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Lukrativer Seitenwechsel

Grüne sind als Lobbyisten bei Wirtschaft und Verbänden sehr beliebt

Die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel geht in die Stromwirtschaft. Kritik kommt vom politischen Gegner - und aus den eigenen Reihen.

14.10.2011
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin Im Bundestag gehörte Christine Scheel seit ihrem Einzug 1994 zu den über Fraktionsgrenzen hinweg geschätzten Fachpolitikern, die sich mehr durch kontinuierliche Sacharbeit als durch glanzvolle Auftritte in der Öffentlichkeit einen Namen machen. Die 54-jährige Pädagogin aus Aschaffenburg erwarb sich zunächst als Finanzexpertin ihrer Fraktion einen guten Ruf, wurde Vorsitzende des Finanzausschusses im Parlament und gilt vor allem für mittelständische Wirtschaftsvertreter und Verbände als verlässliche Ansprechpartnerin bei den Grünen, deren stellvertretende Fraktionschefin sie von 2007 bis 2009 war.

Nun strebt Christine Scheel zu neuen Ufern. Ab Februar 2012 wird sie im Vorstand des Darmstädter Energieversorgers HSE sitzen, was sogleich Kritiker auf den Plan rief. Ausgerechnet ein Parteifreund der prominenten Grünen, der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch, äußerte Zweifel an der Eignung der Berliner Abgeordneten für den Manager-Job und beschwerte sich über den Eindruck, dass hier eine altgediente Partei-Politikerin mit einem lukrativen Posten versorgt werden solle. Ähnlich äußerte sich die örtliche CDU, die mit den Grünen eine Koalition bildet.

Dabei ist Christine Scheel, die ihr Bundestagsmandat Anfang des nächsten Jahres abgeben wird, nur eine von vielen Grünen, die inzwischen in der Wirtschaft gelandet sind. Einer der ersten war Ex-Fraktionschef Rezzo Schlauch, der zunächst beim Energiekonzern ENBW anheuerte. Der bekannteste Seiteneinsteiger heißt Joschka Fischer, der frühere Außenminister und Vizekanzler, der den Automobilbauer BMW ebenso berät wie den Stromriesen RWE bei dessen Engagement für die Gaspipeline Nabucco.

Für Fischers Firma arbeitet auch Ex-Fraktionssprecher Dietmar Huber. Mit Matthias Berninger und Margareta Wolf verdingen sich zudem zwei ehemalige Parlamentarische Staatssekretäre der Grünen in der Privatwirtschaft. Viel Staub wirbelte auf, als sich die Abgeordnete Marianne Titz, die viele Jahre das Büro von Fritz Kuhn leitete, nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag von der Zigarettenindustrie als Verbindungsfrau zu Regierung und Parlament verpflichten ließ.

Als weniger anstößig wurde in der eigenen Partei registriert, dass sich die ehemalige Grünen-Vorsitzende Gunda Röstel als Expertin für erneuerbare Energien erst von Gelsenwasser und seit April 2011 von ENBW unter Vertrag nehmen ließ. Auch die Tätigkeit des früheren Kieler Umweltministers Klaus Müller als Chef der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale gilt unter Grünen als politisch korrekt.

Grüne sind als Lobbyisten bei Wirtschaft und Verbänden sehr beliebt
Wechselt, wie bereits vor Jahren ihr Parteifreund Rezzo Schlauch, in die Energiewirtschaft: die Grünen-Bundestagsabgeordnete Christine Scheel. Fotos: dpa, dapd

Grüne sind als Lobbyisten bei Wirtschaft und Verbänden sehr beliebt

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14.10.2011, 12:00 Uhr

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