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Es geht ans Eingemachte

Grüne hörten sich Initiativen an, die im Reutlinger Haushalt zu kurz kommen sollen

Vereine und Initiativen, die in der städtischen Reutlinger Haushaltsplanung zu kurz gekommen sind, haben sich am Montagabend bei der Grünen-Fraktion im Rathaus vorgestellt.

01.10.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Es gärt in der Kinderbetreuung. Eltern fordern längere Öffnungszeiten – und die freien Träger monieren zu geringe Personalausstattung. Der Arbeitskreis der Kleinkindergruppen vertritt 21 kleinere freie Träger, die unter Dreijährige betreuen. Es geht um 340 Plätze, ein Drittel von allen. Mit Unterstützung der Stadt wurde die Zahl der Plätze erweitert, berichtete Carola Reinmuth – doch die personelle Ausstattung sei nicht angepasst worden.

Für zehn Kinder gebe es nur zwei Fachkräfte. Teils können die Kinder noch nicht laufen. Zu zweit seien die Gruppen kaum zu betreuen – da müsse nur ein Kind stürzen und sich ein weiteres den Kopf anschlagen, während eine Betreuerin ein anderes Kind wickelt. Und was, wenn eine oder beide Erzieherinnen krank sind? Teils würden Eltern und weitere Ehrenamtliche Vereinsarbeit abdecken – zumal die Träger aufgrund einer alten Vereinbarung von der Stadt nur 20 von 25 Betreuungsstunden bezahlt bekämen.

Die Verwaltung habe nur Anträge auf Sachmittel berücksichtigt. „Es gibt ein paar Stühle, und das war’s“, so Reinmuth. Der Verein fordert nun eine zusätzliche Viertelstelle pro Gruppe. Das würde 672 000 Euro kosten. Weil das politisch kaum realisierbar sei, fordern die freien Träger wahlweise eine zusätzliche Hilfskraft als „drittes paar Hände“ pro Gruppe. Das solle in etwa dieselbe Summe kosten. Hier könnten Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr, Mütter oder Omas eingesetzt werden. Reinmuth und Cäcilia Lutz von der Bruderhaus-Diakonie hoffen auf einen überfraktionellen Antrag im Rat.

Geldsorgen hat auch die Lebenshilfe. „Wir brauchen im Jahr einen vierstelligen Betrag aus unseren Rücklagen auf“, sagte der Vorsitzende Andreas Fischer. Die Situation sei „relativ dramatisch“. Wenn es so weitergehe, tue sich der Verein schwer, in zehn Jahren 60. Geburtstag zu feiern. Irgendwann müsse man die Qualität reduzieren. 15 000 Euro hat die Lebenshilfe nun für inklusive Kinder- und Jugendarbeit beantragt – und wurde nicht berücksichtigt. Der Projekt-Anschub kam von der Aktion Mensch, jetzt sollen die Strukturen verstetigt werden. „Wir investieren da viel mehr“, sagte Rosemarie Henes. Und für die Betriebskosten des Kaffeehäusles seien nur 18 000 von 24 000 Euro eingestellt. Dabei sei das eigentlich eine öffentliche Ausgabe.

Während die Lebenshilfe womöglich demnächst Personal einsparen muss, hat der Verein Wirbelwind voriges Jahr vom Kreis Reutlingen eine 50-Prozent-Stelle bewilligt bekommen. Der Verein hilft Kindern und Jugendlichen, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Nun sei die Nachfrage gestiegen. Wirbelwind möchte die Arbeit in Stadt und Kreis ausbauen und hat 15 000 Euro beantragt – nur 5000 Euro sind für beide Jahre im Doppelhaushalt vorgesehen. Schon jetzt müsse der Verein Schulen und Kindergärten bei Anfragen absagen, berichtete Petra Lever.

Aufstocken möchte auch der Tübinger Verein Pfunzkerle. Er betreut jugendliche Gewalttäter und Männer, die in Partnerschaft und Familie Gewalt ausüben. Der Verein möchte 19 000 statt bisher 4000 Euro Zuschuss im Jahr. Aufgrund neuer Studien müsse er die Betreuung der Jungen und Männer von einem Vierteljahr auf neun Monate ausbauen um nachhaltige Erfolge zu erzielen, sagte Armin Krohe-Amann. „Sonst kippt das ganze Projekt. Es steht zur Disposition, dass wir mit der Arbeit ganz aufhören müssen.“ Eingeplant wurden: 4080 Euro.

gSiehe „Mit Engelszungen“

Leer ausgehen soll auch das geplante Genossenschafts-Kino auf dem Wendler-Areal. Das hat jährlich 18 000 Euro als Betriebskostenzuschuss beantragt. Ohne das Geld sei es nicht möglich, anspruchsvolle Filme und Dokumentationen zu zeigen, sagte Klaus Kupke. „Wenn das Geld nicht kommt, muss man stärker nach kommerziellen Filmen schauen, um das über Besucherzahlen reinzuholen“, so Gerhard Steinhilber.

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01.10.2014, 12:00 Uhr

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