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Im Zweifel schnellstmöglich 112 wählen

Großes Interesse am Vortrag von Oberärztin Jacqueline Hörig zum Thema Herzinfarkt

„Im Zweifel schnellstmöglich die 112 wählen“ – so lautete die vielleicht wichtigste Botschaft von Oberärztin Dr. Jacqueline Hörig (Fachärztin für Innere Medizin/Kardiologie) bei ihrem Vortrag über „Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“.

12.11.2015
  • Monika Schwarz

Freudenstadt. Dass das im Rahmen der Herzwochen beleuchtete Thema von großem Interesse war, zeigte schon die stattliche Anzahl an Zuhörern, die in die Cafeteria des Freudenstädter Krankenhauses gekommen waren. Immerhin 2,5 Millionen Frauen und 3,5 Millionen Männer in Deutschland leiden an koronaren Herzkrankheiten, so Hörig zum Ausmaß der Erkrankung.

Herz-Kreislauf Erkrankungen sind zwischenzeitlich die häufigste Todesursache im Land, rund 400 000 solcher Fälle werden jährlich in Krankenhäusern behandelt. Eine konsequente Behandlung im und auch nach dem Krankenhausaufenthalt verbessert entscheidend die Überlebenswahrscheinlichkeit, weiß man heute.

Unter der koronaren Herzkrankheit versteht man eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die sich meist über viele Jahre schleichend und oft unbemerkt entwickelt. Symptom der koronaren Herzerkrankung ist der akute Herzinfarkt, der sich in Form eines ausgeprägten und länger als fünf Minuten andauernden Engegefühles in der Brust äußert. Hinzu komme oft ein Druck hinter dem Brustbein, der in den linken Arm, Nacken oder Rücken ausstrahlt. Auch Atemnot und Beklemmungsgefühle können auftreten. Einige Betroffene würden beim Infarkt sogar bewusstlos, informierte die Oberärztin.

Andere Formen der koronaren Herzerkrankungen sind die stabile und instabile Angina Pectoris, bei der Beschwerden vorwiegend unter Belastung auftreten. Grund für die Beschwerden ist eine Verengung oder gar komplette Unterbrechung (Infarkt) der Herzkranzgefäße, wodurch die ausreichende Versorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut behindert oder unmöglich wird.

Risikofaktoren wie etwa der hohe Blutdruck, Bewegungsmangel, Übergewicht oder Diabetes, Rauchen und Stress sind beeinflussbar, so die positive Botschaft von Dr. Jacqueline Hörig. Gegen die weiteren Risikofaktoren Alter und Genetik können Betroffenen aber nichts unternehmen. Frauen sind durch ihre Östrogene bis zur Menopause prinzipiell besser als die Männer vor einem Infarkt geschützt. Raucht eine Frau und nimmt sie zudem die Pille, erhöht sich ihr Erkrankungsrisiko aber um das Vierfache.

„80 bis 90 Prozent der koronaren Herzkrankheiten sind auf den heutigen Lebensstil zurückzuführen“, machte Hörig den Zuhörern klar. Leide man wiederholt unter Brustschmerzen, dann sollte man dies zunächst mit dem Hausarzt besprechen. „Je früher eine koronare Herzerkrankung behandelt wird, umso besser ist die Prognose.“ Mit Wartezeiten beim Kardiologen sollte man sich deshalb auch nicht zufriedengeben, sondern im Bedarfsfall die nächste Brustschmerzambulanz – diese gibt es auch in Freudenstadt – oder Notfallambulanz in einer Klinik mit Herzkathederlabor aufsuchen.

Bei andauernden Beschwerden selbst im Ruhezustand stehe der Herzinfarkt möglicherweise unmittelbar bevor. „Dann sollten sie unbedingt die 112 wählen und den Rettungswagen samt Notarzt rufen“, so Hörigs dringender Appell. Davon, in diesem Zustand allein ins Krankenhaus zu fahren, riet sie ab. Zumal es jederzeit zur Ohnmacht kommen könne, wodurch man im Straßenverkehr auch andere gefährde.

Ziel im Krankenhaus sei die sofortige Wiederherstellung der Durchblutung, damit der Herzmuskel nicht abstirbt. Dies geschehe beispielsweise durch Erweiterung der Herzkranzgefäße und durch die Implantation von so genannten „Stents“. Nach fünf bis sieben Tagen könne man die Klinik danach in der Regel wieder verlassen. Ergänzt wird das Ganze durch eine umfassende medikamentöse Therapie, um maximale Erfolge zu erzielen.

Nach dem Krankenhausaufenthalt wird den Patienten zur Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation geraten. Dies nicht nur mit Blick auf eine Optimierung der Medikamentenzufuhr oder die Erlernung eines gesunden Lebensstils, sondern auch deshalb, weil man dort mit Schicksalsgenossen zusammentreffe, die einen psychisch unterstützten. Man lerne dabei, mit der Erkrankung umzugehen. Zuhause könne man sich anschließend an Selbsthilfegruppen oder eine Herzsportgruppe wenden, was sich in Studien als sehr gut erwiesen habe.

Zum empfohlenen gesunden Lebensstil gehörten neben regelmäßigem Ausdauersport (30 Minuten am Tag fünf Mal pro Woche) auch mediterrane Kost, eine Gewichtsnormalisierung – und der Rauchstopp: Bereits nach einem rauchfreien Jahr reduziere sich die Gefahr eines erneuten Herzinfarktes um die Hälfte. Auch ein „kluger Umgang mit Stress“ sei hilfreich. Gegen den Genuss minimaler Mengen von Alkohol – vorzugsweise trockener Rotwein – spreche normalerweise nichts.

Beim Gewicht zählten nicht nur die Kilos, sondern auch die Verteilung des Körperfetts, vor allem am Bauch. Der Blutdruckwert sollte sich möglichst unter 140 zu 90 bewegen, um nicht gefährlich zu werden. Kontrollen dieser Risikofaktoren sollten halbjährlich beim Hausarzt stattfinden, bei Diabetikern deutlich häufiger, riet die Ärztin.

Großes Interesse am Vortrag von Oberärztin Jacqueline Hörig zum Thema Herzinfarkt
Oberärztin Dr. Jacqueline Hörig.Bild: mos

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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