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Deftiges zum Auftakt

Gutenachtgeschichte startete in ihre Rottenburger Etappe

Trotz verunsichernder Wolken am Himmel kamen gestern gut 150 Zuhörer zum ersten Rottenburger Abstecher der „Gutenachtgeschichte unterwegs“ in den Hof bei der Spitalkelter. Sie verlebten, auch dank der bewirtenden Narrenzunft, dort einen trockenen und heiteren Sommerabend.

24.08.2010
  • WILLIBALD RUSCHEINSKI

Rottenburg. „Der Vorleseabend ist etwas anderes als Fernsehen und Kino“, beschwor Ulrich Janßen von der TAGBLATT-Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, der durch den Abend führte, zur Einstimmung die Macht der Imagination: „Sie müssen sich die Helden selbst in Ihrem Kopf vorstellen.“

Zumindest, was das Szenenbild anging, dürfte das dem Publikum beim ersten Beitrag nicht schwer gefallen sein: Grit Kögler las aus „Die Herrin der Burg“ von Ulrike Schweikert, einem Mittelalter-Roman, der zur Zeit des post-staufischen Interregnums vor 750 Jahren spielt, als auch am oberen Neckar Fehden und Händel das politische Vakuum füllten.

Aber Schweikert beschreibt eher desillusioniert nicht nur den Niedergang der ritterlichen Werte. Zwischen Waffengeklirr und Nachtgeschirr zeichnet sie auch ein ziemlich räßes und bisweilen ausgesucht deftiges Bild der Epoche. Eines, das mit Kebsweibern genau so zahlreich bevölkert ist wie mit Edelfräulein und in dem sich männliche Hände immer wieder auf stets zarte Brüste und stets weiche Hinterbacken verirren.

Der Zuhörerschaft im Spitalhof mundete solch historisch unterfütterte Drastik; aber noch viel mehr Spaß hatte sie an dem, was Ulrike Eggenweiler für die Lese-Strecke nach der Pause mitgebracht hatte. Zuvor allerdings beantwortete die Erznärrin des Moderatoren Frage, was sie denn von der Fastnacht im benachbarten Tübingen halte, mit einer Gegenfrage: „Soll ich es ehrlich sagen, oder soll ich Ihnen nach dem Mund reden?“

Dann ließ sie den Mundart-Humoristen Bernd Merkle sprechen und trug seine Schmunzel-Story „Vom Golfa“ vor, in die sie irgendwie sogar noch ein Viertel Rottenburger Ehalder einschmuggelte. Und in der aus schwäbischer Froschperspektive der Snob-Appeal des vermeintlichen Edel-Sports nach Kräften demontiert wird. Manche lachten Tränen.

Schwäbische Lieder konnte das Auditorium mit Erika Piscart singen, auch die schunkelselige „Fasnetsliebe“, während sich die Akkordeonistin den Narrenmarsch erklärtermaßen verkniff, um die Gastgeber nicht in die Bredouille zu bringen – schließlich hat der außerhalb der fünften Jahreszeit Aufführungsverbot. Auch bei einer anderen Tradition blieb es, diesmal einer der Rottenburger Gutenachtgeschichten selbst: In der Pause wanderten Hüte durch die Reihen, und hinterher fanden sich in ihnen exakt 189,82 Euro. Sie helfen nun den Umbau des Zunfthauses mitfinanzieren.

Gutenachtgeschichte startete in ihre Rottenburger Etappe
Mittelalterliches im Lampenschein: Die Geschichte eines Burgfräuleins vom Oberen Neckar, das vom eigenen Vater an den mächtigeren Hohenzollern-Hof verkuppelt wird, erzählt Ulrike Schweikerts Roman „Die Herrin der Burg“, aus dem Grit Kögler (Bild) zum Auftakt las.Bild: Franke

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24.08.2010, 12:00 Uhr

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