Schulen

Grüner Energie auf der Spur

Lehrer aus fünf Ländern informieren sich im Rahmen des „Erasmus+“-Programms über erneuerbare Energien. Dafür gibt es auch im Raum Sulz Beispiele.

30.05.2017

Von Cristina Priotto

Die Europäische Union fördert den Austausch von Lehrern aus Deutschland, Belgien, Spanien, Frankreich, Schweden und Bulgarien. Ein Dutzend Berufsschullehrer unter Federführung der Beruflichen Schulen Oberndorf-Sulz weilt zurzeit eine Woche in Sulz und Umgebung. Bilder: Priotto

Die grünen Smoothies auf den Stehtischen sehen recht gewöhnungsbedürftig aus: Die Gäste im Bürgersaal betrachteten die grünlich-braune Mischung aus Spinat, Grünkohl und Mango daher mit respektvollem Abstand.

Grüne Energie ist allerdings das Thema, mit dem sich Berufsschullehrer aus fünf Ländern
– Deutschland, Frankreich, Spanien, Schweden und Bulgarien – während des einwöchigen Aufenthalts in Sulz und Umgebung beschäftigen. Die Pädagogen sind im Rahmen eines „Erasmus+“-Projekts angereist, um sich in mehreren Workshops mit Kollegen auf europäischer Ebene über erneuerbare Energien und Energiesparen auszutauschen.

Die Beruflichen Schulen Oberndorf-Sulz (BOS) sind die koordinierende Einrichtung für alle sechs beteiligten Länder. „Wir bekommen dafür 24000 Euro“, erklärte Jennifer Heitmar, Lehrerin an der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Sulz, gestern beim Empfang.

Mit dem „Erasmus+“-Programm kommen die Pädagogen und Schüler ganz schön rum: Nach Belgien und Bulgarien steht in diesem Schuljahr noch ein Besuch in Schweden an, 2018 geht‘s nach Frankreich und Spanien.

Teilweise sind ausgewählte Schüler dabei, diesmal handelt es sich aber nur um einen Workshop für Berufsschullehrer. Während des Deutschland-Besuchs besichtigen die Männer und Frauen verschiedene Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien: Gleich zum Auftakt stand gestern eine Führung durch das Wasserwerk am oberen Wehr in Sulz auf dem Programm. In den Windpark Nordschwarzwald fährt die Gruppe am heutigen Dienstag, und ein Gespräch mit Experten über das Wasserkraftwerk am Schluchsee ist für Donnerstag vorgesehen.

Seitens der Stadtverwaltung gab Hauptamtsleiter Hartmut Walter den Besuchern einen kurzen Überblick über die Region: Auf einer Karte und anhand des Sulz-Bildes von Norbert Stockhus zeigte Walter den Gästen, wie vielfältig die Erzeugung regenerativer Energien in der Neckarstadt schon jetzt ist: Zwei Flusskraftwerke, Solaranlagen auf vielen Gebäuden, drei Windräder und zwei Biogasanlagen. Zudem verwies der Sulzer Hauptamtsleiter und Wirtschaftsförderer auf die zahlreichen Direktvermarkter im Stadtgebiet und auf die Tesla-Supercharger-Tankstelle beim „Autohof“ in Vöhringen.

Da das straffe Programm kaum Zeit lässt, die Gegend zu erkunden, lagen im Bürgersaal eine „Virtual Reality“-Brille und zwei Tablets aus, mit denen die Lehrer einige Sehenswürdigkeiten in Sulz und Umgebung über die Homepage „Sulz 360 Grad“ erkunden konnten – von drinnen aus und ohne sich bewegen zu müssen.

Auf die Teilnehmer wartet in den nächsten Tagen und Wochen viel Arbeit: Jetzt zur Halbzeit des Programms stehen Workshops zur Evaluation der Feedback-Fragebögen von Schülern an.

Der Schwerpunkt der Workshops liegt auf grünen Energien: In Deutschland steht Wasserkraft im Vordergrund, in Bulgarien galt das Interesse eher der Windkraft. Ein zweiter Bereich sind neue Medien: „Die Schüler sollen zum einen Workshops zu bestimmten Themen machen und die Ergebnisse mit neuen Medien wie Filmen oder Podcasts aufbereiten“, erklärt Jennifer Heitmar. Die Lehrkräfte müssen für die EU einen Zwischenbericht formulieren. Damit die Ergebnisse der Workshops ein breites Publikum erreichen, gibt es eine Facebook-Gruppe: „Wir möchten vor allem junge Leute darüber informieren“, sagt Jan Huml. Denn von den gemeinsam erarbeiteten Erkenntnissen sollen möglichst viele profitieren.

Petya Ivanova blickt durch die „Virtual Reality“-Brille und lernt so die Sulzer Umgebung kennen.

Programm „Erasmus+“:

Bei „Erasmus+“ handelt es sich um das Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union.

Das Budget umfasst 14,8 Milliarden Euro für sieben Jahre bis 2020 und

soll in diesem Zeitraum mehr als vier Millionen Menschen erreichen.

Das Ziel ist es, Kompetenzen und

Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern und die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen

Bildung voranzubringen.

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Erstellt:
30. Mai 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Mai 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2017, 01:00 Uhr

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