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Was macht eigentlich der Mössinger Friedhofs-Freigeist?

Günni geht’s gut · Dieser Hahn ist alles andere als tot

Einige erinnern sich gewiss noch an das sommerliche Lustspiel auf dem Friedhof: Woche für Woche versuchten Tübinger Tierschützer an lauen Sommerabenden einen wilden Gräber-Gockel einzufangen – erfolglos. Heute lebt er glücklich in Pfrondorf.

12.11.2015
  • Claudia Jochen

Mössingen. Sogar die aus Pfrondorf angereiste Lockhenne Rosie verschmähte er. Offenbar wusste er nicht, was er mit der Artgenossin anstellen soll. Stets ergriff er die Flucht: Der unauffällige Hahn konnte ja nicht wissen, dass die Tierschützer ihn vor dem Fuchs und der drohenden Kälte retten wollten. Nach etlichen Versuchen war es den Mitarbeitern des Tübinger Tierheims schließlich gelungen, den Gockel zu fangen. Nachdem das TAGBLATT über die Geschichte berichtet hatte, erlangte der Mössinger Friedhofs-Hahn überregionale Bekanntheit (siehe Kasten).

Günni geht’s gut · Dieser Hahn ist alles andere als tot

Auch ein Name war sofort gefunden. „Jacquot“, rief eine Häscherin, solle er bittschön heißen. Passend zum nahenden Jubiläum mit Mössingens Partnerstadt St. Julien. „Aber wer spricht denn das aus?“, fragte sich Tierpflegerin Agnes Graf: „Ich gehe doch nicht in den Hühnerstall und sage: Jacqout, bitte komm! Der denkt doch, ich spinne.“

Auf Grafs Bauernhof in Pfrondorf lebt der Hahn seither mit einer Schar Hühner und ein paar weiteren Hähnen zusammen. Regelmäßig besucht Graf mit ihren Tieren Pflegeheime in der Umgebung. Die Bewohner geben ihnen Namen. Und dass der Name Jacqout nicht zum Mössinger Friedhofshahn passt, da waren sich alle einig. Günni sollte er künftig heißen.

„Als Günni in den Stall rein kam, ist Rosie sofort auf ihn los und war in Kampflaune“, erzählt Graf. Als wolle sie ihm sagen: „Ha, was willst denn du da? Auf dem Friedhof hast du mich auch verschmäht.“ Tatsächlich wusste Günni gar nicht, wie ihm geschah und flüchtete aufs Stalldach. Runter kam er von dort vorerst auch nicht mehr. Er wollte sich erstmal einen Überblick verschaffen in seiner neuen Bleibe.

Günni geht’s gut · Dieser Hahn ist alles andere als tot

Es habe mehrere Wochen gedauert, bis er sich von seiner traumatischen Kindheit auf dem Mössinger Friedhof erholt hatte, erinnert sich Graf: „Hühner sind Gruppentiere und lernen voneinander“, erklärt die Chefin des Hühnerhotels. Da er wohl lange ein Einsiedlerleben geführt hat, tat er sich anfangs schwer in der Hackordnung auf dem Hof. „Aber er ist ja noch jung“, ist Graf zuversichtlich. Ihr gegenüber war der Neuling auch immer zutraulich: „Er hat mir von Anfang an aus der Hand gefressen“, berichtet sie. Graf ist sich sicher, dass Günni maximal eineinhalb Jahre alt ist. „Das sieht man an seinen Sporen, die sind noch nicht ausgebildet.“

Ein Kampfhahn, wie man anfangs vermutet hatte, ist er nicht. Streit geht Günni nämlich nach wie vor aus dem Weg. Wenn ihn ein anderer Hahn herausfordern will, dann rennt er schnell davon. „Außerdem kann er fliegen wie die Sau“, sagt Graf. Und das scheint so manche Henne zu beeindrucken. Mittlerweile weiß Günni nämlich auch, was man mit Hennen anfangen kann. „Die neun Hühner findet er toll.“ Rosie ist auch nicht nachtragend: „Sie freut sich richtig über ihn.“ Die Damenschar beglückt er aber lieber heimlich. „Einmal war es draußen ganz still“, erzählt Graf, „und plötzlich kommt Günni allein mit einem Schwarm Hühner rein.“

Das Krähen ist aber noch immer nicht sein Ding: Günni „schalmeit“ leise und unaufdringlich. Im Gegensatz zu seinen Kumpels in Pfrondorf: „Wenn alle meine Hähne krähen, dann hört man das bis runter nach Lustnau“, sagt Graf. Dass Günni seine Kindheit unter Menschen verbracht hat, könnte ihm nun zu einer unverhofften Karriere verhelfen. Mittlerweile ist er so zahm, dass er freiwillig bei Graf auf dem Arm bleibt. Deswegen soll er, genau wie Freundin Rosie, zu einem Therapie-Tier ausgebildet werden.


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