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Zu viele Kunden fahren an Rottenburg vorbei

HGV drängt auf Einkaufszentrum im DHL-Gelände

Die Fluktuation im Rottenburger Einzelhandel und das geplante Einkaufszentrum auf dem DHL-Gelände beschäftigten am Dienstag Oberbürgermeister Stephan Neher im Regionalverband sowie den Handels- und Gewerbeverein (HGV) vor Ort.

28.11.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Für Jochen Friedrich vom Vorstand des HGV ist die Geschäftsaufgabe der Parfümerie Gradmann „in 1a-Lage“ ein Alarmzeichen. „Das heißt für mich“, kommentierte er unseren gestrigen Bericht, „dass nicht genügend Kunden kommen und das Geschäft deshalb nicht genügend Umsatz macht“. Friedrich zitierte den Geschäftsführer des Konstanzer Familien-Filialunternehmens Sebastian Raetz: „Rottenburg scheint für Kunden als Einzelhandelsstandort nicht mehr attraktiv genug zu sein.“

Deshalb, so Friedrich, sei es „höchste Zeit, dass sich auf dem DHL-Gelände etwas tut“. Er meinte das in Planung befindliche Einkaufszentrum. Weiter: „Es gibt immer noch Tausende von Kunden, die an Rottenburg vorbei fahren“. Fänden sie attraktive Einkaufsmöglichkeiten auf dem DHL-Gelände, müssten sie nicht Kilometer zusätzlich abspulen, sondern würden zumindest teilweise ihre Erledigungen in der Rottenburger Innenstadt komplettieren.

Beim DHL-Gelände besteht immer noch Planungsunsicherheit, weil die übergeordneten Gremien vom Regionalverband bis zur Landesregierung neue, die Ansiedlung von Geschäften außerhalb der Innenstädte einschränkende Planungsgrundsätze beschließen wollen. Zwar gibt es Zusagen, Rottenburg könne auf bisheriges Recht bauen, doch die sind für Investoren nicht verlässlich genug, um fünf- oder gar sechsstellige Beträge in die Projektentwicklung zu investieren. Das Risiko, dass dann doch ein anderer Beschluss folgt, ist zu groß. Umso mehr stört es den HGV-Vorstand, dass der Regionalverband das für die gestrige Sitzung angesetzte Thema „Festschreibungen zum Einzelhandel“ von der Tagesordnung nahm. Grund: Die vergleichende Übersicht aller 221 eingegangenen Stellungnahmen ist nicht fertig.

Für Oberbürgermeister Stephan Neher bedeutet dies jedoch kein neues Hinauszögern des DHL-Projekts. „Unser Verfahren läuft ganz normal weiter“, sagte er nach Rückkehr von der Regionalverbandsversammlung. Er meinte das Raumordnungsverfahren, das die Stadt am Freitag beim Regierungspräsidium eingereicht hat. Eingearbeitet sind die neuen Maßgaben: keine Lebensmittel und keine Schuhe im neuen Einkaufszentrum.

Weil die Nachbar-Kommunen schon angehört und die Umweltverträglichkeit geprüft seien, könne das Raumordnungsverfahren bis Frühjahr fertig sein. Dies umso mehr, als die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) bestätigt habe, dass das Einkaufszentrum nur den Verflechtungsbereich Rottenburg abdecke und sich nicht auf benachbarte Metropolen auswirke.

Zur Einkaufssituation im engen Altstadtkreis appelliert Jochen Friedrich an Geschäftsleute und Vermieter, die Marktkenntnis von HGV sowie noch mehr der Wirtschaftsförderungs- und Tourismus GmbH (WTG) zu nutzen. „Der Herr Bormann ist eigentlich immer auf dem Laufenden und kann oft auch auf Interessenten in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung verweisen.“

Hätte sich etwa Jasminka Cantanna erkundigt, die ihr Geschäft für Haarkosmetik nach einem Jahr wieder aufgibt, hätte sie eine schlechte Prognose erhalten. In einer Kleinstadt neben Drogerien und reichlich Frisören dieses Spezialsortiment anzubieten, sei sehr mutig gewesen.

Umgekehrt hätte WTG-Geschäftsführer Klaus Bormann dem Eigentümer Mieter empfohlen, die mehr Aussicht auf ein dauerhaftes Mietverhältnis geboten und den Branchenmix gestärkt hätten. Bormann: „Wir können nicht immer das Problem lösen, aber wir können unterstützen.“ Ganz wichtig sei die Kenntnis der Inhaber- und Mietersituation, und da hätten HGV und WTG einen Kenntnisvorsprung. Friedrich sieht sich mit Bormann einig, dass nicht nur Stadt, HGV und WTG, „sondern auch jeder Vermieter Mitverantwortung für die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt trägt“.

Übrigens schrieben wir gestern über die Königstraße als „erster Adresse für Hörgeschädigte“, weil dort jetzt drei Geschäfte mit Hörgeräteakustikermeister existieren. Nicht genug: Seit einem Jahr ist auch bei „Optik Schäfer“ am Marktplatz 19 ein Mann mit dieser Ausbildung tätig: Eberhard Nill. Somit sind sogar vier Fachgeschäfte dieses Metiers auf einer Strecke von 300 Metern tätig.

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28.11.2012, 12:00 Uhr

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