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Getrampel durch die Wiese

Hagelloch wehrt sich gegen unsensible Flaneure und Freizeitsportler

Dürfen Freizeitsportler, Hundehalter und Spaziergänger die Streuobstwiesen als Trampelpfad nutzen? In Hagelloch regt sich Widerstand.

05.07.2012
  • Christiane Hoyer

Hagelloch. Der Weg vom Heubergertor gen Hagelloch ist eine beliebte Flaniermeile und Laufstrecke für Jogger. Auch Radler flitzen gerne auf dem frisch asphaltierten Weg am Schönbuchrand Richtung Hagelloch und Hohenentringen. Wenn‘s eng wird, weichen sie schon mal auf die Streuobstwiesen aus, die den Weg auf der linken Seite säumen. Selbst einen Golfer hat Hagellochs Ortsvorsteher Martin Lack vor wenigen Tagen bei seinen Übungsschlägen auf der Wiese überrascht.

Er lud jetzt das Tübinger Ordnungsamt zum Ortstermin. Die Eigentümer der Streuobstwiesen hatten zwei Jahre lang selbst versucht, unliebsame Gäste in der Weide- und Erntezeit von ihren Grundstücken fernzuhalten. Wüste Szenen sollen sich da zum Teil zwischen Landwirten und Hundehaltern abgespielt haben, die ihre Vierbeiner gerne springen lassen und die Kothaufen liegen lassen, berichtet Lack. Es hätte gerade noch gefehlt, dass da jemand seinen Hund auf den Bauern hetzt.

Christian Reutter ist „sprachlos und entsetzt“, wie gedankenlos Tübinger Bürger seine Wiese heruntertramplen. „Die wundern sich, dass ich hier das Gras für meine Kühe brauche“, sagt der Hagellocher Landwirt und Sprecher des Kreises. Inzwischen ist der Trampelpfad zwei Meter lang geworden – das sind für Reutter ein Großballen Heu weniger.

In die Kategorie der „militanten“ Wiesen-Wegelagerer ordnet der Kreis-Obmann jene Leute ein, die permanent Natur-und Landschaftsschutz buchstäblich mit Füßen niedertrampeln und selbst Elektrozäune überwinden, in denen Schafherden grasen. „Früher hatten wir für solche Fälle Feldschützen mit der Schrotflinte auf dem Buckel“, seufzt Reutter. Und heute? „Die Polizei muss mehr Präsenz zeigen“, fordert er.

Ordnungsamts-Chef Rainer Kaltenmark sieht sich indes nicht in der Rolle des Feldschützers. Man müsse vielmehr „ein Bewusstsein“ bei den Bürgern schaffen, dass landwirtschaftlich genutzte Flächen während der „Nutzzeit nicht betreten werden dürfen“, zitiert er die Verordnung des Naturschutzgesetzes. So lange also die Bauern am Schönbuchrand von Hagelloch Gras aussäen, Heu daraus machen, ihre Tiere dort weiden lassen und im Herbst das Obst von den Bäumen holen, müssen alle Schönbuchliebhaber in den sauren Apfel beißen und auf dem Weg bleiben. Alles andere ist ordnungswidrig und kann im Zweifelsfall Geld kosten. Auch, wenn sich die Leute im Herbst die Plastiktüten mit Äpfeln füllen. „Die wissen ganz genau, welcher Baum für welchen Apfelkuchen gut ist“, erzählt Reutter.

Mit Schildern versucht die Verwaltungsstelle in Hagelloch jetzt, an die Vernunft der Flaneure und Sportler zu appellieren. Am Wochenende legte der Ortsvorsteher mit Hand an und stellte drei Schilder neben den Trampelpfad auf die Streuobstwiese. Am Montag waren zwei Schilder bereits wieder abgerissen und ein Pfosten aus dem Boden gerammt worden. Als zeitgenössischer Flurwärter übt sich der Ortsvorsteher in Geduld und bringt neue Schilder an. Die einstigen Feldschützen gingen da schon anders zur Sache, notfalls mit der Schrotflinte.

Hagelloch wehrt sich gegen unsensible Flaneure und Freizeitsportler
Ein Trampelpfad verunstaltet die Streuobstwiesen am Schönbuchrand von Hagelloch. Sie sind zwischen Frühjahr und Herbst tabu für Spaziergänger, Freizeitsportler und Hundehalter.

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05.07.2012, 12:00 Uhr

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