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Gut gerüstet auf den Gipfel
Ob im Schwarzwald oder wie hier in den Dolomiten: Wanderer sollten vorbereitet sein. Foto: Gorilla/Fotolia

Gut gerüstet auf den Gipfel

Der goldene Herbst lockt zum Wandern in die Berge. Und immer wieder gibt es Unfälle, die sich vermeiden lassen. Der Alpenverein gibt Tipps.

07.10.2016
  • PATRICK GUYTON

Ein 79-Jähriger, der am Wendelstein nach einem Sturz starb, ein 24-Jähriger, der auf der Brecherspitze 200 Meter in den Tod stürzte, ein 50-Jähriger, der im Wettersteingebirge erfroren gefunden wurde: Allein in den vergangenen zehn Tagen gab es in den Alpen drei Todesopfer zu beklagen. Die Bergwelt ist schön – und gefährlich. Doch wer sich gut vorbereitet, ist auf der sicheren Seite.

Gibt es immer mehr Unfälle und Todesfälle in den Alpen? „Unsere Statistik besagt teils das Gegenteil“, sagt Thomas Bucher, der Sprecher des DAV in München. „Das Risiko, in den Bergen tödlich zu verunglücken, sinkt seit mehr als 60 Jahren.“ Im Jahr 2015 gab es 42 Todesfälle unter den DAV-Mitgliedern. Die Zahl der Verletzten bleibt stabil und die der Notfälle, die Hilfe brauchen, steigt. Dass immer mehr Wanderer und Bergsportler in Not geraten und die Bergwacht alarmieren, liegt vor allem an der Verbreitung von Handys. Früher mussten sich die Menschen „alleine durchkämpfen“, jetzt können sie im Notfall telefonieren. Allerdings warnt der DAV davor, sich zu sehr aufs Handy zu verlassen, denn in den Bergen gibt es Funklöcher. Außerdem: Die Bergwacht sollte man nur in absoluten Notfällen anrufen.

Zwei Stunden wandern in den Bergen: Was muss mit? Ein kleiner Rucksack reicht. Wichtig sind Regenschutz und Wäsche zum Wechseln. Zudem ein Liter Wasser und ein Energieriegel, um bei Mattheit schnell zu Kräften zu kommen. Auch ein kleines Erste-Hilfe-Set und das Handy gehören ins Gepäck.

Wie plant man eine Tagestour? Die Tourenwahl und -planung sind wichtig. Sie sollten der Fitness angepasst sein. Es muss genug Zeit eingeplant werden. Der Rucksack sollte maximal 30 Liter fassen – „manche nehmen immer viel zu viel mit“, sagt Bucher. Rein gehören zwei Liter Flüssigkeit pro Person – am besten in einzelnen Flaschen wegen der Gewichtsverteilung, eine Brotzeit, Regenschutz und Wechselwäsche. Gerade im Herbst auch eine warme Jacke, Mütze und Handschuhe. Wichtig ist Funktionswäsche. Von Baumwolle rät der DAV ab, da sie sich mit Schweiß vollsaugt und lange nass bleibt. Neben Erste-Hilfe-Set und Handy wird eine Stirnlampe empfohlen, falls sich die Wanderung bis in die Dunkelheit zieht.

Welche Schuhe sind nötig? Wanderschuhe, die aber – je nach Tour – nicht unbedingt über den Knöchel reichen müssen. Ein hoher Schaft vermittelt manchen mehr Sicherheit, ein niedriger dagegen lässt den Füßen mehr Beweglichkeit. Wichtig ist ein gutes Profil, der Schuh darf nicht rutschen. Turnschuhe sind ein absolutes Tabu, da ungeeignet. Der DAV rät zu einer Beratung in einem guten Sportgeschäft. Buchner: „An den Schuhen sollte man nicht sparen.“

Was können Eltern tun, damit eine Wanderung zum gelungenen Familienausflug wird? Für Familien gilt: Der Gipfel sollte nicht das Ziel sein. Wenn es etwa auf breiten Wegen im Wald nur bergauf geht, verlieren Kinder schnell die Lust, quengeln und sind rasch ermattet („Ich kann nicht mehr“). Eltern sollten eine abwechslungsreiche Wanderung planen, etwa entlang eines Bachs mit gelegentlichen Highlights wie Spielplätzen oder Wasserfällen. Ein DAV-Tipp: Am besten mit anderen Familien gemeinsam wandern. Sind weitere Kinder dabei, ist für Unterhaltung gesorgt.

Sind Internet und Smartphone eine Hilfe für Wanderer? Bucher: „Auf keinen Fall sollte man im Internet nur eine Tourenbeschreibung lesen und sich darauf verlassen.“ Denn diese sind manchmal zu ambitioniert, veraltet oder auch falsch. Wichtig ist, sich bei zwei oder drei Quellen über dieselbe Wanderung zu informieren. Außerdem gehört eine Wanderkarte ins Gepäck. Man kann Tourbeschreibungen auch aufs Smartphone laden und sie auf der Wanderung offline anschauen.

Oft grasen Kühe, auch mit ihren Kälbern, frei auf den Weiden. Es ist schon zu tödlichen Attacken gekommen. Welche Gefahr geht davon aus? An einigen Startpunkten von Wanderungen gibt es Hinweistafeln zum Umgang mit Kühen. Generell sollte man ganz normal mit Abstand an Kühen vorbeigehen und einen „respektvollen Umgang“ pflegen, sagt der DAV-Sprecher. Dann sei es „völlig ungefährlich“. Schwierig wird es, wenn man einen Hund dabei hat. Er sollte an die Leine genommen werden, dann sollte man „einen Riesenbogen“ um die Kühe machen. Kommt es dennoch zu einer gefährlichen Situation, muss der Hund von der Leine gelassen werden. Dann konzentrieren sich die wütenden Kühe auf ihn und nicht auf den Menschen.

Was sind die häufigsten Fehler von Wanderern? „Man sollte sich nicht überschätzen und übernehmen“, rät Thomas Bucher. Gerade ungeübte Wanderer sollten die Schwierigkeit der Touren nur langsam steigern. Eine gute Planung und ein Blick auf die Wettervorhersage sind wichtig, gerade vor längeren Wanderungen. Probleme sind programmiert, wenn man etwa erst um zehn Uhr und bei „Wackelwetter“ eine Tagestour beginnt. Sobald man auf dem Weg Zweifel bekommt, ob die Planung aufgeht, sollte man lieber umdrehen.

Wo finde ich passende Touren, und sind die Hütten noch offen? Im deutschen Alpenraum laden viele Hütten auch im Oktober zum Besuch ein, in anderen Ländern sollte man sich erkundigen. Eine Liste mit taggenauen Öffnungszeiten sowie Tourenvorschläge gibt es unter www.alpenverein.de. Die europaweite Notrufnummer lautet 112.

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07.10.2016, 06:00 Uhr

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