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Kommentar · Fahrradkontrollen

Gut, dass wir darüber geredet haben!

Stellen Sie sich vor, Sie geraten mit dem Auto in eine Polizeikontrolle. Das Herz rutscht Ihnen in die Hose, während der Beamte mit einer Taschenlampe zum Fenster hinein leuchtet. „Haben Sie was getrunken?“ „Ja, ein bisschen, aber normalerweise fahre ich nur nüchtern.“ „Hier haben Sie ein Informationsblatt über die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr. Bitte lassen Sie sich jetzt hier von jemanden abholen.“ Dann fährt der Wachtmeister davon.

15.01.2015
  • Lorenzo Zimmer

Szenenwechsel.

Man muss nur in den Abendstunden 20 Minuten an der Tübinger Neckarbrücke verbringen, um zu erleben, wie zahllose Radler ohne jegliche Beleuchtung über rote Ampeln, Gehwege und durch die Fußgängerzone brausen. Die Stadt hat auf Vorwürfe aus der Bevölkerung (auch in Leserbriefen im TAGBLATT) reagiert und zu Beginn des Jahres eine Kontrolloffensive angekündigt. Mit Datum und Uhrzeit. Von härterem Durchgreifen und Verwarnungsgeldern war die Rede. Ein Bußgeldkatalog mit Strafen für Radeln ohne Licht, Überfahren von Rotlicht und Fahren auf dem Gehweg wurde veröffentlicht.

Dagegen war die tatsächliche Kontrolle am Mittwoch – nun ja: ernüchternd. Insgesamt sieben Kontrolleure (Beamte der Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsamtes) waren vor dem Clubhaus in der Wilhelmstraße im Einsatz, suchten das Gespräch mit den Verkehrssündern und verteilten Flyer. Ein eher sozialpädagogischer Ansatz also. Eingenommenes Verwarnungsgeld: 0 Euro.

Die zum Diskurs angehaltenen lichtscheuen Radler gehörten zum Stamme „Huch“. Ihre verbalen Ausweichmanöver reichten von „Ich habe eine Lampe, aber Sie ist leider grade im Rucksack.“ über „Meiner Lampe sind heute Mittag die Batterien ausgegangen.“ bis hin zu „Licht? Wieso denn Licht?“. Die auf derselben Straßenseite von hinten kommend an den Kontrolleuren vorbeirauschenden „Huch“-Radler waren sichtbar froh, dem pädagogischen Gespräch und einer (fälschlicherweise) befürchteten Strafe entgangen zu sein. Und die auf der anderen Straßenseite, auch ohne Licht, bekamen von alldem gar nichts mit. In ihnen hätten ebenfalls noch viele potenzielle „Huchs“ gesteckt. Vielleicht bekommen auch sie das nächste Mal einen Flyer.

Das könnte überhaupt ein probates Mittel sein, um der weit verbreiteten, aber irrigen Annahme zu begegnen, in Tübingen würde mit mindestens zweierlei Maß und immer zu Lasten der Autofahrer gemessen: Flyer für alle in den rund 7000 existierenden Sprachen unserer Welt. Etwa für jene TübingenBesucher, die mit roter Umweltplakette einfahren wollen und nicht wissen, wo sie die grüne herbekommen sollen. Oder als Übersichtskarte der wuchernden Standorte von Blitzern.


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