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Regie führen ist wie ein großes Spiel

Gwendolyn Kurz inszeniert ihre letzten Stücke für die Musikschule / Premiere am Samstag

Die gebürtige Berlinerin Gwendolyn Kurz ist seit 13 Jahren mitverantwortlich für viele erfolgreiche Musiktheaterproduktionen von und für Kinder und Jugendliche in Rottenburg. Im kommenden Sommer kehrt sie Rottenburg den Rücken, davor inszeniert sie noch „Das Wirtshaus im Spessart“.

16.07.2014
  • Werner Bauknecht

Rottenburg. „Peter Pan“ heißen sie, oder „Nacht der Tiere“, und, ganz aktuell, „Das Wirtshaus im Spessart“, dessen Aufführung noch bevor steht. Vom 19. bis 22. Juli 2014 wird es in der Zehntscheuer gespielt. Gemeinsam ist den ersten beiden Kindermusicals, dass sie von Gwendolyn Kurz stammen, wobei die Musik dazu größtenteils von Schulleiter Karlheinz Heiss komponiert wurde.

Dabei wollte die heute 42-jährige Kurz ursprünglich Schauspielerin werden, besuchte deshalb drei Jahre lang die Berliner Schule für Bühnenkunst. „Schon in der Schule habe ich Theater geliebt und in Schulaufführungen mitgemacht“, erinnert sie sich. Doch dann gab es einen Kurswechsel bei ihr – sie wollte sich aufs Singen, auf die Musik konzentrieren.

Der Liebe wegen war sie in Zürich gelandet, und absolvierte an der dortigen Musikhochschule ein Rhythmikstudium. „Als ich den Studiengang sah, dachte ich, die haben das für mich erfunden“, sagt sie, „das waren alles Sachen, die mich interessierten.“ Bei dieser Ausbildung nähere man sich den Themen über Tanz, Musik und Theater an, jede Kunstform komme zu ihrem Recht.

Vier Jahre dauerte das Studium, dann war die Schweizer Zeit vorbei. Das Problem war, dass sie keine Arbeitserlaubnis im Nachbarstaat erhielt. Durch familiäre Verbindungen ihres damaligen Freundes verschlug es sie 2001 in die hiesige Region. „Zum Glück“, sagt sie heute lachend, „ich habe das als Zeichen gesehen.“ Denn nach dem ersten Wochenende im Kreis Tübingen, hatte sie bereits zwei Stellenzusagen als Musikpädagogin und eine eigene Wohnung. „Und ein Jahr später habe ich auch noch meinen heutigen Mann hier kennengelernt.“

Zu Beginn noch zweigleisig

Zu Beginn fuhr sie noch zweigleisig: Sie arbeitete im Tübinger Jamclub und in der Rottenburger Musikschule. Den Jamclub gab sie 2005 nach der Geburt ihrer ersten Tochter auf.

Die Unterstützung durch Karlheinz Heiss beim Aufbau einer Kindermusicalgruppe war selbstverständlich hilfreich für den Start, der zunächst zäh verlief. „Zu Beginn hatten wir sieben Kinder, heute sind es bis zu fünfzig.“ Da sie, wie sie sagt, „der Regietyp“ ist, und sich von den Vorlagen immer sehr weit entfernt, schrieb sie ihre Stücke einfach selbst. Heiss lieferte größtenteils die Musik dazu. Sechs Stücke sind es bislang, zwei sind sogar bei Verlagen gelandet.

Als sich immer mehr Kinder anmeldeten, kam noch eine Kollegin hinzu, Christina Klenz. Inzwischen üben beide die Musicals gemeinsam ein – getrennt in zwei Gruppen, parallel. „Die Ergebnisse sind da immer unterschiedlich“, erzählt Gwendolyn Kurz, für die die Proben „etwas Magisches“ haben: „Besonders, wenn die Kinder eigene Ideen einbringen und dann loslegen mit ihrer unglaublichen Energie.“

Für die Regisseurin fühlt es sich dann regelmäßig „wie ein großes Spiel“ an. Die Eltern seien bei den Aufführen völlig eingebunden, vom Kulissenschieben bis zum Einsätze geben, berichtet sie. Oft gehe bei Aufführungen etwas schief, was die Zuschauer jedoch gar nicht merken würden. „Mal musste sich ein Kind übergeben; ein anderes Kind spielte trotz Krankheit weiter; ein drittes verletzt sich am Tag vor der Premiere.“ Da ist es schon passiert, dass Gwendolyn Kurz persönlich eine Rolle übernimmt. Sie bewundert jedenfalls, wie zäh Kinder seien, wenn ihnen etwas wichtig ist.

Manchmal, so erzählt sie, würden ihr Menschen auf der Straße begegnen, die früher mal in ihrer Gruppe waren. „Dann legen die einfach los singen ein paar Takte und sagen: „Das war ich damals.“

Künftig möchte Gwendolyn Kurz jedoch beruflich kürzertreten, vor allem wegen der Kinder. 2007 gebar sie eine zweite Tochter. Das Stücke schreiben und Regie führen blockiere alleine schon drei Sommermonate. „Zu viel für die Familie“, wie sie findet. Zumal ihr Mann, ein Anwalt, nicht mehr in die Bresche springen können. Und zu den Musicals komme noch der Gesangs-, Musik- und Bewegungsunterricht. Ihr Abschiedsgruß an die Musikschule wird die Aufführung der „Zauberflöte“ im Sommer 2015 sein, „ein Herzenswunsch von mir“. Wenn alles klappe, werde ihr Ehemann, der auch Geige spielt, eine Rolle übernehmen. Die ältere Tochter ist ohnedies bereits Mitglied der Musikschule. Die Musicalabteilung, deren Leiterin Kurz ja ist, wird dann von zwei Kolleginnen übernommen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die 42-Jährige musikalisch nichts mehr macht. Seit vielen Jahren leitet sie einen Erwachsenenchor mit 40 Sänger(inne)n in Tübingen. Und nach ihrem Ausscheiden aus der Musikschule will sie in Rottenburg einen weiteren gründen, „mit absolut gemischtem Repertoire, Pop, Gospel, Chanson, Jazz – einfach alles. Wer Lust hat, kann sich jetzt schon bei mir melden.“

Gwendolyn Kurz inszeniert ihre letzten Stücke für die Musikschule / Premiere am Samstag
Gwendolyn Kurz Bild: Eisele

Die Musikschule führt vom 19. bis 22. Juli in der Zehntscheuer „Das Wirtshaus im Spessart“ auf, ein Kindermusical von Gwendolyn Kurz nach einem Märchen von Wilhelm Hauff mit Musik von Karlheinz Heiss und Bettina Gajewski. Premiere für die erste Gruppe ist am kommenden Samstag, 19. Juli, um 18 Uhr in der Zehntscheuer. Weitere Aufführungen speziell für die Schulen folgen am Montag, 21. Juli, 8.45 Uhr und Dienstag, 22. Juli, um 10.45 Uhr Die Gruppe zwei hat am Sonntag, 20. Juli, um 18 Uhr Premiere.
Schulaufführung sind am Montag, 21. Juli, um 10.45 Uhr sowie Dienstag, 22. Juli, um 8.45 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es beim Sekretariat der Musikschule, Telefon 07472 / 98 33 55.

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16.07.2014, 12:00 Uhr

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