

Wie Privatpersonen im Schrebergarten Strom produzieren können, demonstrierte Benjamin Eichel von der Firma Eggtech. Eichel stellte einen Flachbildschirmfernseher vor, der durch eine einen Quadratmeter große Solarfläche betrieben wird. Es dauere anderthalb Tage, bis die Zellen aufgeladen sind, so Eichel. Der Strom reiche je nach Verbrauch der angeschlossenen Geräte bis zu acht Stunden. „Das Konzept lohnt sich für Wochenendhäuser oder Gartenanlagen, die nur wenige Tage in der Woche genutzt werden.“

Info über Ökostrom und energetische Sanierung

Die Stadtwerke Rottenburg (SWR) boten ihren 100-prozentigen Ökostrom an. Dieser wird zu einem Viertel aus den beiden Flusskraftwerken gewonnen, der Rest wird unter anderem durch Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke produziert. Geschäftsführer Martin Beer informierte Besucher über weitere Möglichkeiten Ökostrom aus regenerativer Energieerzeugung zu beziehen.

Das Landratsamt machte an seinem Stand Werbung für Holz. Mit über 3300 Hektar Waldfläche ist Rottenburg der größte Waldbesitzer im Land. Da die Öl- und Gaspreise immer weiter steigen, werde Holz als Brennstoff immer interessanter, sagte Kreisforstamtsleiter Alexander Köberle: „Mit einem Kubikmeter Holz kann man so viel Wärme erzeugen wie mit 200 Litern Heizöl. Es kostet jedoch nur die Hälfte.“

Auf Holz hat sich auch Werner Knoblauch-Mayer spezialisiert. Die Sägespäne, die in seinem Parkettbetrieb als Abfall anfallen, presst er zu Briketts zusammen. Diese Blöcke haben nur sieben Prozent Feuchtigkeit und können im Brennofen also sofort Wärme abgeben ohne erst Energie dafür zu verschwenden, Wasser zu verdampfen. Ein Besucher brachte einen zwei Jahre gelagerten Holzscheit mit und wollte wissen wie gut sein Brennholz ist: „Weißbuche, 25 Prozent Feuchtigkeit.“

Ein frisch gefällter Kubikmeter Waldholz enthält 500 Liter Wasser. Brennholz darf in Deutschland erst nach zwei bis drei Jahren Lagerung verkauft werden. Die Firma Gutex hatte zum ersten Mal einen Stand bei den Energietagen und stellte Dämmmaterial aus Tannen- und Fichtenholz vor. Das Holz wird zu Fasern verarbeitet, die je nach gewünschter Festigkeit aussehen wie Watte oder Filzstoff.

Deger-Energie aus Horb ein Solarsystem vor, das sich mit Hilfe eines patentierten Sensors dem Sonnenlicht zuwendet. Dies funktioniere sogar bei bewölktem Himmel, erklärte Duro Grigorian. Überschüssige Energie werde in Batterien gespeichert und könne bei Bedarf genutzt werden. So könnten Haushalte eigenständig Strom erzeugen.

Drumherum war auch viel los: Mitarbeiter der Hochschule führten durch die Labors, auch Oldtimer mit Holzgasantrieb waren zu bestauen. Für Kinder war unter anderem das Ökomobil vor Ort.

Großer Zulauf bei den 10. Rottenburger Energietagen
Benjamin Eichel von der Firma Eggtech erklärte beim Rundgang über die Energiemesse eine Photovoltaikinselanlage mit der Strom für Elektrogeräte wie Fernseher, Laptop und Minikühlschrank selbst produziert werden kann. Generalvikar Clemens Stroppel, Oberbürgermeister Stephan Neher, Erster Bürgermeister Volker Derbogen und Prof. Stefan Pelz von der Forsthochschule hören aufmerksam zu. Bild: Franke

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15.10.2012, 12:00 Uhr

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