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Platz an der Sonne gefährdet

Häuslesbauer protestieren gegen ein hohes Mehrfamilienhaus in Kreuzerfeld-Süd

Jahrelang hatten sechs Familien in Kreuzerfeld-Süd einen Platz an der Sonne. Der geht nun verloren, fürchten sie, wenn ein großes Mehrfamilienhaus an der Südseite ihrer Häuser gebaut wird. Klassischer Fall – oder klassischer Fall von Fehlplanung?

15.01.2015
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Schon 2001, als der Bebauungsplan für Kreuzerfeld-Süd aufgestellt wurde, äußerten Anwohner des älteren Teils die Befürchtung, größere Bauten könnten kleineren die Sonne nehmen. Je 40 Prozent Ein- und Zweifamilien- sowie 20 Prozent Mehrfamilienhäuser, lautete damals die Gemeinderats-Vorgabe; höhere Gebäude sollten an Erschließungsachsen stehen, zu den niedrigeren sollte es einen „verträglichen Übergang“ geben.

Häuslesbauer protestieren gegen ein hohes Mehrfamilienhaus in Kreuzerfeld-Süd
Neues Bauprojekt im Kreuzerfeld: Die Nachbarn Axel Keller, Andreas Fiedler, Sabine Schiller, Michaela Reismann und Nicole Müller-Streib (von links) sind von dessen Dimensionen nicht besonders angetan. Im Hintergrund ihre kleinen Häuser, der Standpunkt des Fotografen liegt im Süden. Bild: Eisele

„Wir haben wohl in den Bebauungsplan geschaut“, sagt Andreas Fiedler, Sprecher der sechs Familien, „als wir gekauft haben“. Entlang der Gebhard-Müller-Straße seien damals zweistöckige Reihenhäuser mit Satteldächern eingezeichnet gewesen. Mit einem Bau in der jetzt geplanten Größe hätten er und die Nachbarn jedoch nicht gerechnet.

Die Häuser von Axel Keller, Andreas Fiedler, Sabine Schiller, Michaela Reismann und Nicole Müller-Streib stehen an der Kurt-Georg-Kiesinger-Straße. Die verläuft auf deutlich tieferem Niveau als die Gebhard-Müller-Straße. Dort, an der Grenze zum alten Kreuzerfeld, dominieren flache Bauten.

Michaela Reismann und Nicole Müller-Streib waren die ersten, die sich dort ansiedelten. Vier, fünf Jahre ist das her. Jahre, in denen sie Sonne auf der Südseite und in ihren Gärten hatten. Andreas Fiedler und Axel Keller kamen später. Doch auch sie wohnen so lange dort, dass sie mit der Bebauung des großen Grundstücks vor ihren Häuser kaum noch rechneten. Es lasse sich nicht gut vermarkten, wurde kolportiert.

Dass dort ein „Mehrfamilienhaus im Stil der Zeit“ entstehen soll, entdeckte Fiedler erst im Internet. Die Anwohner der Kiesinger-Straße suchten das Gespräch mit Baubürgermeister Weigel. Auch der erfuhr von dem Bauvorhaben erst durch die besorgten Anwohner. „Abwarten“, riet er ihnen. Bauträger würden ihre Vorhaben zur besseren Vermarktung oft übertrieben darstellen. Konkretes könne man erst sagen, wenn ein Bauantrag vorliege.

Häuslesbauer protestieren gegen ein hohes Mehrfamilienhaus in Kreuzerfeld-Süd

Der liegt nun vor. Die Anwohner hatten Gelegenheit, „Anregungen und Bedenken“ vorzutragen. „Zwei Stunden Sonne“ nehme ihr das neue Haus weg, sagt Michaela Reismann. Andreas Fiedler hat eine Schnittzeichnung angefertigt, die belegen soll, dass es die Gärten und unteren Stockwerke der dahinter liegenden Häuser im Winter komplett verschattet.

Sabine Schiller ist die Tiefgaragen-Einfahrt auf der Rückseite, direkt vor ihrem Garten, ein Dorn im Auge. „Man stelle sich das vor, wenn Tag und Nacht Autos rein- und rausfahren“, sagt sie. „Warum verlegt der Bauträger die Einfahrt nicht nach vorne an die Gebhard-Müller-Straße?“, fragt Andreas Fiedler rhetorisch. Weil dann die Einfahrt durch die Gärten der potenziellen Käufer führen müsste. Auch dass ein Anbau für Mülleimer und Fahrräder vor ihren Gärten entstehen soll, finden die Anwohner nicht gut.

„Das Bauvorhaben entspricht den Vorgaben des Bebauungsplans“, sagt Baubürgermeister Thomas Weigel. „Der Bauträger braucht keinerlei Befreiung , es wird genauso ausgeführt, wie im Bebauungsplan vorgesehen.“ Kleinere Schönheitsfehler wie zwei oberirdische Stellplätze direkt vor den Gärten der Nachbarn seien schon gestrichen worden. Außerdem habe der Bauträger zugesichert, mit den Nachbarn über weitere Anregungen zu sprechen.

„Ich kann die Anregungen der Nachbarn gut verstehen“, sagt Weigel. „Die haben den Bebauungsplan nicht ausgenutzt. Sie haben kleiner gebaut, als sie eigentlich dürften.“ Nun komme einer, der das mache, was möglich sei. Eine Handhabe dagegen gebe es nicht. „Der Gemeinderat will es ja so“, sagte Weigel.

Einen Fehler im Bebauungsplan kann der Baubürgermeister nicht erkennen. „Das Ding ist jetzt 14 Jahre alt, die Diskussion führen wir an allen möglichen Stellen.“ Immer, wenn ein Mehrfamilienhaus entstehe, würden Nachbarn protestieren. „Die Diskussion haben wir in fast jedem Bebauungsplangebiet.“

„Wir werden dort barrierefrei nutzbare Wohnungen bekommen“, wirbt er fürs neue Bauvorhaben. „Warten wir ab, was in der Runde der Anhörungen noch kommt.“

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15.01.2015, 12:00 Uhr

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