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Berlin

Günter Schabowski ist tot

Er war einer der letzten Überlebenden aus der politischen Führung der DDR. Er öffnete - unbeabsichtigt - die Mauer. Nun ist Günter Schabowski tot.

02.11.2015
  • JUTTA SCHÜTZ, DPA

Der Satz fiel beiläufig, manche dachten an einen Versprecher: Am 9. November 1989 sorgte der damalige SED-Spitzenfunktionär Günter Schabowski für die Öffnung der DDR-Grenze. "Das tritt nach meiner Kenntnis . . . ist das sofort . . . unverzüglich", stotterte er auf der Pressekonferenz in Ost-Berlin auf die Frage, ab wann die soeben vorgestellte neue DDR-Reiseverordnung gelte, nach der künftig Reisen in den Westen erlaubt sein sollten. Der Strom an den Grenzübergängen zum Westen war danach nicht mehr aufzuhalten. "Niemand konnte sich die Konsequenz der Maueröffnung vorstellen", sagte Schabowski später zu der Weltsensation, die er auslöste. Gestern ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Das ehemalige SED-Politbüromitglied bekannte immer wieder, er trauere der DDR nicht nach. Doch viele nahmen ihm seine persönliche Wandlung nicht ab. Bei der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 wurde er lautstark ausgepfiffen. Für die SED-Nachfolgepartei PDS, die ihn im Januar 1990 ausschloss, fand Schabowski nur harte Worte. Er bekenne sich zu Mitverantwortung und moralischer Schuld, hatte der einstige Hardliner gesagt. "Die DDR ist an sich selbst zugrunde gegangen, weil sie ein untaugliches System darstellte." Als ihm neben dem letzten DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz der Prozess gemacht wurde, räumte er ein, nichts könne rechtfertigen, dass auch nur ein einziger Flüchtling, "der uns den Rücken kehren wollte, dafür mit dem Leben bezahlen musste". Das Landgericht Berlin verurteilte Schabowski 1997 wegen Totschlags zu drei Jahren Haft. Schabowski wurde im September 2000 begnadigt

Schabowski, in Anklam geboren, hatte eine steile SED-Karriere hinter sich. 1978 übernahm er die Leitung der Parteizeitung "Neues Deutschland". 1984 gelang dem Absolventen der Moskauer KP-Parteihochschule der Aufstieg ins SED-Politbüro, das höchste DDR-Machtgremium. 1985 wurde er Chef der Berliner SED-Bezirksleitung. Kurz vor der Wende wurde er neben Egon Krenz auch als Nachfolger des greisen Erich Honecker gehandelt.

Günter Schabowski ist tot
Er verkündete 1989 die Öffnung der Berliner Mauer: Günter Schabowski. Foto: dpa

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02.11.2015, 12:00 Uhr

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