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Fernsehmoderator im Medienunterricht

„Hammergenial“ findet Jörg Pilawa das Firstwald-Gymnasium

Der Fernsehquizmaster Jörg Pilawa war gestern zu Besuch am Mössinger Firstwaldgymnasium, als „Star in der Schule“: Bei der Schulversammlung verriet er, was er vom Atom-Endlager in Gorleben hält, wer mit ihm Wurst-Werbung macht und wie ihn tatsächlich die „Liebe auf den ersten Blick“ traf.

24.09.2010
  • Jürgen Jonas

Mössingen. Die Mössinger Schule sei auf dem richtigen Weg, der Umgang mit den allgegenwärtigen Medien heutzutage so wichtig wie die Fächer Mathematik und Deutsch. „Hammergenial“ nannte der Fernsehquizmaster Jörg Pilawa gestern das evangelische Firstwaldgymnasium, insbesondere dessen Profilfach „Mensch und Medien“. Der 45-Jährige war über das Programm „Stars an die Schule“ nach Mössingen gekommen – das Magazin Focus hatte unter diesem Motto einen Wettbewerb ausgelobt.

„Hammergenial“ findet Jörg Pilawa das Firstwald-Gymnasium
Jörg Pilawa entert die Firstwald-Bühne, gefolgt von Rektor Helmut Dreher. Bild: Rippmann

So haben die Firstwald-Schüler einen Tag mit Pilawa gewonnen, einem der bekanntesten Bildschirm-Gesichter. Als Moderator bei Privatsendern und öffentlich-rechtlichen Anstalten hat er Sportmagazine, Talkshows und Sendungen wie „Herzblatt“, „Ländertest“, „Das Quiz“, „StarQuiz“, „Märchenquiz“ und „Geschichtsquiz“ gestaltet. Die Spannung war deshalb groß, überall lauerten ihm Autogrammjäger auf, vor allem aus den unteren Klassen. Auch zahlreiche Vertreter von Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen waren da.

Aus seinem Wohnort Hamburg war Pilawa am Morgen mit dem Flieger angereist. Um gleich am Unterricht im Profilfach teilzunehmen, bei dem ihm, wie er versicherte, viel beigebracht worden sei. „Extrem gut“ gefiel dem von knallhartem Frontalunterricht Geschädigten der pädagogische Umgang miteinander, die Schüler fand er „sehr diszipliniert“, wobei er hoffe, das sei nicht immer so.

Nach dem Essen (Geschnetzeltes mit Reis) stellten Schüler dem Medienprofi einige ihrer Projekte vor, ironisch gefärbte Werbespots etwa für Firefox, einen Red Bull-Riegel oder Kopfhörer. Auch Reflektionen über die Peinlichkeit nachmittäglicher Talkshows. Zwei Kurzfilme von Zehntklässlern mit den Titeln „Ausgequalmt“ und „Burn out“ hatten es ihm besonders angetan. „Twilight ist Mist dagegen“, Fernsehen werde mit dem Bauch angeschaut, nicht nur mit dem Auge, sein Lob für die Filme klang nicht unehrlich, „beide weiter!“ hieß sein Urteil.

Schulleiter Helmut Dreher und Studiendirektor Friedemann Stöffler führten den Gast über das Schulgelände, zeigten mit Stolz die neue Sporthalle und die Schreinerei, an der zwei Schülerfirmen Bau und Vertrieb von Möbeln übernehmen, etwa Stehpulten, die der Präsentation dienen. Pilawa, mit einer Lehrerin verheiratet, erteilte gleich einen Auftrag über zwei davon. „Super!“, so seine Bewertung dieser Form des „ganzheitlichen Unterrichts“. Es gab sicher schon Schulversammlungen mit geringerem Unterhaltungswert als die in der überfüllten Mensa, mit Pilawa im Mittelpunkt. Praktisch alle Schüler wollten ihn sehen und hören, bei einer Talkshow, die Tim Steinhoff und Andreas Gajduk moderierten, zwei Schüler der 13. Klasse. Sie hatten sich bereits im vergangenen Schuljahr im Profilfach mit der Person Pilawa auseinandergesetzt. Die sich denn auch fühlte „wie bei Richterin Salesch auf der Anklagebank“.

Gut vorbereitet, aber nicht sensationslüstern zeigten sich die beiden, fragten den Medienstar nach dem Aufenthalt auf seiner kanadischen Insel, die den Hochdotierten etwa halb so viel wie eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Schwabenland kostete. Nach dem Abitur hat er gleich zwei Studiengänge abgebrochen, einmal Medizin, dann Geschichte auf Lehramt. Er begann im Medienbereich zu arbeiten, begleitet, wie er offenbarte, von „sehr viel Glück“. Eine Arbeit wie seine sei kein normaler Karriereweg, man müsse zur rechten Zeit am rechten Ort sein und über Kontakte verfügen.

Er sprach offen über seine Schwächen, prangerte das so genannte Endlager Gorleben an, erzählte auch, wie er seine Frau bei einer Quizsendung kennen lernte, „Liebe auf den ersten Blick“ war es, was der ganze Saal mit einem Seufzer aufnahm. Als „Befürworter von Medien“ sagt er: „Man muss wissen, was man tut, wenn man mit den Medien umgeht.“ Denn „wer die Bild-Zeitung zur Hochzeit einlädt, darf sich nicht wundern, wenn sie auch zur Scheidung kommt.“ Dann ging es um die Wurst, für die Pilawa Werbung macht, allerdings keineswegs mit der eigenen Familie, die er „niemals vor die Kamera zerren würde“. Andere Werbeanfragen hat er freilich abgelehnt.

Der (kritische) Katholik versucht, gemeinsam mit seiner Frau Irina, die drei Kinder zu „aufmerksam durchs Leben gehenden Menschen zu erziehen“. Seinen Gesamteindruck von der Schule fasste er, ohne „eine Schleimspur“ hinterlassen zu wollen, in das Wort „hammergenial“, seine Kinder würden, wohnte er hier, das Gymnasium besuchen. Der „Star zum Anfassen“ habe, so Stöffler am Ende, den Besuch nicht nur als Pflichttermin absolviert. Den Schülern tue es gut, wenn ein Mann wie Pilawa ihnen wertschätzend gegenübertrete.

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24.09.2010, 12:00 Uhr

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