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Baustellen und Bettzipfel

Gut 1200 Gäste strömten zum Bürgerempfang in die Stadthalle

Am 6. Januar wird in Reutlingen traditionell empfangen: 1200 Bürgerinnen und Bürger folgten gestern wieder der Einladung von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Die meisten reihten sich in die lange Schlange ein und holten sich einen persönlichen Neujahrsgruß ab.

07.01.2015
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Musikalisch exzellent umrahmt wurde der Bürgerempfang vom Bläserquintett der Württembergischen Philharmonie und dem Barockorchester. Mit der Ouvertüre aus der Rossini-Oper „Wilhelm Tell“ starteten die Bläser „mal langsam-nachdenklich, mal zupackend-furios“ in die Veranstaltung – und damit ganz im Sinne von Barbara Bosch, die sich eine solche Mischung auch für das neue Jahr wünscht.

Einen breiten Raum in der Neujahrsansprache der OB nahm das Flüchtlingsthema ein. Sie erwähnte die steigenden Flüchtlingszahlen ebenso wie die Pegida-Bewegung, die Ängste gegen alles Fremde mobilisiere. Von deren Anspruch „Wir sind das Volk“ grenzte sie sich scharf ab: „Das spricht nicht für uns und nicht für mich“, bekannte sie unter großem Beifall.

„Wir stehen vor einer großen humanitären Verantwortung, die wir nur gemeinsam schultern können“, forderte sie die Bürger auf, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Weil Wohnungen allein auf keinen Fall ausreichten, warb sie aber auch um Akzeptanz für die vorgesehene Anschlussunterbringung von Flüchtlingen im Gebäude der ehemaligen Ypernkaserne in Kooperation mit dem Landkreis.

„Eine Stadt ist nie fertig, es gibt immer Baustellen.“ Und es sei ja keineswegs so, dass Einigkeit darüber herrsche, wohin der Wege gehe. Als Beispiele nannte sie die anstehenden Haushaltsberatungen. Einerseits sei unstrittig, dass man Sparen müsse, andererseits habe sich eine Mehrheit des Gemeinderats bereits vorab auf Mehrausgaben in Millionenhöhe verständigt. Um die Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen werde man demnächst konkrete Standorte für neue Gewerbegebiete vorschlagen. Bosch sieht spannende Diskussionen voraus, denn jeder sehe die Notwendigkeit, „aber bitte nicht vor seiner eigenen Tür“.

Baustellen der Stadt, das sind aber auch die Häuserzeile in der Oberamteistraße für die Bosch endlich eine Entscheidung anmahnte und das K8. Auch für ihre Aussage: „Wir können nicht für den Ausbau innerstädtischer Einkaufsmöglichkeiten plädieren und deswegen ECE ablehnen und dann wie beim K8 Hürden aufbauen, die jeden Investor scheitern lassen“, gab es Beifall.

Natürlich streifte die OB auch das Thema Stadtkreis und riet zu mehr Gelassenheit. Abwarten, was die Prüfung ergebe und dann urteilen, war ihre Devise. Mit der Regionalstadtbahn sprach sie sodann noch ein Thema an, bei dem sich die Stadt „Seite an Seite mit Ihnen, Herr Landrat Reumann, für die gemeinsame Sache einsetzen“. Noch gebe es keinen Durchbruch, aber immerhin halte man nach mühevollem Ringen „einen Bettzipfel in der Hand“.

Bevor die Gäste im Foyer der Stadthalle bei einem Glas Wein und dem gespendeten Gebäck der Vollkornbäckerei Berger zum Neujahrs-Smalltalk übergingen, zeichnete Bosch wieder drei Bürger/innen aus, die auf eine besondere Weise eine Vorbildfunktion erfüllen: Sabine Dörr, Georg Jentz und Günter Jung.

Gut 1200 Gäste strömten zum Bürgerempfang in die Stadthalle
Höhepunkt des Bürgerempfangs ist alljährlich die Verleihung der Verdienstmedaille durch Oberbürgermeisterin Barbara Bosch: Gestern wurden Günter Jung, Sabine Dörr und Georg Jentz ausgezeichnet (von links). Bild: Haas

  • Die Unternehmerin Sabine Dörr erhielt die Verdienstmedaille, weil sie als geschäftsführende Gesellschafterin der Firma tisoware „wirtschaftliches Handeln mit einem beachtlichen sozialen und kulturellen Engagement“ verbindet. Tisoware hat besonders familienfreundliche flexible Arbeitszeitmodelle. Ferner ist Dörr Gründungsmitglied und 1. Vorsitzende des Vereins Frühchen.
  • >Ebenfalls mit einer Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde der Reutlinger Bauunternehmer Georg Jentz. Jentz musste mit seiner Familie 1944 im Alter von zehn Jahren seine donauschwäbische Heimat bei Belgrad verlassen. Er engagiert sich seit langem und mittlerweile in Form einer Stiftung für den Erhalt des kulturellen Erbes seiner Heimatortsgemeinschaft „Neu-Pasua“.
  • >Günter Jung erhielt die Verdienstmedaille für sein außerordentliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit. Der ehemalige Sozialrichter gründete 1992 mit anderen Ehrenamtlichen das erste Asylcafé – mittlerweile gibt es in Reutlingen drei davon. Unsere Zeitung hat ihm vor kurzem ein Porträt gewidmet.

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07.01.2015, 12:00 Uhr

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