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Güterzug wird intelligentes Transportmittel
Stuttgarter Bosch-Konzern entwickelt Kontrollsystem für Eisenbahnwaggons

Güterzug wird intelligentes Transportmittel

Güterzüge lassen sich mit einem System von Bosch lückenlos überwachen. Die Technik ist von der Automobilsparte entliehen und kann in einer Abwandlung sogar auf Spargeläckern eingesetzt werden.

24.11.2015
  • HANS GEORG FRANK

Das schwarze Kästchen wiegt 700 Gramm und wirkt ziemlich unauffällig. Doch der Inhalt ist geeignet, Logistikprozesse zu vernetzen und die Kosten für den Frachttransport auf Schienen zu senken. Das Projekt der Tüftler von Bosch in Abstatt bei Heilbronn trägt das Kürzel Amra. Was sich wie ein arabischer Mädchenname ("Prinzessin") anhört, steht für "Asset Monitoring for Railway Applications". Gemeint ist ein cleveres System zur Zustandsüberwachung für den Schienengüterverkehr, das derzeit mit 300 Exemplaren erprobt wird. Vor allem Waggons der Schweizer Eisenbahn sind damit in Europa unterwegs. Mit der Großserienproduktion soll nächstes Jahr bei Bosch Automotive Electronics in Kusterdingen bei Reutlingen begonnen werden, sagte eine Bosch-Sprecherin.

Bernhard Bihr, Geschäftsführer der Bosch Engineering GmbH und Chef von 1660 Mitarbeitern, verspricht einen epochal anmutenden Wandel: "Mit unserem System wird ein Güterzug zum digitalisierten und intelligenten Transportmittel." Damit ließen sich Transporte schneller, effizienter und billiger ans Ziel bringen. Bihrs Entwickler haben das Monitoring-Modell bei den Kollegen für den Automobilbereich abgeguckt und ihren Zwecken angepasst. Das schwarze Kästchen ist bestückt mit Sensoren, die dem Disponenten einer Spedition jederzeit Auskunft geben über den Standort und Zustand seiner Fracht. An seinem Computer kann der Logistiker ablesen, welchen Belastungen oder Erschütterungen der Waggon ausgesetzt war, wobei möglicherweise die Fracht geschädigt wurde. Falls die Kühlkette unterbrochen worden ist, bleibt auch dieser Makel nicht unentdeckt.

Diese Hardware funktioniert mit einer integrierten Batterie, die bis zu sechs Jahre lang die notwendige Energie liefern soll. Ist die Fuhre am Ziel, werde automatisch ein "Ankunftsalarm" ausgelöst, erklärte Bihr. Die Technik könne an nagelneuen Waggons angebracht werden, sie eigne sich aber auch für die Nachrüstung der schienengebundenen Transportflotte.

Über die Kosten ist aus dem Unternehmen nichts zu erfahren. Bihr spricht nur vage von "guten Chacen". Bosch geht offenbar von einem lukrativen Geschäft mit Amra aus, werden doch allein in Deutschland auf dem 40 000 Kilometer langen Schienennetz rund 375 Millionen Tonnen Güter befördert. Auch die Bahnbetreiber haben ihren Nutzen von der digitalen Kontrolle, zeichnet sie doch die zurückgelegten Kilometer auf und erleichtert damit die Planung der Wartung.

Eine Variante von Amra, quasi ein Abfallprodukt, lässt sich auch auf dem Spargelacker einsetzen, wie erfolgreiche Versuche mit Prototypen auf zehn Feldern zeigten. Vom Sensor im Boden erfahren die Landwirte mittels Smartphone, wie es um die Witterung für ihre sensiblen Stangen bestellt ist. Das "königliche Gemüse" gedeiht am besten bei Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad. Die Abstatter Agrartechnik meldet, wenn die Spargeldämme mit Spezialfolie abgedeckt werden müssen.

Die ersten Erfahrungen lassen sich auch auf den Anbau anderer Nutzpflanzen übertragen. Bosch prüft derzeit die Marktchancen. Werden die Feldfrüchte auf dem Schienenweg zum Verbraucher geschafft, könnten sie von der Ernte bis zum Verkauf mit dem System aus Abstatt kontrolliert werden.

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24.11.2015, 08:30 Uhr | geändert: 24.11.2015, 06:01 Uhr

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