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Keine schnellen Antworten

Gutachter Burghof entlastet die Angeklagten Wiedeking und Härter

Die Verteidiger von Wendelin Wiedeking und Holger Härter dürften sich freuen: Der Ökonom Hans-Peter Burghof entlastet den angeklagten ehemaligen Porsche-Chef und den Ex-Finanzvorstand - zunächst.

06.11.2015
  • THOMAS VEITINGER

Stuttgart Wenn das mal kein Symbol ist: Als Hans-Peter Burghof hereingebeten wird, geht die Alarmanlage los. Um die Beteiligten im Gerichtssaal zu schützen, braucht es zum Öffnen der Nebentür einen Schlüssel. Den hat der Anwalt aber nicht, der den Stuttgarter Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen holen will und die Tür einfach öffnet.

Doch die Sirene ist gar nicht nötig, um alle Anwesenden wachzurütteln. Der von den Richtern beauftragte Fachmann hat eine entscheidende Frage zu beantworten: Haben die Angaben von Porsche Börsenkurse beeinflusst? Das wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Der Sportwagenbauer soll 2008 massiv Aktienkurse manipuliert haben, um Volkswagen übernehmen zu können. Die Übernahmeabsicht wurde laut Staatsanwaltschaft zu spät und unvollständig kommuniziert.

Wer nun von Burghof eine schnelle klare Antwort erwartet, wird enttäuscht. In seinen Erläuterungen - die heute weiter gehen - stellt er zunächst ausführlich sein methodische Analyse vor. Der Ökonom projiziert Formeln an die Wand, bemüht die Chaostheorie und greift auf Medizin-Vergleiche zurück. "Kapitalmärkte sind komplex und lassen sich nicht mit eindimensionaler Wahrheit nachvollziehen", sagt der 51-Jährige. "Ich habe mich nicht in interne Prozesse eingelesen, wer was wann gemacht hat. Die Motivation war mir egal. Wichtig ist nur, was Kapitalmarktteilnehmer gedacht haben könnten, als sie Nachrichten von und über Porsche gelesen haben."

Fünf Kriterien legt Burghof den Mitteilungen von Porsche, Presseartikeln und Aussagen von Wiedeking und Härter zugrunde: Sind diese neu, überraschend, groß, glaubwürdig und eindeutig, um die Marktteilnehmer zu beeinflussen? Dazu kommen Vergleiche der unmittelbaren Reaktionen der Aktie nach Bekanntgabe etwa der Meldung am 10. März 2008 um 11.24 Uhr, in der es unter anderem heißt: "Die Porsche Automobil Holding SE, Stuttgart, weist Medienberichte zurück, wonach das Unternehmen beabsichtige, seinen VW-Anteil auf 75 Prozent aufzustocken."

Diese Aussage sei neu gewesen, aber nicht überraschend, da der Sachverhalt schon vorher bekannt war, bewertet Burghof. Groß, also wichtig, war die Meldung in jedem Fall. Die Glaubwürdigkeit stehe in Frage, denn bevor ein Unternehmen nicht rechtlich gezwungen sei, sich festzulegen, werde es dies auch nicht tun: "Ein Bekenntnis zur Übernahme treibt den Preis."

Die Eindeutigkeit dieser Meldung ist für Burghof nicht gegeben. Der Text lasse die Hintertür offen, dass eine Aufstockung derzeit nur deshalb nicht erfolge, weil die Hürden so groß seien. Später aber sei dies durchaus möglich. Die Kursschwankungen der Aktie nach Bekanntgabe der Nachricht seien zwar höher gewesen als sonst, es sei kräftiger gehandelt worden. Aber einen "signifikanten Effekt" macht er nicht aus. Sprich: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stimmen nicht.

So geht der Ökonom Meldung für Meldung durch. Immer versieht er seine Einschätzung mit Fragezeichen. Als die Hannoversche Allgemeine Zeitung erstmals über die Absicht eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags von Porsche gegenüber VW schreibt und dazu keine eindeutige Quelle nennt, glaubt er dem Journalisten mehr als dem Porsche-Sprecher, der dies dementiert und alte Aussagen wiederholt.

Nach mehreren Stunden bleibt nur wenig von dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft übrig, die Aktienkurse seien von Porsche verändert worden. Weitere Fälle und Burghofs Resümee stehen aber noch aus.

Gutachter Burghof entlastet die Angeklagten Wiedeking und Härter
Gestern als Gutachter im Gerichtssaal: Hans-Peter Burghof, Banken- und Finanzmarktprofessor der Uni Stuttgart-Hohenheim. Foto: dpa

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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