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"Gott würfelt vielleicht doch ein bisschen"

Gutachter im Porsche-Prozess: Viele Gründe für den Anstieg der VW-Aktie auf 1000 Euro

Unter Anlegern gilt der Oktober 2008 als legendär: Das VW-Papier stieg innerhalb von zwei Tagen von 200 auf 1000 Euro. Auslöser könnte eine Porsche-Mitteilung gewesen sein. Doch ein Gutachter bezweifelt dies.

07.11.2015
  • THOMAS VEITINGER

Stuttgart Natürlich fühlen sich auch Wissenschaftler ab und an unwohl. Professor Hans-Peter Burghof etwa, wenn er etwas bewerten soll, für das es keine eindeutige Faktenlage gibt. Das Verhalten des Aktienmarktes nach dem 26. Oktober 2008 etwa. An diesem Tag veröffentlicht Porsche eine Mitteilung, in welcher der Autobauer "aufgrund der dramatischen Verwerfungen auf den Finanzmärkten" einen Beherrschungsvertrag über Volkswagen ankündigt. Sprich: VW übernehmen will, wenn "die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen". Das tun sie aber nicht: Porsche geht das Geld aus und wird seinerseits von VW geschluckt.

War diese Mitteilung mehr als eine reine Pflichtverlautbarung und auch dazu gedacht, den Aktienmarkt zu manipulieren, damit der Preis für die Papiere stabil bleibt oder hochgeht? Eine Marktmanipulation wird dem ehemaligen Porsche-Chef, Wendelin Wiedeking, und Holger Härter, dem ehemaligen Finanzvorstand von der Staatsanwaltschaft zumindest vorgeworfen. Wenn dem so wäre, drohen ihnen hohe Geldstrafen oder Haft.

Zumindest von Letzterem ist wohl nicht mehr auszugehen. Bereits gestern (wir berichteten) hatte Burghof in seiner Untersuchung von Porsche-Verlautbarungen keine signifikante Einwirkung auf den Börsenkurs feststellen können. Die Entwicklung war gar nicht nachzuweisen oder uneinheitlich.

Nach der Mittelung zum Beherrschungsvertrag vom 26. Oktober 2008 scheint es allerdings eine eindeutige Reaktion zu geben: Die VW-Aktie schießt zwei Tage später auf 1005 EUR und fällt dann ab. Doch auch dies ist für den Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim kein Beweis. "Märkte entwickeln sich nicht durch planvolles Steuern, sondern chaotisch." In der damaligen Wirtschaftskrise gab es eine Vielzahl von Faktoren, die Pressemitteilung "ist in der "Panikphase einer Blase gekommen". Bereits in den Tagen zuvor schwankt der Kurs gewaltig. Am 17. Oktober etwa bricht das Papier möglicherweise wegen negativer Prognosen und Gerüchte ein. Wenn von theoretisch 1000 Aktienbesitzern 4 beginnen zu verkaufen, könne dies andere animieren und den Kurs beeinflussen. "Da würfelt Gott vielleicht doch ein bisschen", sagt Burghof in Anlehnung an ein Zitat von Albert Einstein, der genau das verneint hatte.

Auch der Inhalt der Mitteilung ist nicht unbedingt auf eine Beeinflussung ausgerichtet, argumentiert der Professor. "Es gibt ein klares Beeinflussungspotenzial. Vorstände, die sich so weit aus dem Fenster lehnen, meinen es ernst. Wenn es dann nicht funktioniert, müssen sie im Allgemeinen ihren Hut nehmen." Die Mitteilung sei eine "Art des Nibelungenschwurs".

Gleichzeitig werde Marktteilnehmern nahegelegt, sich VW-Aktien zu beschaffen, um so genannte Leerverkäufe zu bedienen. "Nach so einer Aussage ist nicht unbedingt zu erwarten, dass Porsche am nächsten Tag wie wild VW-Aktien kauft." Auch das VW-Gesetz, das Niedersachsen einen 20-prozentigen Anteil an VW zusichert, spielt eine Rolle. Burghofs Resümee: Ja, die Mitteilung kann den Kurs beeinflussen. Unklar ist aber die Richtung. Wissenschaftliche Modelle ließen sich nicht Kursen zuordnen, "das verursacht Bauchschmerzen bei mir".

Gutachter im Porsche-Prozess: Viele Gründe für den Anstieg der VW-Aktie auf 1000 Euro
Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (rechts) mit seinem Anwalt Walther Graf im Stuttgarter Landgericht. Foto: dpa

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07.11.2015, 12:00 Uhr

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