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Buchmarkt

Gunter Narr rettet Klöpfer

Der Tübinger Literaturverlag hat dank der Initiative einer Verlegerfamilie eine Zukunft.

20.02.2019

Von WILHELM TRIEBOLD

Gunter Narr (links) und Hubert Klöpfer. Foto: Annette Maria Rieger

Tübingen. Zwei Jahre hatte sich der Verleger Hubert Klöpfer Zeit gegeben, um nach dem 65. Geburtstag die Zukunft seines kleinen, feinen Literaturverlags zu regeln. Doch auch nach 20 mehr oder minder intensiven Gesprächen mit Investoren und Interessenten war er dem Ziel nicht entscheidend nähergekommen. Klöpfers verlegerisches Lebenswerk stand zur Disposition und die Autorenschaft schlug Alarm, indem sie im vergangenen Herbst ein „Tübinger Memorandum“ gegen das Verlagssterben im Allgemeinen und des beliebten Tübinger Kleinverlags im Besonderen unterzeichnete.

Der Buchmarkt ist seit längerem schon kein angenehmes Pflaster mehr. Gerade die kleineren Verlage tun sich immer schwerer, leiden unter rückläufigen Bestellungen oder, wie jetzt durch den Fall des insolventen Stuttgarter Grossisten Koch, Neff und Volckmar, sogar unter erheblichen, lebensbedrohlichen Einnahmeverlusten.

Im Roman oder im Film wäre jetzt der Auftritt des reitenden Boten fällig, des ritterlichen Retters. In Tübingen verkündete gestern ein Dreigestirn die frohe Botschaft: Der Wissenschaftsverleger Gunter Narr gründet gemeinsam mit seiner Frau Sonja und Sohn Robert einen neuen Verlag, die Klöpfer, Narr GmbH. Der bisherige Klöpfer & Meyer Verlag wird aufgelöst, Hubert Klöpfer bleibt der Neugründung zumindest die nächsten drei Jahre als programmgestaltender Mitgesellschafter erhalten, und die vielen Autorinnen und Autoren bleiben, so sie denn möchten, diesem Verlag treu.

Eine Entscheidung praktisch auf den letzten Drücker. Der 67-jährige Klöpfer kann froh sein über das Ergebnis. Die Verlegerfamilie Narr, seit einem halben Jahrhundert im Geschäft, ist nicht nur vom Fach, sondern vollzieht gerade beispielhaft einen Generationswechsel auch hin zu den veränderten Lesegewohnheiten, wie sie die neuen Medien mit sich bringen. Der Berliner Unternehmensberater Dieter Durchdewald, der die „Eheanbahnung“ (wie Klöpfer das nennt) zwischen beiden Verlagen begleitet hat, stellt dem digital-affinen Jungverleger Robert Narr jedenfalls ein äußerst positives Zeugnis aus.

Wilhelm Triebold

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Erstellt:
20. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 06:00 Uhr

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