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Kein Faustschlag?

Gutachter widerspricht Entlastungszeugen

In dem Prozess bei dem sich Vater und Sohn wegen gemeinschaftlich versuchten Totschlags verantworten müssen, widerspricht der Gutachter der Version von Angehörigen der Angeklagten. Die behaupten, die Verletzung des Opfers rühre von einem Faustschlag her. Wahrscheinlicher sei aber ein Schlagstock.

25.11.2014
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Dettingen/Tübingen. „Hatte Ihr Bruder was in der Hand, als er zuschlug?“, fragte Richter Ralph Peters am Dienstag den 22-jährigen Zeugen. „Nein, auf keinen Fall“, kam die Antwort sofort. Auch seine drei Geschwister hatten behauptet, der Bruder habe mit der bloßen Faust den Schlag versetzt. Der Sachverständige in dem Verfahren, Dr. Dietmar Benz, verwies jedoch auf die schwere Schädelfraktur im „Schläfen-Scheitel-Bereich oberhalb der Hutkrempe“. Solch eine Verletzung auf der linken Seite des Kopfes könne durch einen Sturz kaum entstehen, die Schulter hätte einiges abgefangen.

Doch was war geschehen, an diesem 26. April 2013? Ein Bekannter sei zu dem Haus der Familie in Dettingen gekommen, es habe Streit gegeben, dabei ging es wohl um Geld und um einen ramponierten Ruf. Die 23-jährige Tochter des angeklagten Vaters schilderte den Vorgang folgendermaßen: Sie sei im ersten Stock gewesen, habe vor dem Haus Radau gehört, sei zusammen mit zwei ihrer Brüder hinunter geeilt, wo sie ihren Vater zwischen Tür und Angel liegend gefunden hätten. Offensichtlich habe der Bekannte den Vater geschlagen. Plötzlich sei der älteste Sohn aufgetaucht, „er ging auf den Mann zu und verpasste ihm eine“. In der Anklage stand allerdings, dass der Vater beim Streit mit dem späteren Opfer zu seinem ältesten Sohn gesagt haben soll: „Bring mir eine Pistole, ich erschieße den.“ Statt mit einer Pistole sei der Sohn aber mit einem Stock, Baseballschläger oder ähnlichem zurückgekommen und habe den Bekannten niedergeschlagen. Die Folge: Eine schwere Schädelverletzung, die fast zum Tod geführt hätte.

Der Gutachter betonte weiter: Dass das Opfer einen Schlag gegen den Kiefer bekommen haben soll und sich danach erst beim Aufprall die Kopfverletzung zuzog, sei unwahrscheinlich. Denn: Wenn der Mann einen derart harten Faustschlag erhalten hätte, dann wären tagelange Schmerzen im Kieferbereich die Folge gewesen. Und wenn der Verletzte, wie die Familienmitglieder aussagten, nach dem Schlag „wie ein nasser Sack umgefallen“ und auf den Boden geknallt wäre – dann hätten am Kopf „Asphaltmusterstrukturen“ erkennbar sein müssen, so Benz. Auch davon habe er bei der Untersuchung nichts erkennen können. Alles deute somit auf einen Schlag mit einem Stock, Knüppel oder Baseballschläger hin. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.

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25.11.2014, 12:00 Uhr

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