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Umfrage zweier Geschichtsinitiativen: Vergangenheitspolitik als Wahlprüfstein

Haering-Haus mit Zukunft

Die Geschichtswerkstatt und der Arbeitskreis moderne Tübinger Stadtgeschichte fragten bei den sieben Wahllisten zur Vergangenheitspolitik.

04.06.2009
  • Hans-Joachim Lang

<strong>Tübingen.</strong> Wie halten es die Bewerber für den Tübinger Gemeinderat mit der Zukunft des Theodor-Haering-Hauses? Wie stehen sie zu einem Geschichtspfad „Nationalsozialismus in Tübingen“? Würden sie eine stadthistorische Ausstellung zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach 1945 befürworten?

Nach Mitteilung von Martin Ulmer (Geschichtswerkstatt) und Hans-Otto Binder (Arbeitskreis) kamen von vier der sieben Tübinger Listen Antworten auf ihre Wahlumfrage zu geschichtspolitischen Themen. Prinzipiell begrüßen AL/Grüne, SPD, WUT und TüLL das Anliegen, sich in geeigneten didaktischen Formen mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. CDU, UFW und FDP gaben keine Stellung ab.

Die historische Dauerausstellung im Tübinger Stadtmuseum geht nur noch fragmentarisch auf die Zeit nach 1945 ein. Darum ist den beiden Geschichtsinitiativen an einer Fortführung auf verschiedenen Ebenen gelegen. Am wenigsten verfängt offenbar die Anregung, der großen Ausstellung von vor 17 Jahren eine weitere folgen zu lassen, nun mit dem Schwerpunkt Nachkriegszeit.

Mehr Resonanz gab es auf den Vorschlag des Wahlprüfsteins, im Theodor-Haering-Haus (dessen Name beibehalten werden solle) ein Museum sowie ein Lern- und Dokumentationszentrum einzurichten. AL/Grüne kündigen an, sich dafür aktiv im Gemeinderat einzusetzen. Den Stiftungszweck des Hauses sieht die Liste erst dann als erfüllt an, wenn davon künftig auch Aktivitäten gegen aktuelle faschistische Umtriebe ausgehen. Weil Engpässe bei der Finanzierung vorausgesehen werden, wolle man darauf drängen, zusätzliche Möglichkeiten der Förderung einzubeziehen. Hier sieht man insbesondere auch die Universität in der Pflicht.

Die SPD findet die Idee eines Dokumentationszentrums „bestechend“, hat aber erhebliche finanzielle Vorbehalte: Da das Haering-Haus derzeit als Depot fürs Stadtmuseum dient, müsste dafür zunächst eine Alternative gefunden und finanziert werden, obendrein müsste geprüft werden, ob die neue Nutzung finanzierbar ist. Die TüLL stellt sich vorbehaltlos hinter den Vorschlag der Geschichtswerkstatt zur Zukunft des Haering-Hauses, der auch einbezieht, der Person und dem öffentlichen Wirken Theodor Haerings einen angemessenen Platz einzuräumen.

Für die WUT antworteten beide Spitzenkandidaten, Ulrike Heitkamp und Ernst Gumrich, getrennt. Letzterer bekundet persönlich „hohen Respekt“ vor der geschichtspolitischen Arbeit, lehnt es aber aus prinzipiellen Überlegungen ab, dass seine Wählergruppe „in toto“ zu „persönlichen Fragen“ Stellung nimmt. Ute Heitkamp, in der Kommission des Erinnerns engagiert, sieht das nicht gar so eng. Sie zieht wechselnde Ausstellungen einem Dokumentationszentrum vor, weil immer wieder, neuen Erkenntnissen entsprechend, neu akzentuiert werden könnte.

Für einen Geschichtspfad wünscht sie die Zusammenarbeit mit den Schulen. Geschichtswerkstatt und Arbeitskreis präzisierten in ihrem Wahlprüfstein, dass sie damit Informationsstelen meinen, die zwischen Synagogenplatz und Haering-Haus aufgestellt werden sollten. Uneingeschränkte Zustimmung signalisieren die SPD und die TüLL. Aus den Reihen von AL/Grüne wird betont, dass Organisation und Realisierung eines solchen Projekts „Aufgabe des Kulturamts der Stadt Tübingen“ sei.

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04.06.2009, 12:00 Uhr

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