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Ein Garten wie im Märchen

Grüngestaltung der besonderen Art bei Familie Gaebele

Für die Gebrüder Grimm wäre er gewiss eine Inspiration gewesen: der wildromantische Garten von Sibylle und Hartmut Gaebele auf der Lehr, der mit seinen vielen wunderlichen Details märchenhaft anmutet.

24.08.2010
  • Amancay Kappeller

Mössingen. Im Garten der Gaebeles hinter dem ehemaligen Fachwerk-Gasthaus am Ortsausgang ist alles ein bisschen anders als in „normalen“ Gärten: Was vielen als Unrat gilt, wird hier kurzerhand zum Zierrat umfunktioniert. Von den Bäumen baumelt Tönernes, aber auch rostige Eisenteile an Ketten: Hier hängt die Kurbel einer Futterschneidemaschine, dort ein Fassreifen. Ein Mobile aus Kohlenherd-Ringen dreht sich im Wind über dem schilfumwucherten Teich.

„Alles Gartenkunst, nach und nach entstanden“, sagt Hartmut Gaebele. Immer wieder entdeckt man neue Deko-Details: Von einem Birnbaum pendelt ein „Gabel-Kronleuchter“ – „mit lauter Gäbele, also Kuchengabeln“, schmunzelt der pensionierte Arzt. Hier und da stecken zur Zierde auch Mist„gaebele“ im Boden, Zinken nach oben, die Spitzen zum Schutz mit glitzernden Kugeln, fliegenden Gartenzwergen, Schneckenhäusern oder Keramikfröschen besteckt. Am Schuppen hängen antike Gartengeräte, aus einem alten Ofen wuchern Pflanzen hervor.

Das alte Gartenhaus von Großvater Jaggy

Der Großvater besaß den Garten schon in der beachtlichen Größe, die er auch jetzt noch hat, sagt Hartmut Gaebele; damals wurde dort noch Gemüse angepflanzt, man konnte (Beeren-)Obst ernten, erinnert sich der 70-Jährige. Stück für Stück habe sich der Garten dann zu einer eher wild bewachsenen „Grünzone“ entwickelt.

Zwei Bäume, die der Großvater 1908 gepflanzt hat, stehen noch. Andere hat Gaebele selbst gesetzt, etwa zur Geburt der drei Söhne: Buche, Birke und Eiche haben mittlerweile auch schon „zwischen drei und vier Jahrzehnten“ auf dem blättrigen Buckel. Eine vor Jahren von unterwegs mitgebrachte Minikastanie wirft mittlerweile säckeweise Kastanien ab – „für die Enkel“. Der tote Birnbaum ist doch nicht so tot: Eine Ramblerrose wächst daran hoch, dazwischen schießt Vogelbeere empor: „Das macht den Baum dann doch wieder ein Stück weit lebendig“, freut sich Gaebele.

Mitten im Garten, gleich hinter dem Teich, steht eine kreisrunde Kate – im fast völlig grün überwucherten „Hexenhäusle“ schwebt innen ein Teppich aus dichten Spinnweben unter der Decke. „Das Gartenhaus ist seit 1908 in Familienbesitz, es stand früher im Mössinger Weinberg“, erklärt Gaebele – hinter dem heutigen Firstwaldgymnasium. Gaebeles Großvater, der Mössinger Bürgermeister Karl Jaggy, hat es dort abgebaut, um es im eigenen Garten wieder aufzustellen. Hänsel und Gretel, gestiefelter Kater, Rumpelstilzchen, Froschkönig: In Gaebeles „Märchengarten“ scheinen fabelhafte Figuren zum Greifen nah.

Hinter dem Teich liegt ein Baumstamm quer, daneben rankt sich eine mächtige Rose empor: „Das war der Apfelbaum vom Schultheiß Jaggy, in einem Gewittersturm ist er umgefallen, samt der Rose, die an ihm hochwuchs“, sagt Gaebele. Seitdem liegt der Stamm dort und bietet unzähligen Krabbeltieren ein Zuhause. Nebenan steht ein begrünter „Steinkreis“ aus alten Straßen-Markierungssteinen. Das „Stumpenbeet“ dahinter besteht aus aufgetürmten Baumstämmen, innen wachsen Waldpflanzen. Eigens geflochtene Weidenkörbe stehen überall herum, sogar der Kompostbehälter ist selbstgeflochten.

„In unserem Garten ist eigentlich alles selbstgestrickt, bis auf den steinernen Torbogen“, so Gaebele. Das massive, rosenbewachsene Portal hat ein Steinmetz gefertigt – „atombombensicher.“ Die „Zutaten“ hat Gaebele aber selbst gesammelt: Von Abbruchhäusern stammen die Steine, von der Erddeponie, auch alte Grabsteine hat der 70-Jährige zusammengetragen. „Tischlein deck Dich“ heißt es zwischen einigen Felsbrocken: Sie rahmen Steinbänke samt -tischen sowie Mini-Heckenlabyrinthe ein – früher war dort der Gemüsegarten.

Eidechsen auf dem Trockenmauerberg

Immer neue Details sind zu entdecken, wenn man sich Zeit lässt und sich auf den zahlreichen, über den gesamten Garten verteilten steinernen und hölzernen Sitzgelegenheiten niederlässt: eine Pyramide aus unzähligen kleinen Blumentöpfen; ein bepflanzter Fleischwolf und Gugelhupfformen, an einem Stecken übereinander zur „Torte“ aufgeschichtet; bewachsene „Siebenmeilenstiefel“ – „von jedem Familienmitglied ein Schuh“.

Kein Goldesel, sondern ein „richtiger“ Esel namens Benjamin war´s, der einst viele Jahre lang den Garten bewohnte und gemeinsam mit Ziegen „Gartenpflege“ betrieb, erinnert sich der Arzt zurück. Eine „Tierversammlung“ anderer Art war neulich im Gaebel‘schen Garten zu Gast: Naturfotograf Dietmar Nill präsentierte in einer Freiluftausstellung eine Auswahl seiner Bilder: die Fledermaus vorm „Hexenhaus“, ganz und gar nicht hässliche „Entlein“ wie Teichhuhn und Gänsesäger vor dem Tümpel. Daneben, im hinteren Teil des Gartens, ein „echtes“ Stillleben, ganz ohne Foto: Eidechsen auf einem gigantischen Trockenmauersteinberg, die sich ebenso wie die Leitern, die am Bäumchen lehnen und auf die augenscheinlich schon lange keiner mehr gestiegen ist, im sonnigen Dornröschenschlaf befinden – wie könnte es in diesem märchenhaften Garten anders sein.

Grüngestaltung der besonderen Art bei Familie Gaebele
Gaebeles Garten, ganz in der Nähe der Hauptstraße gelegen – da hängen als Kunst am Baum sogar ein paar echte, gar nicht so kleine Gäbele herum. Bild: Franke

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24.08.2010, 12:00 Uhr

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