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Tischwein gab‘s immer

Gudrun Emberger führte durch die Geschichte des Martinianum

Ein Tübinger Pfarrer jonglierte mit Immobilienbesitz, bis an der Ecke Hafen- / Lange Gasse das Studentenwohnheim einer privaten Stiftung eröffnet werden konnte. Mit diesem Rückblick ins frühe 16. Jahrhundert eröffnete Gudrun Emberger am Montagabend einen weiteren Rundgang unter dem Motto „Kennen Sie Tübingen?“

27.08.2014
  • Hans-Joachim Lang

Tübingen. Die Studenten im „Collegium Sanctorum Georgii et Martini“, kurz: Martinianum, hatten nicht nur einen Leiter aus ihren Reihen, der für die Ökonomie und Disziplin im Haus verantwortlich war. Sie mussten auch einkaufen und kochen, putzen und heizen. Häufig stand Getreidebrei im Speiseplan, Tischwein gab‘s immer.

Die Berliner Historikerin Gudrun Emberger hat in Tübingen studiert, einige Jahre in der Unibibliothek gearbeitet und für ihre Doktorarbeit die bedeutendste der einst zahlreichen Tübinger Stipendienstiftungen erforscht. Vor der Studentenkneipe „Collegium“ scharten sich rund 130 Interessierte um die kundige Führerin, die für die Kulturamtsreihe „Kennen Sie Tübingen“ auf vier Wegstation die über 500 Jahre währende Geschichte der auch noch heute existierenden Stiftung beleuchtete.

Gegründet wurde sie 1509 von den Theologen Georg Hartsesser und Martin Plantsch. Letzterer war Stiftskirchenpfarrer. Er kaufte 1512 das Gebäude in der Lange Gasse 6 (heute Optikergeschäft) und gab sein Privathaus in der Lange Gasse 2 in Zahlung. Ein kurze Zeit später in der Hafengasse gekauftes Haus tauschte er für das Eckgebäude, das heutige „Collegium“. Hier öffnete 1518 das Studentenwohnheim der Stiftung, das 18 Studenten aus weniger begüterten Familien nach einer Aufnahmeprüfung Kost und Logis gewährte.

Die Stipendiaten waren, entsprechend dem damaligen studentischen Durchschnittsalter, zwischen 15 und 25 Jahre alt. In der Regel blieben sie fünf Jahre dort und konnten wohnen bleiben, bis sie eine geeignete Stelle gefunden hatten. Ein Raunen ging durch die Reihen, als Emberger erwähnte, dass das bis zu 13 Jahre dauern konnte.

1683 erfolgte der Umzug in das Gebäude in der Münzgasse 13, wo der Wohnheimbetrieb von der Stiftung bis 1923 betrieben wurde. Als Glanzstück immer wieder neu poliert: Hier befand sich die Keimzelle der Schwäbischen Romantik, Justinus Kerners Studentenbude. Weniger bekannt ist, dass auch der Politikwissenschaftler Theodor Eschenburg und Kultusminister Gerhard Stotz im Münzgassen-Wohnheim verbrachten, das zu deren Zeit aber schon (ab 1923 bis 1936) von der Studentenhilfe betrieben wurde.

Nach einem Interim bis 1976 als Polizeirevier wird das Gebäude wieder als Studentenwohnheim genutzt. Die Stiftung ist in der Weimarer Inflationszeit zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft, existiert aber noch immer als Martin-Ficklersche Stiftung.

Gudrun Emberger führte durch die Geschichte des Martinianum
Eigentlich verweist die Studentenkneipe „Collegium“ auf das einstige Collegium Illustre schräg gegenüber, in dem heute das Wilhelmsstift untergebracht ist. Im heutigen „Collegium“ war im Jahr 1518 ein anderes Collegium eröffnet worden: ein selbstverwaltetes Studentenwohnheim für den akademischen Nachwuchs aus weniger vermögenden Familien. Darüber berichtete in ihrer historischen Stadtführung Gudrun Emberger (links unten mit roter Jacke, Schal und weißem Lockenhaar). Bild: Metz

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27.08.2014, 12:00 Uhr

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