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Post aus Polen

Gruß an Angela Merkel

Eigentlich wollte ich heute den Fußball mal nur Fußball sein lassen, und über polnische Rätsel des Alltags berichten. Zum Beispiel, warum manche mit der Post verschickte Telefonrechnungen immer noch mit kleinen Eisenplättchen versehen werden.

20.06.2012

Aber dann kamen die Iren dazwischen: Und nach dem Stadion-Besuch am Montag in Poznaÿ komme ich nicht umhin, über diese Fans zu schreiben, diese Stimmung bei der Partie der bereits ausgeschiedenen Iren gegen die noch um den Einzug ins Viertelfinale kämpfenden Italiener.

Eine Szene etwa zehn Minuten nach Spielschluss sagt alles: Da laufen noch einmal fünf Spieler Italiens um den Platz und applaudieren den geschätzt 25 000 Irland-Fans unter den 40 000 Zuschauern in Poznaÿ. Torhüter und Kapitän Gianluigi Buffon hebt den Daumen hoch, seine Oberlippe hat er über die Unterlippe gezogen, sein Mienenspiel zeugt eins: Respekt vor diesen Fans! Trotz Rückstands, trotz offensichtlich mangelnden Talents ihres Teams, unterstützten die Iren ihre „boys in green“ das gesamte Spiel über. Feierten sich selbst, ihr Land und Polen, wo sie hauptsächlich in Poznaÿ vor allem den örtlichen Bierbrauern große Freude bescherten. Poznaÿ kürten zwei Iren auf ihrem Transparent kurzerhand zum „home of the unbeaten Irish“. Beinahe 100 Minuten Dauergesang im Stadion inspirierte die Mannschaft immerhin zu großer Kampf- und Laufbereitschaft. Und tatsächlich: Bevor sie zu später Stunde doch irgendwann mal das Stadion verließen, bedankten sich vier irische Fans in der ersten Reihe extra noch bei den meist stoisch vor ihnen stehenden Ordnern persönlich.

Ansonsten befassten sich die Iren auch mit der deutschen Bundeskanzlerin. Irische Fans in Poznan posierten mit einem Transparent: „Angela Merkel thinks we’re working now“. Auf youtube entwickelte sich das Video zum Klick-Hit, das EU-Sparprogramm unter deutscher Federführung provoziert Spott der Fußball-Fans. Der aber stets liebevoll bleibt: Auf der Rückfahrt im Bus sangen die stimmgewaltigen Iren „Angie Merkel used to be irish“. Und stimmten alle halbe Stunde das Hohelied auf ihren Trainer Trapattoni an: „he used to be italian but he’s Irish now“ – Trap könnte problemlos Ehrenbürger werden.

Achso: zurück zur Sache mit den Eisenplättchen auf den Telefonrechnungen. Das sei eine findige Idee des Telefonanbieters, um billiger die Rechnungen zu verschicken, wurde mir eröffnet. Die staatliche Poczta Polska hat nämlich noch bis nächstes Jahr das Monopol auf Briefe bis zu 50 Gramm. Dem Telefonanbieter sind die Gebühren der Poczta allerdings zu hoch. Nur: So ein dünner Brief mit einer Rechnung kommt halt nie auf 50 Gramm. Um einen günstigeren Anbieter aussuchen zu können, muss der Brief schwerer werden. Deshalb die Idee mit den Eisenplättchen. Vielleicht haben aber manche demnächst so dicke Telefonrechnungen nach Irland, dann braucht’s die gar nicht mehr.

Gruß an Angela Merkel

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20.06.2012, 12:00 Uhr

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