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Grün ist die Farbe der Trauer
Untröstlich: Viele Fans haben sich im Stadion der beim Flugzeugabsturz verunglückten brasilianischen Mannschaft in Chapecó zusammengefunden, um zu trauern. Foto: afp
Flugzeugunglück

Grün ist die Farbe der Trauer

Schock und Solidarität sind groß nach dem Absturz in Kolumbien. Das brasilianische Erstliga-Fußballteam Chapecoense ist fast ganz ausgelöscht worden.

01.12.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Sogar die leere Münchner Fußball-Arena leuchtete Grün in den Nachthimmel. Genauso erstrahlte der Eiffelturm in Paris, die Christusstatue in Rio, der Präsidentenpalast in Brasília, zahlreiche Stadien und Monumente weltweit: Alle bezeugten Kondolenz in der Vereinsfarbe der Associação Chapecoense de Futebol, einem erst vor 43 Jahren gegründeten Fußballklub, dessen Name nun ewig mit einer der größten Tragödien im Sport verbunden ist: Fast die komplette Erstliga-Mannschaft starb bei dem Flugzeugunglück in Kolumbien.

Im Stadion der südbrasilianischen Stadt Chapecó versammelten sich auch gestern, am zweiten Morgen nach dem Absturz wieder Scharen von Fans, trauernd und wie in Schockstarre. Am Montagabend um exakt 21.55 Uhr brach der Funkverkehr mit dem Flughafen José Maria Córdova in Kolumbiens zweitgrößter Stadt Medellín ab. Gut 17 Stunden später erklärten die Behörden die Bergung der Opfer des Flugs Lamia CP 2933 in der schwer zugänglichen Bergregion Cerro Gordo für beendet. Mit 71 Toten und nur sechs Überlebenden als traurige Bilanz.

Das Schicksal der beiden schwerst verletzten Crew-Mitglieder, eines mitgereisten Journalisten sowie der ebenfalls geretteten Spieler Alan Ruschel, Neto und Jackson Follmann liegt zunächst in den Händen der Ärzte. Gefunden wurden die Flugschreiber. Sie werden wohl aufhellen, was zum Absturz der bolivianischen Charter-Maschine führte. Elektronische Probleme wurden zunächst als Ursache aus dem aufgefangenen Funkverkehr genannt. Später verhärtete sich der Verdacht auf Treibstoffmangel. Weil ein größerer Airbus der Gesellschaft Viva Colombia wenige Minuten zuvor ebenfalls um eine Notlandung bat, und die Unglücksmaschine deshalb noch Extrarunden drehen musste.

Während sich aus Spekulationen gesicherte Erkenntnisse herauskristallisierten, während Familienangehörige nach Medellín reisten, um das Unfassbare zu begreifen, während Fans von Chapecoense daheim in der Arena Condá zu Tausenden beteten und sangen sowie die Treuesten in der Nacht zu Mittwoch gar Wache in Zelten hielten, suchten der Klub und sich solidarisierende Vereine nach dem Neuanfang aus den Trümmern.

Gleich 13 brasilianische Vereine, darunter zehn Erstliga-Rivalen der kommenden Saison, erklärten sich in einer gemeinsam veröffentlichten Stellungnahme bereit, kostenlos Spieler abzustellen. Zudem will die Gruppe formell beim nationalen Verband CBF beantragen, dass Chapecoense, das beim Unglück gleich 19 Spieler verloren hat, in den kommenden drei Spielzeiten nicht in die zweite Liga absteigen darf. Solidarität auch vom Gegner der erträumten größten Stunde in der Vereinsgeschichte, die nach dem Durchmarsch von Liga drei (2012) in die Serie A (2014) gestern ein neues Kapitel erhalten sollte. Atlético Nacional hat dem südamerikanischen Verband Conembol nahegelegt, den Titel des zweitwichtigsten kontinentalen Klub-Wettbewerbs Chapecoense zu überreichen. Zudem rief der kolumbianische Spitzenklub seine Fans auf, in weißer Kleidung und mit einer Kerze zur gestern vorgesehenen Anstoßzeit zu erscheinen.

Das in Trauer versunkende Chapecó mit seinen rund 210 000 Einwohnern wartet nun auf seine toten Helden. Die Stadt plant eine gemeinsame Begräbnisfeier im Stadion des Klubs. Die irgendwie treffende Hommage dazu postete die US-Rockband Guns N‘Roses: Das Chapecoense-Emblem mit dem Hit Knockin‘ on Heaven‘s Door. dpa/sid

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01.12.2016, 06:00 Uhr

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