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Nicht alle Busse fahren leer

Gut zehn Prozent mehr Fahrgäste in Mössingen

Die Busse, die seit 2009 durch ganz Mössingen rollen, haben immerhin einige Bürger/innen zum Einsteigen bewegt – um 10,8 Prozent stiegen die Fahrgastzahlen seither. Es dürfen schon noch etwas mehr sein, meinten die Räte.

27.06.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. OB Michael Bulander war mit der Entwicklung eigentlich ganz zufrieden, wie er am Montag im Gemeinderat sagte: Der neue Stadtverkehr, der ohne den Landkreis gar nicht ins Rollen gekommen wäre, habe auch die Infrastruktur erheblich verbessert. Nicht weniger als 24 neue Haltestelle wurden geschaffen. Die positiven Fahrgastzahlen zeigten, dass es „sehr gute Ansätze“ im öffentlichen Stadtverkehr gibt, vor allem auch einen einheitlichen Stadttarif, allerdings stecke der Busverkehr auch nach mehr als zwei Jahren „immer noch in den Kinderschuhen“.

Von einem zarten Pflänzchen, das es behutsam weiterzuentwickeln gelte, sprach Peter Wagner, Sachgebietsleiter ÖPNV im Landratsamt Tübingen. Nahverkehrsplaner Ulrich Grosse skizzierte die wichtigsten Ergebnisse der Fahrgastbilanz, die aufgrund von Zählungen der Fahrer zustande kam und nach eigenen selbstkritischen Worten zwar „sehr viel Licht“, aber auch „sehr viel Schatten“ zutage förderte (Vergleich jeweils zu 2009):

Von 2014 Fahrgästen pro Schultag schnellte die Zahl zunächst um 13,7 Prozent nach oben, ging zuletzt aber wieder leicht zurück – auf 2231 Fahrgäste.

Die Entwicklung verlief in den einzelnen Stadtteilen ganz unterschiedlich. In Talheim ging die Zahl der Fahrgäste trotz verbesserten Angebotes deutlich zurück – um 28 Prozent, von 301 auf 217 Fahrgäste. Die Ursache dafür sei „unklar“. Elmar Scherer (FWV) erklärte später, dass „wir Talheimer“ das Problem haben, dass viele Busse „das obere Zentrum der Stadt meiden“. In Öschingen hingegen nahm die Nachfrage um 18,1 Prozent zu.

4,4 Prozent weniger Fahrgäste verbuchte der Bus-Konzessionspartner RAB in Bad Sebastiansweiler, aber 4,4 Prozent mehr in der Kernstadt Mössingen.

In Bästenhardt schnellte die Zahl der Fahrgäste um 52,9 Prozent nach oben, in Belsen gar um 54 Prozent. Aber auch dort ist das Ergebnis jeweils differenziert zu betrachten, wie der Landkreis-Experte deutlich machte. Grosse: „Was in der Rosenstraße und den Weiherwiesen eingestiegen ist, ist allerdings relativ bescheiden“ – trotz des Stundentakts.

Die Schlattwiesen-Linie durchs Gewerbegebiet in Richtung Nehren erwies sich laut Grosse als „totaler Flop“. Bilanz: ein einziger Fahrgast im Schnitt pro Tag. „Es macht keinen Sinn, das aufrechtzuerhalten.“ Besser angenommen wurde dagegen die neue Haltestelle im Gewerbegebiet Riethäcker. Dort stiegen immerhin 13 Leute täglich ein und 24 aus. Die mit Abstand am stärksten genutzte Haltestelle ist die am Bahnhof: Fast jeder vierte Fahrgast im Stadtverkehr steigt dort ein oder aus, täglich über 900 Leute.

Und wie sieht es mit den Kosten aus? Der beschlossene Deckel von 100 000 Euro fürs verbesserte Angebot wurde sogar leicht unterschritten, der Landkreis garantiert 25 000 und rechnet laut ÖPNV-Chef Wagner nach „der roten Null“ nun eher mit einer schwarzen.

Eine ganz andere Rechnung machte CDU-Sprecher Andreas Gammel auf: 3,45 Euro gebe die Stadt pro Fahrt für jeden Fahrgast aus – er plädierte zwar nicht für Ausstieg, aber für „für unsere Bedürfnisse maßgeschneiderten Stadtverkehr“. Ohne Kooperation mit dem Kreis käme der aber teurer, hielt ihm der OB entgegen – Bulander: „Ich garantierte Ihnen, mit 95 000 Euro im Jahr können wir keinen zufriedenstellenden Stadtverkehr auf die Beine stellen.“ Peter Wagner errechnete, dass Mössingen mit jährlich 7,50 Euro pro Einwohner für den ÖPNV vergleichsweise günstig fährt – Tübingen gibt 36 Euro pro Kopf aus.

„Wer von Ihnen ist schon mal Bus gefahren?“, fragte Bulander in die Runde – und warb für ein positiveres Stadtbus-Image. Marc Eisold (FWV) hatte berichtet, dass die Leute ihn immer wieder auf „diese leeren Busse“ ansprächen. Peter Kölle wetterte heftig gegen „die alten Stinker“ in der Innenstadt.

Gut zehn Prozent mehr Fahrgäste in Mössingen
Oft sitzen nur wenige Leute in den Bussen, die sich tagsüber durch die Ortsdurchfahrt, die enge Falltorstraße winden. Doch der Schein trügt: Nach der jetzt im Gemeinderat vorgelegten Bilanz stieg die Zahl der Fahrgäste seit Einführung des neuen Mössinger Stadtverkehrs im Jahr 2009 um 10,8 Prozent.Archivbild: Bauer

Mit großer Mehrheit beschloss der Gemeinderat, die Schwachstellen im Stadtverkehr möglichst schon zum Fahrplanwechsel im Dezember zu beheben. Es sollen, vor allem am Wochenende, künftig auch Kleinbusse eingesetzt werden – in Abstimmung mit Kreis und RAB.
Dabei will man auch prüfen, die Talheimer Linie auf die Alb nach Salmendingen verkehren zu lassen. Eine „geniale Idee“, kommentierte Peter Looser (SPD). Er und andere Räte fragten sich „schon lange, warum wir den Albrand nicht bedienen – und damit auch den Schulverkehr“.
Im Herbst will die Verwaltung dem Gemeinderat „konkrete Maßnahmen“ präsentieren.

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27.06.2012, 12:00 Uhr

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