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Im Land des Handballs

Handball: Erstligist Aix-en-Provence trainiert in Tübingen

Tübingen beherbergt diese Saison einen Handball-Bundesligisten im TV Neuhausen – und die Handballer seiner französischen Partnerstadt Aix-en-Provence spielen jetzt ebenfalls Erste Liga. Einen Teil der Vorbereitung auf diese Premierenrunde haben sie diese Woche in Tübingen gemacht.

24.08.2012
  • Tobias Zug

Tübingen. Noch einmal mussten sie gestern die Langhanteln rauf und runter stemmen. Noch einmal befestigte Gummibänder in der Horizontalen schnell hin und herziehen, auf den Hometrainern strampeln. Und heute sagen die Handballer aus Aix-en-Provence nach sechs Tagen Tübingen und dem „Easy Sports“-Fitnessstudio „Adieu“ und fahren mit ihrem Teambus in die Schweiz zu einem Testspiel gegen Schaffhausen. Erstmals in ihrer 57-jährigen Vereinsgeschichte haben die Handballer der 140 000-Einwohner-Stadt, „Pays d’Aix Handball Université Club“, kurz PAUC, den Aufstieg in die „Ligue Nationale“ des aktuellen Olympiasieger-Lands geschafft. Um die nicht gleich nach einer Runde wieder verlassen zu müssen, trainierten sie wie bereits im vergangenen Jahr während der Vorbereitungszeit auch in ihrer deutschen Partnerstadt.

Michaela Steck ist so was wie die Initiatorin des Austauschs. Die Marketingmanagerin der Tübinger Basketballer besucht öfter mit den Jugendbasketball-Teams die Partnerstadt, und die damaligen Zweitliga-Handballer fragten bei ihr im vergangenen Jahr erstmals nach, ob sie denn mal in Tübingen ein Trainingslager machen könnten. „Uff…“, war Stecks erste Reaktion. Dann arrangierte sie, dass diese beim SV 03 auf die Laufbahn konnten, in der Uhlandhalle trainieren und gegen Teams wie Bundesligist HBW Balingen-Weilstetten spielen.

„Uff…“, sagte Steck auch, als die Aixer an Ostern mit derselben Bitte an sie herantraten. Doch es klappte erneut: Statt der Uhlandhalle trainierte der Neu-Erstligist diesmal zwar „nur“ in der Feuerhägle-Halle, die Bundesligisten Balingen-Weilstetten und Neuhausen mussten als Testspielgegner passen, da deren Saison bereits am Wochenende beginnt, während die seit dem 26. Juli trainierenden Aixer am 15. September erst loslegen.

Jüngster Trainer in Frankreichs Erster Liga

Dennoch: „Wir hatten hier in Tübingen wieder beste Voraussetzungen“, sagte Trainer Jérémy Roussel. Dieser hat bereits einen Titel sicher in Frankreichs Eliteliga: Mit 34 Jahren ist Roussel der jüngste Trainer dort. Sein Rückraumspieler Vladica Stojanovic ist gerade mal drei Jahre jünger; der Serbe spielte bereits in der Deutschen Bundesliga, in Melsungen und zuletzt bei Eintracht Hildesheim. Und auch mal in Katar. „Für das gute Geld kann man auch mal in Katar spielen“, sagte Stojanovic, „aber das ist dort eigentlich kein Handball und hat auch keinen Spaß gemacht.“ Im Februar wechselte er nach Aix-en-Provence.

Und war jetzt das zweite Mal in Tübingen, nachdem er mit Melsungen mal vor einem Bundesligaspiel gegen Balingen-Weilstetten dort übernachtet hatte. Diesmal mit 16 Teamkollegen, Cheftrainer Roussel, einem Konditionstrainer, einem Physiotherapeuten und der einzigen Frau im Team, Betreuerin Laure Monrazel, in der Jugendherberge. Vier Mal pumpten die Jungs Kraft und Kondition im Fitnessstudio, das dafür nicht nur seine Geräte sondern auch zwei seiner Übungsleiter zur Verfügung stellte. Dazu machten die Aixer Testspiele gegen Bietigheim (24:25) und Bittenfeld (29:24). „Deutschland ist das Land des Handballs“, sagte Trainer Roussel, „hier in Tübingen gibt es im Umkreis von 60 bis 80 Kilometern richtig gute, starke Teams, gegen die wir spielen können.“ In Frankreich, sagte Roussel, kennen sie die in Frage kommenden Testspielgegner bereits in- und auswendig.

Angelo Bauso, Marketingchef des Fitnessstudios, schaut den Handballern bei ihren Übungen zu. Schon zur Vorbereitung auf die vergangenen Zweitliga- und spätere Meistersaison schwitzten sie in diesem Raum: „Also hatte das Training hier was gebracht…“, sagt er schmunzelnd. Diesmal darf es nach Roussel auch etwas weniger sein als die Meisterschaft: „Die Liga ist interessanter geworden, weil wegen der Krise in Spanien einige französische Stars von dort wieder zurückgekommen sind.“ Roussel will deshalb „nur nicht absteigen“. Vielleicht kann Tübingen ja seinen Teil hierzu beitragen.

Handball: Erstligist Aix-en-Provence trainiert in Tübingen
Dass sie gerade Aixer Handball-Geschichte schreiben, zeigt der Teambus auch in der Wilhelmstraße.

Handball: Erstligist Aix-en-Provence trainiert in Tübingen
Hoch die Hantel: Trainer Jérémy Roussel (rechts) und Fitnessstudio-Trainer Antonio Leotta kontrollieren, ob ihr Handballspieler alles richtig macht. Privatbilder

Als Neuling in Frankreichs erster Handball-Bundesliga hat Aix-en-Provence einen der kleinsten Etats unter den 14 Teams. Einen Großteil dazu stemmen Stadt und das Département. „40 bis 50 Prozent unseres Etats kommt von den Kommunen“, sagt Trainer Jérémy Roussel. PAUC (Pays d’Aix Université Club) spielt weiter in seiner für etwa 1500 Zuschauer Platz bietenden Halle. Geplant und in der Gemeinde bereits diskutiert sei bereits schon länger der Bau einer neuen, größeren Halle. Aber, sagt Roussel, „die Politik…“ PAUC startet in der Ersten Liga am 15. September in Toulouse, das erste Heimspiel ist eine Woche später gegen Paris.

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24.08.2012, 12:00 Uhr

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