Zölle

Handelskrieg trifft sogar Likör

Die US-Strafen gegen Airbus treffen Familienunternehmen am stärksten. Nicht nur in der Technik-Branche.

25.05.2020

Von DIETER KELLER

Gabriel Felbermayr leitet das Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Foto: IfW-Institut/dpa

Berlin. Die Strafzölle der USA gegen Airbus haben auch auf ganz andere deutsche Exportbranchen gravierende Auswirkungen: Neben der europäischen Flugzeugindustrie sind die Likör- und Branntweinhersteller am stärksten betroffen. Vielfach handelt es sich um Familienunternehmen, zeigt eine noch unveröffentlichte Studie von Gabriel Felbermayr vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel und Christoph Herrmann von der Uni Passau für die Stiftung Familienunternehmen, die unserer Zeitung vorliegt.

US-Präsident Donald Trump hatte 2019 Sonderzölle von 10 Prozent auf in der EU hergestellte Flugzeuge und von 25 Prozent auf zahlreiche weitere Importe verhängt. Dies ist durch die Regeln der Welthandelsorganisation WTO gedeckt. Hintergrund war der seit 15 Jahren andauernde Streit um Subventionen für Flugzeuge des europäischen Herstellers Airbus und des US-Konkurrenten Boeing.

Nach den Berechnungen von Felbermayr und Herrmann treffen die Airbus-Sonderzölle ein Handelsvolumen von 8,4 Mrd. EUR. Mehr als ein Fünftel entfällt auf deutsche Unternehmen. Die Güterexporte aus der Bundesrepublik drohen um 650 Mio. EUR im Jahr zurückzugehen. Nach der europäischen Flugzeugindustrie stehen die Produzenten von Likör und Branntwein schon an zweiter Stelle. Zölle sind nicht nur für schottischen Whisky fällig, sondern ebenso für Likör und Schnaps aus Deutschland. Das treffe auch zahlreiche Familienunternehmen.

Zum Ausgleich empfehlen die Forscher einen Ausgleichsfonds der EU. So ein Hilfsinstrument für unbeteiligte Unternehmen gebe es bereits in den USA und China, nicht dagegen in Europa. Mit einer solchen Einrichtung könne die EU in Handelsstreitigkeiten glaubwürdiger auftreten, hofft der Chef der Stiftung Familienunternehmen, Rainer Kirchdörfer. Er befürchtet, dass die globalen Handelskonflikte nach der Corona-Pandemie zunehmen. „Der beste Ausgleichsmechanismus bleibt aber der, der nicht aktiviert werden muss“, so Kirchdörfer. Dieter Keller

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Erstellt:
25. Mai 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Mai 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2020, 06:00 Uhr

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