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Haustyrann im Knast

Häusliche Gewalt: drei Jahre, fünf Monate Haft

Er misshandelte seine Lebensgefährtin über Monate, häufig vor den Augen ihrer Kinder (wir berichteten). Das Amtsgericht hat den 23-jährigen Angeklagten gestern zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt.

08.09.2012

Kreis Reutlingen. Er schlug sie in der Wohnung der Frau in einer Kreisgemeinde bis April 2012 immer wieder aus nichtigem Anlass, auch mit der Faust ins Gesicht und auf den Kopf. Einmal drückte er eine Zigarette auf ihrer Hand aus – wohl als Mutprobe. Er sperrte die Frau in ihrer Wohnung ein und schleifte sie an den Haaren durchs Treppenhaus, als sie die Polizei rief. Der gravierendste Vorwurf: Wiederholte Schläge mit dem Metallstab eines Wischmopps auf ihren Rücken – dabei nahm der Angeklagte ihre Lähmung in Kauf, so Richter Dominik Skauradszun.

Nach dessen Worten war es ein in der juristischen Fachliteratur so genannter „Haustyranennfall“. Der Richter ging beim Strafmaß noch über den Antrag von Oberstaatsanwalt Martin Klose hinaus, der drei Jahre gefordert hatte. Klose sprach vom „Kriegszustand“, in dem der Mann sich mit dem Opfer befunden habe: „Sie haben sie gepeinigt, wo Sie nur konnten.“ Die Kinder der Frau (aus einer anderen Beziehung) sahen Schläge und Beleidigungen schon als normal an. „Er hat ihre gestörte Entwicklung in Kauf genommen“, erklärte der Richter.

Weil der 23-Jährige die Vorwürfe größtenteils abstritt und stattdessen wortreich von der Alkoholkrankheit der Frau berichtete, mussten die heute 12- und 14-jährigen Mädchen aussagen. Der Angeklagte stammt aus dem Kosovo. Als Kind sei er dort im Krieg traumatisiert worden, unterstrich Verteidigerin Birgit Beutel-Kurr. Klose konterte: „Das müsste doch vielmehr dazu führen, dass Sie sich nicht so verhalten.“

Der Angeklagte hat fünf Vorstrafen, teils wegen erheblicher Gewaltdelikte. „Sie haben sich nicht im Griff“, sagte der Oberstaatsanwalt. Die Aufenthaltsgenehmigung des 23-Jährigen ist abgelaufen. Wenn er einen Teil der Strafe verbüßt hat, wird er wohl abgeschoben.

Info: Richter: Dominik Skauradszun; Anklage: Oberstaatsanwalt Martin Klose; Verteidigerin: Birgit Beutel-Kurr.

Lesen Sie dazu auch "Mit Engelszungen" in der Samstagsausgabe des Schwäbischen Tagblatts.

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08.09.2012, 12:00 Uhr

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